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AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD - Ein Teil der Popkultur

Sie tragen Pilzkopf-ähnliche sechziger Jahre Frisuren, enge Pullis oder bunte T-Shirts mit Zahlen oder Namen drauf, Anzughosen und schwarze Schuhe. Ihr Sound klingt nach Rickenbacker und Vox. Die vier Jungs müssen entweder aus Hamburg, London oder Liverpool kommen – aber weit gefehlt. Nachdem sie bei der Popkommeröffnung 2000 im E-Werk dabei waren, haben sie erneut den weiten Weg aus der Universitätsstadt Austin, Texas, nach Germany auf sich genommen um Musikjournalisten mit ihren zurückhaltenden Wesen und wohlüberlegten Antworten zu beglücken, und abends beim Showcase im Kölner Stadtgarten ihre Instrumente in kindlicher Gründlichkeit zu zertrümmern.
"Wir denken gerade darüber nach Firmen bei der Entwicklung von Instrumenten zu helfen, die viel stärker und besser gebaut sind," verrät Bassist Neil Busch über die nächsten Ziele. Gitarrist Kevin Allen konkretisiert die Vorstellungen, natürlich handelt es sich um Gitarren aus Gummi oder Titan. Nach eigenen Angaben sind Trail of Dead für diese Aufgabe prädestiniert, da das Instrumentarium manchmal nicht in der Lage sei, der Intensität der Performance standzuhalten, "und daher geht es kaputt." Mit dem Wissen darüber, welche fast kultische Verehrung klangerzeugende Körper bei diversen Musikerkollegen erfahren, schleicht sich der Verdacht ein, dass es sich hier um verdammt abgeklärte Typen handeln muss. Dem Zahn auf den Grund gefühlt kommen echte Beziehungsprobleme zutage. "Letztendlich ist es nur ein Instrument, ein Werkzeug, welches Dir hilft etwas zu kreieren. Daher versuchen wir nicht zu sehr an ihnen zu hängen, falls es einem mal passiert, dass es von der Bühne fliegt."

Im Laufe des Gesprächs fällt ein Licht auf die Herkunft solch bahnbrechender Verhaltensweisen und Einstellungen. "Wir sind alle aufgewachsen mit klassischem Rock und den Bands des ‚Golden Age of Rock’n’Roll’, Led Zeppelin und Pink Floyd und so. In den frühen Teenagerzeiten entdeckten wir den Punkrock als neues Ding, der die Ansicht beinhaltete, tu was Dir gefällt, sei wer Du willst." Bei diesen Worten schweifen wieder die Gedanken des Interviewers, und er stellt sich die dreckigen Gassen einer englischen Metropole vor und vier Jungs, die auf die nächste Konfrontation mit der konkurrierenden Mod-Gang zuschlendern. Daher drängt sich die Frage auf, ob die Texaner ein spezielles Verhältnis zur Britischen Musik und Britischem Lifestyle haben. Aber Neil entpuppt sich als geschickter Drumherumredner. "Populäre Musik repräsentiert heute eine Kombination von so vielen Elementen. Und ich denke wir werden eine globale Gemeinschaft, einfach auf Grund der Kommunikationsmöglichkeit. Ich kann Dir z.B. eine Idee per Email schicken, wir sind nicht mehr durch Entfernung getrennt."

Na gut, sie haben englische ‚Classic Rockbands’ gehört, sonst aber keine besondere Affinität zur Insel. Was ist mit dem Intellektuellenimage, welches auch im Bandinfo aufgebaut wird. Angeblich suchten sie gemeinsam nach dem Äquivalent für das, was man in der Physik die Einheitlichkeitstheorie nennt, in der Anthropologie. Daraus entstand das gemeinsamen Projekt. Auf die Frage nach dem wissenschaftlichen Anspruch folgt schelmisches Lachen. "Also, Anthropologie ist die Untersuchung vom Menschen und Kulturen, Orten und Positionen, Formen und Funktionen. Wir fühlen uns wie aktive Teilnehmer an der Kultur, wir kreieren Musik, Kunst und Wörter, die Dokumente unserer Zeit sind. In zehn Jahren schaut vielleicht jemand zurück und sagt über unsere Musik, das ist die Art wie ich 2002 gelebt habe."
© 01. April 2002  WESTZEIT ||| Text: Ulf Kneiding
April 2002

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