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The Stands - Transatlantische Musik

Egal wem man die Debüt-CD der Stands, "All Years Leaving" auch vorspielt: Alle können sich innerhalb kürzester Zeit darauf einigen, daß das doch nun mal eine "nette" Scheibe sei. Der Sound der Band aus Liverpool erinnert auf angenehme Weise an den Westcoast Sound der 60er Jahre – und hier besonders den der Byrds – und hat gleichzeitig doch tatsächlich jenen gewissen Mersey-Twang, der deutlich macht, daß die Scheibe eben aus England kommt.

Es stellt sich nun die Frage, ob Stands-Motor und Mastermind Howie Payne es im Sinn gehabt haben könnte, tatsächlich mal so etwas wie eine "nette" Scheibe zu schaffen? "Also ich hatte überhaupt nichts im Sinn", meint Howie indes, "wenn die Scheibe jedermann gefällt ist mir das natürlich recht. Aber meine einzige Sorge war, die Songs, die ich hatte aufzunehmen und das auf eine so natürliche Art wie möglich." Howie hatte im Vorfeld schon einiges an Erfahrung vorzuweisen: "Ich war vorher schon in einigen Bands", verrät er, "und habe alles Mögliche gemacht. Ich war in einer Garagen-Band, die so eine Mischung aus Velvet Underground und MC5 gespielt hat. Dann habe ich Folk-Sachen gemacht und schließlich war ich dann zusätzlich Gitarrist in einer Soul Band. Auf der Bühne kommt es hier auf gute Grooves an und nicht auf Lautstärke. Gleichzeitig Folk und Soul zu spielen, führte dann zu dem generellen Feeling, daß bei unserer Scheibe vorherrschte." Wie die großen Vorbilder auch, macht einen Großteil des Charmes der Stands der Harmoniegesang aus. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Scheibe vielen Leuten so gut gefällt. "Also das mit dem Singen ist so eine Sache", schmunzelt Howie, "ich konnte immer schon ein wenig singen. Aber ich denke, daß ich es richtig lernte, als ich meine akustischen Solo-Sachen gemacht habe. Als wir dann die Gruppe gründeten, brauchte ich eine Weile, bevor ich die anderen bat zu singen. Glücklicherweise haben wir eine gute Tonlage und wenn wir die Harmonien draufhaben, dann klappt das auch. Wir nehmen keine Stunden oder so, aber wir singen schließlich jeden Tag." Wenn man heutzutage eine Gitarrenband gründet, dann muß man sich ja wohl darüber klar sein, daß es diesbezüglich schon alles gegeben hat, nicht wahr? "Also da gibt’s zwei Dinge", weiß Howie Rat, "du mußt die Sache mit dem Herzen machen und du darfst keinen Gedanken daran verschwenden, daß Du wie andere Gitarrenbands klingen könntest. Es geht für mich immer um die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten. Mag sein, daß ich wie ein anderer Sänger klinge, mag sein, daß die Harmonien und Riffs in einem Song ähnlich klingen wie in einem anderen. Aber ich habe mich bestimmt nicht so gefühlt, wie diese andere Person, als ich diesen oder jenen Song schrieb." Wo sieht Howie denn seine Liverpooler Wurzeln in der Band repräsentiert? "Ich bin niemand, der an Grenzen glaubt", meint er, "Ich denke aber, daß es einen spezifisch Liverpooler Sound gibt, den wir alle irgendwie erben. Mich fragte mal jemand, warum denn alle Bands aus Liverpool wie die Beatles klingen. Ich meinte dazu, daß das umgekehrt sei und das die Beatles wie eine Liverpooler Band geklungen haben. Ich habe aber auch eine lange Zeit in New York gelebt, wo ich viel Hip Hop und Latin und Soul gehört habe. Meine musikalische Erziehung habe ich also in New York genossen – und das macht sich dann auch in meiner Musik bemerkbar. Ich denke, in dem Sinne ist ´All Years Leaving´ so etwas wie ein transatlantisches Album ..."
Weitere Infos: www.the-stands.com
© 01. April 2004  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
April 2004

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