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PUDDLE OF MUDD - Es war einmal... oder Das moderne Rock-Märchen

Es gibt wohl kaum eine unbekannte Band, die nicht den selben Traum hat: Man begegnet einem bekannten Musiker, drückt ihm ein Demo plus Telefonnummer in die Hand, er meldet sich einige Wochen später und kurz darauf hat man einen Plattenvertrag in der Tasche. Das beste Beispiel dafür, das dieses moderne Märchen noch wahr werden kann, sind die Newcomer Puddle of Mudd aus Los Angeles.

Die Rolle des bekannten Musikers spielte in ihrem Fall kein geringerer als Limp Bizkits Frontmann Fred Durst himself, und obwohl auch bei ihnen am Anfang ein Demotape stand, ist die Geschichte der vier Jungs um Sänger und Gitarrist Wesley Scantlin nicht ganz so schnell erzählt, wie man jetzt vielleicht vermuten könnte. Bassist Doug Ardito half beim Interviewtermin in Köln ein wenig Licht in die verstrickte Bandgeschichte zu bringen: "Alles begann damit, dass wir alle unabhängig voneinander Fred Durst trafen. Den Anfang machte Wesley. Limp Bizkit waren grade mit der Family Values Tour unterwegs und kamen in seine Heimatstadt Kansas City, Missouri. Er gelangte durch den gefälschten Backstage-Pass eines Kumpels hinter die Bühne, traf dort aber nicht auf Fred, sondern einen seiner Leibwächter, dem er dann ein Demotape seiner alten Band gab. Er rechnete sich keine großen Chancen aus, dachte es würde eh im Mülleimer enden, doch zwei Wochen später klingelte sein Telefon.” Kurz darauf kreuzten sich zum ersten Mal die Wege von Doug und Wes. "Ich spielt vor PoM in einer Band namens Cellophane und Fred hatte mal einen Auftritt von uns gesehen. Kurz nachdem wir uns aufgelöst hatten, bekam ich einen Job bei Interscope Records, dem Label auf dem Fred später sein eigenes Label Flawless Records gründete. Wir liefen uns da irgendwann wieder übern Weg, er erinnerte sich mich spielen gesehen zu haben und meinte, ich müsse unbedingt diesen Typ Wesley kennenlernen, mit dem er sich in ein paar Tagen treffen wolle.”
Nachdem der Kontakt hergestellt war, beschloss man, sich zusammen zu tun, um eine Rockband zu gründen. Was fehlte waren allerdings noch ein zweiter Gitarrist und ein Drummer. Doch Dursts Kontakte erwiesen sich als hilfreich und so wurde die erste Stelle mit Paul Phillips besetzt, der mit den Limp Bizkit Leuten in Jacksonville, Florida, aufwuchs und so was wie Dursts Sandkastenkamerad war. Das Drummerproblem wurde schließlich durch Greg Upchurch gelöst, der zuvor bei Eleven trommelte und dem Ein oder Anderen vielleicht noch als Schlagzeuger bei Chris Cornells letzter Solotour zum "Euphoria Morning”-Album in Erinnerung ist. Damit war man komplett und bereit, die alten Jobs an den Nagel zu hängen. "Gott sei Dank,” meint Doug "denn die waren nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Angefangen haben wir wohl fast alle als Tellerwäscher. Wesley jobbte auch eine Zeit lang als Koch und ich war unter anderem Landschaftsgärtner, was eigentlich nur hieß, dass ich anderer Leute Rasen mähen musste." Seitdem hat sich viel im Leben der Musiker geändert. Ihr Debut "Come Clean" stieg letzten Herbst sofort auf Platz #10 der US-Billboard Charts ein und hält sich seitdem konsequent im vorderen Chartfeld. Mit der neuen Single "Blurry" verhält es sich ganz ähnlich. Sorgen, was die nächste Miete betrifft, muss man sich wohl vorerst nicht mehr machen. "Das stimmt wohl, wobei wir in den letzten Monaten so gut wie nie zu Hause waren, sondern quasi aus den Koffern und im Tourbus leben. Das Musikbiz ist also auch eine zwiespältige Angelegenheit. Auf der einen Seite kommst du viel rum, lernst neue Leute kennen und so, vermisst auf der anderen Seite aber natürlich auch deine Freunde daheim und deinen Hund." Einen Vorgeschmack auf das, was uns auf "Come Clean" erwartet gaben PoM schon Ende letzten Jahres, als sie im Vorprogramm von "Linkin Park" erstmalig die deutschen Bühnen rockten und sowohl begeisterte, als auch erschöpfte Massen hinterließen. Was bedeutet der Titel des Albums für die Band? "Für mich persönlich bedeutet "Come Clean", etwas einfach aus dem Bauch heraus zu tun und dabei ehrlich zu sich selbst und anderen gegenüber zu sein. Das ist genau das, was wir mit unserer Musik versuchen: Ehrlich mit unseren Emotionen umzugehen. Jeder Song ist eine Geschichte aus unserem Leben. Mal geht es um Beziehungen, an die man gern zurück denkt, mal um jene, die man am liebsten vergessen möchte. Manche sind lustig, manche schlicht durchweg wütende Punksongs, wobei keiner von uns die ganze Zeit nur fröhlich, nur traurig, oder nur angepisst ist. Die einzelnen Songs reflektieren einfach jeweils eine bestimmte Seite unseres alltäglichen Ichs." Das Songwriting findet bei PoM nach keinem festen Schema statt. Zwar brachte Sänger Wesley schon ein Paar fertige Songs mit in die Band, z.B. "Drift & Die" und "Nobody Told Me", doch lässt man allgemein lieber das kreative Chaos regieren, trägt Ideen zusammen und schaut dann, was dabei raus kommt. Was "Come Clean" betrifft, so ist das eine solide Mischung aus Modern- und Mainstream-Rock, die mit den Creeds und Nickelbacks dieser Welt in einer Liga spielt, im Gegensatz zu eben genannten jedoch nicht so abgeschliffen und ganz nach Grunge-Light klingt, sondern eine Ecke lauter, ungekünstelter und dreckiger daher kommt, wodurch sie einige Sympathiepunkte dazugewinnen.

Aktuelles Album: Come Clean (Flawless/Motor) VÖ: 04.03
Weitere Infos: www.puddleofmudd.com
© 04. März 2002  WESTZEIT ||| Text: Matthias Leibig ||| Foto: Motor
März 2002

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