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FRAGILE STATE - Druck und Schmerzen

Neil Cowley und Ben Mynott sind weder schwach noch zerbrechlich. Und ebensowenig ihre Musik. Ziemlich erhaben thronen ihre Downtempo-Tunes in einer Welt voller Schnelllebigkeit und raschem Verfall über den Dingen und lassen ihre Stärken langsam aber sicher in den Vordergrund treten. Unkommerziell darf man das sicher nennen. Es gilt, die ganze Schönheit zu entdecken.
„Als wir uns erstmals zum Musikmachen trafen, waren wir beide in einem körperlich angeschlagenen Zustand“, erklärt Neil den Bandnamen. „Es passte aber auch als eine Beschreibung der Post-Raver-Szene.“ Die erste Auffälligkeit am neuen Album der beiden Engländer: es gibt nahezu keine Vocals. „Wir finden Gesang zu spezifisch im Ausdruck und halten es lieber etwas offener. Wenn du Worte in einen Song integrierst, fällt die Interpretationsebene zu schnell weg. So kann der Hörer sich dann mehr den Soundscapes hingeben und selbst interpretieren, worum es geht. Ausserdem ist es einfach kommerzieller Druck, Gesang dabei zu haben. Wir wollten es instrumental schaffen, interessant zu klingen.“ Ausgangspunkt für alle Songs ist Neil allein. „Ich spiele viel mit jazzigen 7er- und 9er-Akkorden herum und bringe dann gemeinsam mit Ben etwas mehr Linie hinein, aber nicht im Sinne von festen Strukturen, sondern verschiedenen Ebenen, die wir zusammenfügen, bis das Endergebnis steht.“ Dabei ist die Auswahl der Instrumentierung meist das größte Spannungsfeld. „Es gibt ein gewissen Repertoire an Instrumenten, die wir beide sehr lieben, wie z.B. Keyboards aus den 70ern, echte Klaviere und vor allem Streicher. Wir benutzen diese Dinge sehr oft, aber es gibt definitiv keine Beschränkung darauf. Es muss halt einfach funktionieren. So ist es auch mit den Vocals, die auf dem Album sind. Keine Vokalpartie sagt ein tatsächliches Wort, es sind eher Geräusche und Sounds.“ Doch bei aller Vielfalt bleiben die Songs meist leicht erfassbar. „Die Arbeit an diesem Album war sehr intensiv, fast schon psychotisch. Wir haben uns entschieden, sehr auf Details zu achten und eher unsere technischen Fähigkeiten durchscheinen zu lassen. In letzter Zeit haben wir viele Alben gehört, die deutlich drogenbeeinflusst waren. Drogen lassen dich leider dazu tendieren, Details zu übersehen. Da wir dies nicht wollten, ins unseres sehr feinfühlig und persönlich ausgefallen. Für Aussenstehende mag es leicht anzuhören sein, für mich ist es manchmal eher schmerzhaft.“

Aktuelles Album: Voices From The Dust Bowl (Bar De Lune/Rough Trade)
Weitere Infos: www.fragilestate.com
© 01. April 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
April 2004

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