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SPORTFREUNDE STILLER - Drei Männer und ein Burli

Wenn man ein Kind bekommt, so der Volksmund, ist das angeblich die beste (vielleicht auch letzte?) Gelegenheit, selbst erwachsen zu werden. Bei den Sportfreunden Stiller gibt es nach dem großen Erfolg ihres letzten Albums „Die gute Seite“ nun endlich Nachwuchs: den Burli. Flo und Rüde über das Herauswachsen aus der Indieszene und Erziehung mit Zweidrittelmehrheit.

Lassen wir die stolzen Papas also erst einmal etwas über ihren Burli erzählen... Flo: „Ich glaube, er schaut ganz süß aus! Der Burli ist wild und ungestüm, gleichzeitig aber auch brav und entgegenkommend. Natürlich kann er toll Fußball spielen! Er hat eine hohe Auffassungsgabe und ist ein Mut machender und Trost spendender kleiner Junge. Manchmal ist er aber auch ein bisschen übermütig und hat aufgeschlagene Knie.“ Klingt ja nach einem sympathischen Kerlchen, aber wollen wir sehen, ob sich unsere Eingangs aufgestellte These bewahrheitet. Während der Entstehung des Burlis hat sich die Arbeitsweise der Musiker verändert, die erstmals alle drei eigene Texte beisteuerten.

Flo: „Früher haben wir Peter nur dabei unterstützt, seine Texte fertigzuschreiben, mittlerweile singt er auch Texte, die komplett von einem der anderen gemacht sind.“ Ihre Kritikfähigkeit untereinander habe sich auf jeden Fall verbessert, betonen sie. „Und im Zweifelsfall war die Zweidrittelmehrheit beim Burli der Erziehungsberechtigtere!“ An den neuen Arrangements und Lyrics merkt man definitiv, dass die frischgebackenen Eltern dabei sind, immer mehr sie selbst zu werden, und auch ihre Bandbreite mehr zu erforschen. Rüde: „Der Wunsch war es, die krachigen Lieder, aber auch die ruhigen Stücke einfach auf den Punkt zu bringen. Jedes Lied hat das bekommen, was es verdient und macht das, was es am besten kann.“ Flo: „Wir wollten die Grenzen mehr ausloten und sowohl raue als auch balladeske Stücke verstärken.“ Nach den großen Erfolgen des letzen Jahres müssen sich die drei Musiker natürlich auch mit größerem Medieninteresse und Vorwürfen der Kommerzialisierung auseinandersetzen. Kritik und Mahnung zur Vorsicht sei bei der gerade musiktechnisch zweifelhaften deutschen Fernsehlandschaft natürlich angebracht, meinen Rüde und Flo, aber eben nicht plumpe Verneinung. „Ich finde es schade, wenn man es anspruchsvoller Musik nicht gönnt, in einem breiten Medium stattzufinden. Wenn man sich über den anspruchslosen Mainstream beklagt, dann darf man sich nicht gleichzeitig beschweren, wenn Künstler, die hinter ihrer Musik stehen, auch in Mainstram-Plattformen ein Beispiel geben wollen. Mia und die Beginner spielen jetzt beim Grand Prix, damit ändert sich die ganze Veranstaltung. Mir wäre das recht, wenn das bei vielen Sendungen so stattfände.“ „Unser Song „1. Wahl“ ist schon so ein Seitenhieb auf all die angeblichen Superstars, die armen Kerle, die halt nicht einschätzen können, dass sie hinten und vorn kein Talent haben und deren Traum, berühmt zu sein, dann hemmungslos augenutzt wird.“ Die Sportfreunde Stiller wollen sich also nicht von den aufgesetzten Glaubwürdigkeits-Regeln der Indieszene beeinflussen lassen, die diktieren, dass alles klein und exklusiv bleiben sollte. Sie haben etwas zu sagen, und das auch so vielen Leuten wie möglich. So geht es zum Beispiel in „Ein kleiner Schritt“ um „Die kleinen Sachen, die man machen kann, die am Ende eine große Bedeutung haben. Die Dinge die ich im Griff habe und ändern kann, können viel mehr beeinflussen als bloßes Wünschen, dass alles besser wäre.“ Bewusstsein und Message sind auf „Burli“ ganz klar wichtiger denn je, was erwachsen und ehrlich, menschlich und herzensgut optimistisch daherkommt. Und vor allem nicht auf Kosten der Sportfreunde-Mitsing-Stimmung geht, eine gelungene Weiterentwicklung also. Rüde: „Mir ist es auch ein Anliegen in unseren Texten, dass wir Sachen geradeheraus sagen, und nicht so, dass sie sich nur gut anhören. Dass man bei deutschen Texten mehr inhaltlich hinterfragt wird, finde ich auch nicht schlecht, weil man sich seiner Sache so bewusster wird.“ Wir sehen also, der Volksmund hat wie so oft recht und wir können bei der umfangreichen Deutschlandtournee im Mai eine gereifte Band und ihren lebenslustigen Burli herzlich willkommen heissen.

Aktuelles Album: Burli (Motor/Universal)
Weitere Infos: www.sportfreunde-stiller.de
© 01. April 2004  WESTZEIT ||| Text: Katrin Nothen
April 2004

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