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MARTIN GALLOP - Die kleine große Geste

Martin Gallop ist ein Kanadier, der indes seine Solo-Debut-CD "How Much Is The World" auf dem deutschen ulftone Label veröffentlich. Nicht unbedingt ein Widerspruch, denn Martin wohnt seit ca. ´88 in Oldenburg (wohin es ihn als Mitarbeiter einer Musical-Show verschlug – zunächst als Techniker, dann als Komponist) und hat auch hier "Wurzeln geschlagen", wie er uns in ausgezeichnetem Deutsch erklärt.
"Ulf Zick kannte ich schon seit der Zeit, wo er noch kein Label, sondern eine Promo-Agentur hatte", erklärt Martin den Werdegang, "dann verloren wir uns aus den Augen. Als ich vor einiger Zeit für zwei Jahre in Kanada lebte, geriet mir dort die Scheibe von Pat MacDonald (einer von Martin´s Lieblings-Songwritern) in die Hände, und da kam dann die Verbindung zu Ulf auch wieder zustande." Was hat er denn in Kanada gemacht und warum ist er nicht dort geblieben? "Ich habe in Kanada mit dem Titeltrack des Albums den ´National Canadian Songwriting Contest´ gewonnen. Das ist schon ein wichtiger Preis", erinnert sich Martin, "es lief allerdings eine ganze Zeit lang nicht so gut, und ich hatte mir schon überlegt, ganz etwas anderes zu machen. Dann kam aber die Möglichkeit mit ulftone zusammenzuarbeiten und außerdem wollte ich nicht die Beziehung zu meiner Tochter verlieren, die in Deutschland lebt, deshalb bin ich wieder zurückgekommen." "World" ist für Martin mittlerweile schon wieder eine "ältere Sache", denn er hat sich seit den Aufnahmen schon weiterentwickelt. "Ja, gerade arbeite ich mit einer neuen Band zusammen (www.thebandgallop.com). Das ist sehr geil, weil wir momentan einfach total Bock haben, zusammenzuspielen. Es ist uns sogar fast egal, wo wir spielen." Gibt es denn schon neues Material? "Ja, wir haben diesen Keyboarder, Jörg Wockenfuß, der ist sehr gut darin, Atmosphären zu erzeugen. Die neuen Sachen klingen zugleich einfacher und auch verrückter – das kann man nicht gut beschreiben. Ich möchte aber auf jeden Fall weg von dieser bloßen ernsthaften Gitarrenmusik, mehr in Richtung Pop." Dabei ist Martin´s Musik doch ohnehin schon Pop-lastig – im positiven Sinne. "Auf jeden Fall, ich mag große Melodien, ich mag es, wenn ein Song unterhält aber unter der Oberfläche dennoch Tiefgang hat", stimmt er zu. Kann es sein, daß sich die Stücke von Martin unterteilen in "positive" und "negative" Tracks? "Das kann schon so scheinen", gibt Martin zu, "aber am liebsten habe ich es, wenn ein Stück sowohl etwas Fröhliches, wie auch etwas Düsteres hat. Ich mag es, wenn die Texte ambivalent sind." Wie sein Idol, der Landsmann Ron Sexsmith, versteht es Martin dabei, möglichst viel mit möglichst wenig auszudrücken. Aber wie entstehen denn diese Songs? "Also die Texte sind richtig harte Arbeit", gesteht er, "es ist nicht so, daß ich das nicht machen will oder so, aber ich schiebe das auch mal bis zum Schluß auf. Zunächst habe ich gerne einen Titel für einen Song. Den betrachte ich mir dann von allen Seiten, und versuche so, eine Story dazu zu zusammenzubekommen. Wie gesagt, ich muß hart daran arbeiten, um voranzukommen. Und deshalb schreibe ich meine Stücke auch oft beim Laufen oder sonstwie in Bewegung." Was hat denn der Titel der Scheibe zu bedeuten? Bei uns bedeutet der Ausdruck "Was kostet die Welt" ja, daß es einem gut geht. "Weißt Du, als englisch sprechender Mensch denke ich nie, was die Stücke zum Beispiel für einen Deutschen bedeuten könnten", schränkt er diesen Interpretationsversuch ein, "bei uns gibt es diesen Spruch gar nicht – er ist also neu für mich. Ich fand einfach, daß er gut klingt. Und im Englischen kann das auch sehr viel mehr bedeuten, als im Deutschen – zum Beispiel: "Was gehört alles zur Welt?". Das Cover zeigt ein Kind (Martin´s Tochter im Alter von 5 Jahren), daß zu einem Erwachsenen aufschaut und genau diese Frage stellt. Der Titel ist also sehr ambivalent für mich." Eine Frage interessiert in dem Zusammenhang mit Martin´s kosmopolitischer Gesinnung nun doch besonders: Was bedeutet es denn, als in Deutschland lebender Kanadier amerikanisch orientierte Rock-Pop-Musik zu machen. Gibt es denn überhaupt etwas typisch Kanadisches beim Musik machen? "Oh ja, es gibt etwas typisch Kanadisches. Man könnte das als "fehlendes Selbstbewußtsein" beschreiben", erzählt Martin, "die Kanadier trauen sich nicht so viel. So etwas wie große patriotische Gesten – etwa wie Bruce Springsteen das macht – das geht ihnen ab. Das ist so ähnlich wie mit den Dänen oder den Holländern, die diesen Respekt vor den Deutschen haben." Offensichtlich hat Martin Gallop noch keinen Holländer auf unseren Autobahnen fahren sehen. Soll das nun heißen, daß auch Martin Gallop die kleine Geste bevorzugt? "Nein, das kommt mir nicht so entgegen", erwidert er, "ich mag die große Geste eigentlich ganz gern – deswegen mag ich auch Pop-Musik. Und es sollte nicht allzuviel Ironie in der Musik drin sein. Darin sind ja die Engländer ganz groß, aber ich finde, manchmal kann Ironie auch stören." Nun gut. Nach der Veröffentlichung der CD wird Martin zunächst mal in seine Heimat reisen, dort ein wenig die Werbetrommel rühren, touren und neue Aufnahmen machen (ein Studio ist schon gebucht). Danach wird er dann durch ganz Deutschland touren und live spielen (egal wo). Bis dahin sollte man immer mal wieder auf die Website schauen, denn dort hält uns Martin über seine Aktivitäten auf dem Laufenden.
© 01. April 2002  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
April 2002

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