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MONEYBROTHER - Magic Moments

Schon spektakulär, wie Anders Wendin mit seinem geistigen Kind Moneybrother auftritt. Sicher ist das nicht das rundeste Rad und die musikalische Revolution zugleich, aber das Debüt „Blood Panic“ hat so viel mehr Seele als viele andere Veröffentlichungen dieser Tage. Das Geheimnis dieser Platte? So richtig einfach ist das wohl nicht zu erklären, dafür ist sie zu vielschichtig und doch kompakt und in sich schlüssig. Am Besten gibt Anders Wendin selbst Auskunft.

„Moneybrother bin ich. Ich nenne mich so, wenn ich Musik mache, weil es sich cooler anhört, und ich diesen märchenhaften Charakter erschaffen wollte, der ich sein könnte, wenn ich musiziere. Ich bin ein weißer, schwedischer Punk, der versucht Soul zu machen. Genau das ist der Kampf, den du auf dem Album hörst.“ Ein Kampf, der so herzlich und mit Hingabe vollzogen wird, dass es eine reine Freude ist. Hier ist mehr einfach besser. „Ich könnte sicherlich Punk und Soul trennen, aber ich möchte einfach meine absolut liebste Musik machen. Ich höre Rock‘n‘Roll, Soul, Reggae und Punk und möchte all die feinen Bestandteile davon in dem Sound vereinen, der für mich das perfekte Bild darstellt. Würde ich das aufsplitten, indem ich einen Punksong, einen Soulsong usw. machen würde, wäre das nicht wirklich ich, sondern es wäre ich bei dem Versuch, etwas zu machen, dass es schon gibt.“ Seine frühere Band Monster gilt in Kennerkreisen als unentdecktes Juwel und war in Teilen Moneybrother nicht allzu unähnlich. Eines jedoch war entscheidend. „Monster war eine richtige Band. Alles wurde gemeinsam entschieden und wir haben viel miteinander gesprochen. Bei Moneybrother kann ich alles alleine entscheiden, was ein wesentlich schnelleres Arbeiten ermöglicht.“ So führte die klare Vision eines Mannes mit all ihren kleinen Feinheiten schließlich zu einem Album, das einfach groß, dick und erhaben klingt. „Mein Produzent hat mir sehr viel geholfen. Irgendwann hatten wir all diese großartigen Musiker im Studio, ich setzte mich mit meiner Akustikgitarre dazu und spielte ihen die Songs ein paar mal vor, bis sie das Feeling hatten. Dann haben wir ein paar mal geprobt und das meiste live aufgenommen, wobei ich sie wie ein Cheerleader angefeuert habe. Es hat allen sehr viel Spaß gemacht und wir werden das nächste Album sicherlich genauso machen, damit es genauso lebendig klingt.“
Der Puls, der Moneybrother antreibt, wird auch im Albumtitel „Blood Panic“ deutlich. „Ich habe nach einem sehr starken Wort gesucht, das panische Angst und einen Adrenalinstoß verbindet, und nicht wirklich existiert. Ich finde, „Blood Panic“ hört sich wahnsinnig groß an.“ Irgendwie stimmt bei Moneybrother alles und wirkt faszinierend, da scheinbar das Stückchen Voodoo, das das gewisse Extra ausmacht, im Kern der Sache enthalten ist. „Es ist so ähnlich wie bei einem Breakdance-Contest, wo der DJ mit einem Schnipsel aus einer alten James Brown-Scheibe den „magic moment“ herstellt, der die Leute über 10 Minuten fesselt und am Tanzen hält. Ich möchte niemanden kopieren und bin sehr interessiert an diesem magischen Element, das aus Musik eine Kunst macht. Dieses auf einem Album festzuhalten ist nicht wirklich einfach, aber eine ungemeine Herausforderung.“ Bei so viel Hingabe und Perfektionswillen mussten leider oder vielleicht auch zum Glück einige Aspekte zurückstecken. „Ich höre viel HipHop, aber das war einfach nicht einzubinden. Moneybrother sollte kein Retro-Ding werden, sondern eher etwas neues sein und dabei klassisch klingen.“ Was genau das ist, was sicherlich viele Leute in seinem Heimatland, wo das Album seit dem letzten Jahr für Furore sorgt, verstehen und schätzen gelernt haben. „Ich habe den Leuten etwas neues gegeben. Es wird nicht einfach für mich, das nächste Album zu machen, weil ich vielleicht weiss, was die Leute wollen, aber es mitunter nicht von Herzen kommt. Das kann sehr gefährlich werden. Denn eigentlich kannst Du nur auf dein Herz hören, wenn es um Musik geht.“
Aktuelles Album: Blood Panic (Burning Heart/SPV)
Weitere Infos: www.moneybrother.net
© 02. April 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
April 2004

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