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NEW MODEL ARMY - New Adventures in R’n’B

Aber bevor man zu neuen Abenteuern aufbricht, gibt es ersteinmal Altbewährtes: B-Sides and Abandonend Tracks Teil 2 – oder besser gesagt ‘Lost Songs’, wie man die 22 Tracks auf zwei CDs letztendlich getauft hat. Warum Legenden nicht sterben und Rock nicht rockt.

Pünklich zum Saure-Gurken-Februar wieder einmal Altbewährtes: B-Seiten und Vergessenes. Man hat sich die Auswahl für ‘Lost Songs’ nicht leicht gemacht, erklärt mir Mr. Sullivan. Und als kleinen Vorgeschmack gaben die Herren von der Armee Ende Dezember sich und uns die Ehre und erfüllten im Kölner Palladium zwei Stunden lang alle Erwartungen. Was können wir 2002 von Justin Sullivan erwarten? „Wir haben in diesem Jahr circa 30 Soloauftritte geplant. In kleinen, intimen Clubs. Außerdem arbeite ich im Moment an einem neuen Soloalbum. Das ist die andere Seite in mir, die ruhige. Wenn ich solo unterwegs bin, versuche ich deshalb auch immer in kleinen Orten aufzutreten. An New Model Army hingegen mag ich vor allem die Live-Energie. Das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug, die rhythm-section. Das fasziniert mich nach all den Jahren immernoch wahnsinnig an dieser Band“ ‘Rhythm-section’, ein Wort, dass Herrn Sullivan sehr behagt. Ebenjene macht er für den charakteristischen Sound der NMA verantwortlich. Ein Sound, der auch im Jahr 2002 die Kids noch begeistert? „Ja, seltsamerweise haben sich die Generationen der treuen NMA-Anhänger mit den Jahren immer wieder erneuert. Die Kids hören noch immer Gitarrenmusik. Sie interessieren sich nicht für Dance – Dance ist für die Älteren. So kommt auch eine Menge Nachwuchs zu den Konzerten, der dann wieder seine ganz eigenen NMA-Favoriten hat.“ Und für den auch die Compilation mit den B-Seiten, die seit Ende Februar erhältlich ist, interessant ist? „Die B-Seiten sind schon ein Service für Fans, da es zum Teil recht schwierig ist an die Platten zu kommen. Außerdem gibt es eine beträchtliche Anzahl hervorragender NMA Songs, die es nie auf die regulären Alben geschafft haben. Viele halten diese Songs sogar für die besseren Army-Songs und wenn du mich fragst, es sind wirklich extrem gute Songs. Ein Stück wie ‘Brothers’ hat es zum Beispiel seinerzeit nicht auf ‘Strange Brotherhood’ geschafft. Es hat mich schließlich 3 Monate gekostet, um die Songs auszuwählen.“ Justin hält bekanntlich keine großen Stücke auf kontemporäre Rockmusik. Was aber konnte ihn 2001 dann doch noch begeistern? „Ich bin mit Black American Music aufgewachsen. Motown. Viele Leute denken, dass New Model Army eine Rockband ist, aber die Wurzeln liegen ganz klar im R’n B. Rockmusik ist enttäuschend. Bis auf die Queens of the Stone Age fällt mir nichts ein, was irgendwie innovativ klingt. Im Gegenteil, die meisten Sachen sind unglaublich stumpf. Die Queens mag ich sehr, aber ansonsten beschäftige ich mich nicht soviel mit Rock. Seit Nirvana gab es eigentlich keine Band mehr, die etwas verändert hat. Popsongs haben momentan leider mehr Wut und Aggression in sich, als 1000 Punkbands zusammen. Ein Song wie ‘Billie Jean’ von Michael Jackson beispielsweise. Soviel Impact und Aggressivität. Erstaunlich.“ Auf die Frage mit wem er denn mal gerne zusammenarbeiten würde – egal ob tot oder lebend, bekomme ich schließlich ein entschiedenes „Otis Redding und Aretha Franklin.“ Bleibt also die Erkenntnis, dass früher doch alles besser war. Und ob Herr Sullivan mit seiner Generationstheorie richtig liegt, wage ich nach dem Konzert am Abend stark zu bezweifeln. Das Publikum waren weniger die jungen Zornigen der Republik, als vielmehr die ehemals Wütenden, die mit Justin zusammen älter geworden sind. Und die brauchen die neuen Songs gar nicht. Nein, die wollen die Klassiker!



Aktuelles Album: Lost Songs (Attack/Zomba)
Weitere Infos: www.newmodelarmy.org
© 02. März 2002  WESTZEIT ||| Text: Nina Dörner ||| Foto: Attack
März 2002

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