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LES HOMMES QUI WEAR ESPANDRILLOS - Hosentaschenrebellen

Ganz nüchtern betrachtet stecken Les Hommes Qui Wear Espandrillos wohl seit jeher in den Niederungen des deutschen Undergrounds fest, und doch ist ihre Präsenz unübersehbar, denn wenn LHQWE etwas tun, ist es laut und krachig. Mit einer gewissen Konstanz blieb nicht nur ihr unmöglicher Name im Gerede, auch ihr Ausdruck scheint die perfekte Polarisation zu verkörpern. Das hört sich verrückt an? Um es mit einem Zitat aus „Ain‘t it strange“ zu sagen: „I don‘t care - so why do you?“

Die Aktivitäten rund ums letzte Album „Moto Fuzz“ waren für das Trio noch viel aufregender: Professionelles Fotoshooting, eine Promoagentur betreute die Pressearbeit, das Label gab richtig Gas. Dann der Verlust des Vertriebsdeals, Plattenverkauf über die Homepage - und trotzdem ist alles gut. Es ist nun auch schon drei Jahre her. Bassistin Yvonne und Drummer Jörg wirken gelassen, fast schon erleichtert, dass schlussendlich der letzte Druckpunkt am Körper LHQWE gewichen ist. Die geschwollene Utopie gehört der Vergangenheit an, der Spaß zählt. „Wer geht denn heute noch in einen Plattenladen und kauft CD‘s? Wir haben keine Erwartungshaltung mehr und tun dies in erster Linie für uns und unsere Fans.“ Was sich traurig anhört ist nichts weiter als die Realität und nicht etwa eine Reaktion auf bestimmte Begebenheiten. „Für eine Handvoll Euro“ machen LHQWE Musik. Und sie fühlen sich gut dabei, sind entspannt und in gewissem Sinne zeitlos, aber keineswegs desillusioniert. Vom Songmaterial her mit nur 8 Nummern etwas zugänglicher als „Moto Fuzz“, vom Sound her wie gehabt gewollt sperrig. Die Stimme kämpft gegen die Musik, ist nicht übergeordnet. „Schlagzeug und Gesang sind leiser als zuletzt. Das unterstützt den gesamt-brüchigen Sound der Scheibe.“ Wurde auf „Moto Fuzz“ noch versucht, nahezu 15 mal den gleichen Song unterzubringen, bietet der neue Longplayer wesentlich mehr Angriffsfläche, auch, wenn der Weg dahin ziemlich steinig war. „Eigentlich hatten wir ein komplett anderes Album schon fertig, das wir aber in die Tonne geschmissen haben. Noch nie hatten wir so viele Songs für ein Album fertig, aber erst die 8, die nun enthalten sind, fühlten sich wirklich richtig an. Es sind unserer Meinung nach die besten, die wir je gemacht haben, denn so viel Atmosphäre und Muße konnten wir noch nie auf einem Album einfangen.“ Seit jeher sind LHQWE eine Band, die mit ihren Freiheiten auch umzugehen weiss, auch, wenn diese mitunter unmeßbar erscheinen. Bewundernswert dabei ist, dass sie mit diesem Album quasi die Rebellion schlechthin praktizieren: Sie machen eine Platte, erwarten nicht, dass diese erfolgreich ist, machen alles selber und abseits der großen Industrie, zieren die Scheibe mit einem Cover, dass keinen auch nur entfernten Freund einer verzerrten Gitarre ansprechen dürfte, planen keine großen Touraktivitäten, sehen das womöglich auch noch als gänzlich natürlich an - all das ist in diesen Zeiten wohl eher ungewöhnlich. „Das ganze Ding hat mit den 15 Jahren seines Bestehens so viel Tiefe und detaillierte Nuancen erlangt, die man halt nicht in einem Jahr, in dem man sich nicht mal wirklich kennenlernt, erreichen kann. Ohne pathetisch oder größenwahnsinnig klingen zu wollen: Ursprünglich war diese Form der Rebellion von vorne herein so geplant, weil wir immer der Meinung waren, dass LHQWE etwas einzigartiges ist. Falls es sich dahin entwickelt hätte, dass wir in etwas größere Erfolgsregionen aufgestiegen wären, hätte auch ein Umdenkprozess stattfinden müssen, aber wir kommen halt aus Deutschland und sind für viele Leute einfach stets zu uncool und unhip gewesen. Deshalb ist es auch einfach schade, dass wir leider nicht die Möglichkeit haben, die Songs des neuen Albums einfach 20.000 Menschen zugänglich zu machen, denn es würden garantiert nicht alle schreiend davonlaufen.“ Ist der Zug denn wirklich schon abgefahren? „Eigentlich wollen wir nicht mehr daran glauben, weil der Schmerz viel zu groß ist, um ihn noch mal zuzulassen. Wenn mit diesem Album irgendetwas passiert, was wir nicht erahnt haben, wäre das die Ironie schlechthin.“ Der sportliche Ehrgeiz ist vielleicht nicht mehr in dem Maße da, aber unterkriegen lässt sich die Band keineswegs. Yvonne und Jörg lächeln. So etwas nennt man wohl ehrlich.

Aktuelles Album: Für Eine Handvoll Euro (BluNoise/FinestNoise)
Weitere Infos: www.lhqwe.com
© 01. April 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
April 2004

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