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SPORTFREUNDE STILLER - Witzig ernst

Es gibt nicht viele Bands, denen es gelingt, die Erwartungen ihrer Plattenfirma gleich mit dem ersten Album zu übertreffen, ohne dabei ihre Seele an den Teufel zu verkaufen oder durch endlose Tourneen selbst aus dem Gleichgewicht zu kommen. Doch Sportfreunde Stiller haben mit ihrem Debutalbum "So wie einst Real Madrid" vor knapp zwei Jahren genau dieses Kunststück fertig gebracht. Und wer die drei Münchner letztes Jahr auf Tour erlebt hat, staunte nicht schlecht: Die Songs, die das Trio für sein zweites Album zusammengetragen hatte, schienen die Mischung aus Power und Spaß, die das erste Album so charmant gemacht hatte, noch besser auszubalancieren.
Wo es doch im Allgemeinen heißt, die zweite LP sei häufig die schwierigste für eine Band, schienen die Sportfreunde derartige Probleme nicht zu kennen. Insgesamt ein bisschen weniger punkig, dafür mit mehr Groove und einem besseren Ohr fürs Detail, fielen bei den Konzerten ganz besonders "Die gute Seite" und "Tage wie dieser" angenehm auf. Nun ist das zweite Album, "Die gute Seite" (und die dazugehörige großartige Single "Das Kompliment"), endlich da, und obwohl es keinesfalls eine schlechte Platte ist, bleiben Peter, Rüde und Flo - ihr zunehmender Erfolg bei der MTVIVA-Klientel hat zur Folge, dass ihre Nachnamen immer unwichtiger werden – doch ein Stück weit hinter dem Sound ihrer großartigen Liveshows zurück. "Ich kenne keine Band, die es schafft, hundertprozentig den Druck ihrer Konzerte auf auch Platte umzusetzen. Das ist einfach nicht möglich", meint Flo beim Treffen mit der Westzeit in Köln fast ein wenig entschuldigend. Und Rüde fügt an: "Live sind natürlich auch noch so viele andere Eindrücke mit dabei, die das Erlebnis viel intensiver machen. Aber vielleicht ist da ja wirklich noch etwas drin? Ich könnte mir schon vorstellen, dass man eine Platte auch noch druckvoller produzieren könnte."



Die typische Produktion vom Die-Ärzte-Mischpultchef Uwe Hoffmann mag Geschmackssache sein, doch ohne Zweifel fällt bei der neuen Platte auf, dass gerade die – witzig ernsten - Texte mehr im Vordergrund stehen als bei den Konzerten und so das Zauberwort Botschaft streckenweise dem – gerade bei den Frühwerken der drei so wichtigen - Spaßfaktor ein bisschen den Rang abläuft. Ist das vielleicht eine neue Art von Verantwortungsgefühl, gerade den jüngeren Semestern im Publikum gegenüber? "So ein Gefühl ist auf jeden Fall da, denn wir merken immer stärker, dass wir mehr in der Öffentlichkeit stehen, und dann sollte man das auch in irgendeiner Art und Weise nutzen, eine bestimmte Aussage rüberzubringen", ist sich Peter sicher. Diese Einsicht äußert sich auf dem zweiten Album vor allem darin, dass die Texte klarer strukturiert und besser auf den Punkt gebracht sind. "Allerdings soll das keine Erziehungshilfe für junge Leute sein. Wir wollen als Band auch keine politischen Parolen schmettern, aber wenn uns etwas wichtig ist, dann wollen wir das natürlich auch sagen."



Apropos sagen: Gesagt werden muss natürlich noch, dass es eigentlich völlig egal ist, ob den Sportfreunden mit "Die gute Seite" albumtechnisch der große Wurf gelungen ist oder nicht. Immerhin sind die Bajuwaren, deren nächste bundesweite Tour Ende April startet, eine der besten (und ohne Frage unterhaltsamsten) Livebands auf unseren Bühnen – und das ist schließlich schon mehr, als man von irgendeiner Band erwarten kann und darf!



Aktuelles Album: "Die gute Seite” (Motor/Universal)
© 01. April 2002  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Motor Music
April 2002

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