interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
MILTON JACKSON - Biologie + Technik

Aus der Flut bedeutungsunschwangerer Veröffentlichungen auf dem Floorfashion-Markt sticht die des 21-jährigen Barrie Christie alias Milton Jackson eindrucksvoll heraus. Rettet ein junger Schotte den DeepHouse vorm Verderben? Westzeit befragte den Shootingstar von der Insel.
Den Namen von einem Jazzmusiker namens Milt Jackson (Vibraphonspieler des Modern Jazz Quartet, gestorben 1999) entliehen, schickt sich der junge Brite an, elektronische Tanzmusik mit der Seele des Funk verschmelzen zu lassen. Seine musikalische Karriere begann er jedoch mit einer klassischen Gitarrenausbildung im Alter von 10 Jahren. „Ich spielte etwa 6 oder 7 Jahre, bevor ich mir meinen ersten Sampler und anderes elektronisches Equipment zulegte. Meine Eltern haben mich finanziell und auch allgemein dabei unterstützt.“ Und schon wenige Jahre später bringt der Youngster mit „The Bionic Boy“ ein Album heraus, das im Genre wohl für Aufsehen sorgen wird. „Viele House-Produzenten kümmern sich nicht um ein großes Spektrum der Musik, sondern ausschließlich um House. Ich dagegen interessiere mich für alle Spielarten elektronischer Musik und zudem noch Funk und Soul und versuche, sie in meinen eigenen Sound einzubinden. Das klingt aus Sicht der Einflüsse anders, aber nicht unbedingt revolutionär. Vielleicht wird die nächste Scheibe etwas ganz besonderes, wer weiss.“ Seinen aktuellen Output sollte das allerdings nicht abschwächen. Man hört einfach sofort, das Barrie sich Gedanken über das Produkt, das er erschaffen wollte, gemacht hat. „Eigentlich sollte die Platte nicht wirklich House werden. Ich hörte viel Drum‘n‘Bass und war von den Techniken und den knackigen Produktionen fasziniert. Ich habe mich nicht auf eine Richtung fixiert.“ Und genau das hat dem Album richtig gut getan. Der Titel beschreibt die Arbeit von Milton Jackson, eine Kombination von technischen mit organischen Elementen, nahezu perfekt. Das Artwork unterteilt auch die stilistisch differierenden Stücke voneinander. „Der zweite Teil des Albums ist sehr housy ausgefallen, und die anderen Stücke schlingern durch so viele verschiedene Styles. Die Idee war, auf einen Höhepunkt hinzuführen, der vom Track „The Bionic Boy“ eingeleitet wird. Es folgt nicht nur Song auf Song, die Übergänge sind fliessend strukturiert und ermöglichen ein durchgehendes Anhören viel leichter.“ Bei der Auskopplung der beiden Singles „Sunlight“ und „Dimensional“ wird die Remix-Politik Einzug halten, sind doch diese Tracks auf dem Album in recht langen Versionen vertreten. Beide stammen aus dem House-lastigen Albumteil, doch laut eines älteren O-Tons beschreibt Barrie seine Musik als „deep electronic soul music“... „Für mich ist der Aspekt House eigenlich nur die Verwendung von straighten Beats. Ich liebe diesen Beat, möchte ihn aber mit einer anderen Instrumentierung verbinden. Ich möchte mich nicht darauf reduzieren.“ Der konstante Anteil Funk bestätigt dieses Anliegen. „Die Verbindung von Groove mit House-Beats ist einfach herrlich. Ich wollte immer etwas Außergewöhnliches machen.“ Die Faszination des Bionic Boy geht sicherlich von der Tatsache aus, dass man ausnahmlos alle Tracks wahlweise als chilliges Tonmaterial sowie zu hemmungslosen Tanzorgien nutzen kann. „Du kannst tanzen oder zuhören. Je nachdem. Ein bisschen von jedem wäre die optimale Lösung.“ Entscheiden sie selbst. Festzuhalten bleibt, das dieser Junge dem Genre definitiv wieder auf die Beine hilft.



Aktuelles Album: The Bionic Boy (Shampoo/Luce/SPV)
© 01. April 2002  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
April 2002

Links

suche