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CORNERSHOP - Tu mi piaci, Tjinder!

Ab 30 ist jeder Tag ohne Schmerzen ein Gewinn. Während einige Thirty-Somethings sich beim Zähneputzen eine Sehnenscheidenentzündung zuziehen, lauschen andere teilweise fernöstlichen Klängen. Oder befragen die Altersleidensgenossen von Cornershop, wie solche Sounds entstehen...
Tjinder Singh und Ben Ayres, Songschreiber/Multi-Instrumentalisten, von Cornershop und Clinton (siehe "Disco And The Halfway To Discontent") sind nervös. Es ist der Nachmittag vor einem der ersten Gigs, die im Rahmen eines Festivals in Hamburg das neue Programm zu "Handcream For A Generation" präsentieren sollen. "Nimm bitte Rücksicht, es ist noch nicht alles perfekt", bittet Tjinder, obwohl es später keinen Grund zum tadeln gab. Cornershop bieten live eine perfekte Show, tanzbare Musik. Die neuen Songs haben zwar nicht primär eigenständige Texte, es wiederholen sich fortwährend die prägnantesten Verse. Singh: "Die Vocals definieren sich als zusätzliches Instrument. Aber sie sind gut zum mitsingen. Trink mit deiner Frau ein paar Gläser Rotwein und probier es aus! Wir wollten etwas neues erschaffen, aber prägende Einflüsse integrieren. Es brauchte einen langen Weg, um das Endprodukt umzusetzen. Wir hätten es einfacher haben können. `Motion The 11´ ist im Stil 1974-82er Reggae, er sollte qualitativ hochwertig mit moderner Produktionstechnik auf Harddisc gebannt werden." Ayres: "Ich finde interessant, dass diverse Leute uns bescheinigen, ` Lessons Learned From Rocky 1 To 3´ wäre besonders im Auto gut zu hören. Tatsächlich verbrachten wir mehr Zeit denn je im Auto, als wir daran arbeiteten." Der Titel startet mit einer `schmutzigen´ Glam-Gitarre a la T. Rex... Singh: "Bolans Energie ist so gut, weil sie elektrisiert !" In den 70er Jahren starteten die dumpfen, auf niedrigstem intellektuellem Niveau angesiedelten Boxer-Filme über den fiktiven Kämpfer Rocky. Ayres: "Wir hassten die Filme! Unser `Rocky´ soll symbolisch einen Weg aufzeigen, sich gegen die Musik-Industrie zu wehren." Singh hat nicht einen dieser Streifen ganz gesehen. "Ich hatte viele Jahre gar kein Fernsehgerät. Manchmal gucke ich mir Werbung an, um zu sehen, was dahinter steht. Um zu verstehen, warum sich Leute soetwas ansehen. Es sind leider viele Möglichkeiten verlorengegangen." Das führte zu Formaten wie `Big Brother´, denn die Menschen würden träge. Ayres:"`Handcream´soll zum nachdenken anregen!" Singh: "Es ist gut, oft über die Zeilen, und was dazwischen steht, nachzudenken. Immer wieder. Handcreme kann ein Luxusartikel sein. Ebenso ist es für jederman, zur Reinheit. " "Handcream..." enthält mit "People Power" eine Neuinterpretation eines Tracks vom Clinton-Album, "The London Radar" entsprang der unveröffentlichten Cornershop "Mix Selection". Ayres: "Das war nicht wirklich ein DJ-Set, es war in erster Linie Spass. Mixing skills." Singh: "Ich mag Compilations. Yellowman ist guter Seventies-Funk. Des weiteren befinden sich die besten Reggae-Tracks, die wir jemals hörten, auf dem Set. Warum genau die VÖ gecancelt wurde, weiss ich nicht." Gehört werden möchte Tjinder Singh: "Ob ich wie 1995 mit `Jullander Shere´ abermals eine Arbeit an die Werbung verkaufen würde? Heute? Ich befürchte, ich würde es wieder tun! Nicht des Geldes wegen, ich möchte, dass die Leute meine Musik hören können. Es ist einfach gut, gehört zu werden. Für alle, auch für das Label!" Tu mi piaci, Tjinder! Für solche ehrlichen Antworten mögen wir dich. Und für die Musik lieben wir euch!



Aktuelles Album: Handcream For A Generation (Wiiija / Beggars Group; VÖ: 01.04.)
© 01. April 2002  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
April 2002

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