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VEX RED - Stimmungsmusik

Vor knapp vier Jahren taten sich ein paar junge Männer aus Portsmouth/England zusammen, um sich der alternativen Rockmusik hinzugeben. Dass sie kurz darauf bei Starproduzent Ross Robinson im Studio landen würden, hätte wohl keine noch so klare Glaskugel hervorsagen können. Sänger Terry berichtete aufgeregt vom kometenhaften Treiben der Youngster.

Der Beginn der Geschichte war eine Anzeige von Robinson in einem britischen Musikmagazin, man möge ihm Demos schicken. Auch Vex Red taten dies und dachten sich nix dabei, bis eines abends das Telefon klingelte und Ross sich zu einem Besuch im Proberaum anmeldete. „In der Anzeige stand, dass Ross gerne britische Bands hören wollte. Wir haben uns nichts weiter dabei gedacht und schickten ihm eine CD. Und dann hat ihm unser Material am besten gefallen und er nahm uns unter Vertrag.“ Ein zeitaufwendiges Unterfangen, schloss sich daran der temporäre Umzug in die USA mit 6-wöchiger Vorproduktion und dem finalen Studioaufenthalt an. Nun sind die Erwartungen sicherlich hoch gesteckt. „Ich erwarte eigentlich nur, dass wir den Kram eine ganze Weile spielen. Erwartungen kann man eigentlich nicht sagen, ich hoffe, dass das Album ganz ordentlich läuft und man uns dafür respektiert.“ Der erste Schritt zu diesem Ziel war die ausgedehnte Europa-Tour mit Bush Ende letzten Jahres. „Das war die beste Tour, die wir je gemacht hatten. Vor allem war es das erste Mal, dass wir auf dem Festland spielten. Und besonders in Deutschland haben wir gute Reaktionen erhalten. Die Leute haben wirklich zugehört.“ Was sich bei Vex Red aber auch lohnt. Eine typisch britische Band ist es allerdings nicht. „Die englische Presse beschreibt uns immer als eine nicht typisch britische Band. Das liegt wohl daran, dass die Musik mehr „american style“ ist, dagegen mein Gesang sehr britisch ist. Ich singe, wie ich spreche. Wir unterscheiden uns sehr von modernen britischen Bands, viele von denen sind wesentlich softer, im Stile von Coldplay, oder auf der anderen Seite sehr hart, wie etwa Raging Speedhorn. Wir sitzen irgendwo dazwischen, was es schwierig macht, uns zu kategorisieren, aber alles andere wäre auch langweilig.“
Vielleicht könnte man Vex Red als die nahezu perfekte Kombination moderner amerikanischer und britischer Tugenden beschreiben. Wie kann man den derzeitigen Erfolg englischer Bands erklären? „Ich glaube, der Schlüssel zum Erfolg ist, zum richtigen Zeitpunkt nicht den Kopf zu verlieren. Wir Engländer sind eher bescheiden. Dass hält uns bodenständig. Unsere Musik ist zur Zeit unser Job, also versuchen wir, ihn so gut wie möglich zu machen.“ Der Titel des Albums scheint eine Anleitung für jede junge Band zu sein, wie man den Start bestmöglich meistert: mit einem starken und anhaltenden Verlangen oder Wunsch. „Eigentlich war das nicht unser Beginn, der Titel stammt vom gleichnamigen Song, ein Liebeslied. Ehrlich gesagt, wir haben diesen Satz nie mit uns in Verbindung gebracht, aber man kann ihn wirklich auf uns anwenden.“ Im allgemeinen passen die Lyrics und die Musik recht gut zusammen. „Das ist wohl dadurch zu erklären, dass beides gleichzeitig entstanden ist, vieles auf meinem Bett mit einer Gitarre, einem Zettel und einem Stift. Insgesamt ist das Ergebnis sehr stimmungsvoll. Die Texte sind eher traurig-gefühlvoll und das findet man auch in der Musik wieder.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt ihrer Musik ist der dezente Elektroniksound-Einsatz. „Wir haben schon immer diese Programming-Geschichten benutzt. Die ganzen Beats und Samples drücken die Dynamik nach vorne, was uns sehr gefällt. Auf der Bühne wird das auch alles live getriggert, das hält es organisch.“ Und auch in gewissem Sinne ehrlich, wenn man all die anderen Mittel sieht, mit denen Bands versuchen, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und eine Stimmung zu erzeugen. „Du meinst Slipknot, oder? Ich habe Bands nie nach ihrer Verpackung bewertet. Ich kenne die Jungs persönlich und ich weiss, dass ihre Musik ohne ihre Overalls und Masken nicht die gleiche wäre, es wäre nicht so überzeugend. Schau Dir die ganzen Popstars an: meistens ist es wichtiger, gut auszusehen als gut zu klingen.“ Glücklicherweise müssen sich Vex Red nicht auf solche Aspekte versteifen, da ihre Musik aussagekräftig genug ist. Im gemeinen Rockzirkus dürften die fünf Jungs sicher im laufenden Jahr eine Rolle spielen, wenn sich ihre Tourpläne europaweit ausdehnen und sie so eine Menge Leute auf Festivals etc. erreichen. Im Falle das Albums hat sich die Arbeit jedenfalls gelohnt.

Aktuelles Album: Start With A Strong And Persistent Desire (I am/Virgin)
Weitere Infos: www.vexred.com
© 03. März 2002  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Paul Harries
März 2002

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