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HOWE GELB / GIANT SAND - Versteckspiel

Das neue Giant Sand Album heißt "Cover Magazine" und ist ebendas: Ein Magazin (eine CD) mit Coverversionen. Wer sich auch nur ein wenig in der Gesinnungswelt von Howe Gelb & Co. auskennt, den wird die eklektische Songauswahl – von Black Sabbath über Johnny Cash bis hin zu Goldfrapp – nicht sonderlich wundern. O.K. – ein Cover Album muß wohl jeder irgendwann einmal machen. Warum aber taucht im Artwork der Begriff "Retirement" auf – noch dazu in Kombination mit einem Golf-Spieler?
"Sind wir doch mal ehrlich", meint Howe, "das könnte jetzt gut das letzte Giant Sand Album sein. Ich weiß nicht, warum Joey und John überhaupt noch mit mir zusammenarbeiten, bei dem was ich ihnen zumute. ... Ich bin John und besonders Joey immens dankbar, daß sie meine musikalischen Versteckspiele mitmachen. Besonders Joey ist der erste Bassist, den ich kennengelernt habe, dem so was nichts ausmacht ... aber sie haben ja gut mit Calexico zu tun und mir machen auch die Solo-Sachen Spaß ... Die letzte Giant Sand Tour war eine ganz besondere Angelegenheit – und das ist der Grund, warum die Live Stücke auf dem Album sind. Ich wollte das dokumentieren. Wenn es also das letzte Giant Sand Album ist, dann wäre das ein guter Titel." Das muß aber nicht so sein, denn, so meint Howe: "Giant Sand ist eh immer das, was eben gerade so passiert." Was auch auf diesem Album nicht anders ist: Neben der Stammbesetzung spielen allerlei Freunde mit (P.J. Harvey, Kevin Salem, Grandaddy, Candy Prunes etc.) "Ich arbeite, indem ich so lange Stücke aufnehme, bis es so viele sind, daß ich aus ihnen auswählen kann", erklärt Howe, wie es zu dem Projekt kam, "so ist auch das ´Cover Magazine´ entstanden. Es war nicht geplant, eine Cover-CD zu machen, entwickelte sich dann aber dahin." Wie Howe Cover-Versionen sieht und behandelt, erklärt er am Beispiel von Black Sabbath´s "Iron Man": "Das ist ein perfekter Song. Ich habe ´72 schon Musik gehört und für mich war das damals einfach der Hammer." Interessant: Warum muß man denn überhaupt eine Cover-Version eines perfekten Songs aufnehmen? "Der Song ist ja erst perfekt, seit Black Sabbath ihn in dieser Form aufgenommen haben. Davor hätte er alles sein können. Ein Song ist ja nur ein Song. Es hätte – abgesehen von der Soundqualität – lediglich keinen Sinn, den Song exakt wie Black Sabbath aufzunehmen." Natürlich finden sich auch auf dem "Cover Magazine" die üblichen Giant Sand Trademarks: Viel Impulsivität, durchwachsene Qualität, Songfragmente. Howe erklärt das so: "Als ich mit Giant Sand anfing, war der Hauptgrund der, Platten zu machen, die man so nicht kaufen konnte. Heutzutage mache ich Scheiben so, wie ich sie selbst gerne hören möchte." Und dazu gehören verrauschte Tracks und halb gespielte Songs? "Auf jeden Fall. Sieh mal, normalerweise werden Platten ja so produziert, daß alles gleich klingt. Marketingtechnisch macht das ja auch Sinn – der Hörer hört ein Stück im Radio und kauft die CD in der Annahme, daß der Rest ähnlich klingt. Das ist O.K. Aber Giant Sand ist nicht NOCH eine Band wie alle anderen. Das ist auch der Grund, warum Calexico so erfolgreich ist: Du kannst Calexico erklären. Für Giant Sand gilt das nicht. Weil für mich produzierte CDs einfach zu vorhersehbar klingen – was ich nicht mag. Ich mag es, wenn jedes Stück so unterschiedlich wie möglich klingt." Betrachten wir also – auch in diesem Sinne – die neue Giant Sand CD einfach als weiteren Baustein des Howe Gelb´schen Privat-Universums. Immerhin erfahren wir so, was Howe Gelb selber gerne hört ...
© 01. März 2002  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
März 2002

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