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FISCHESSEN - Alles wie immer nur anders

Wer den Namen Jörg A. Schneider erwähnt, wird sich unweigerlich die deutschen Noise Rocker Les Hommes Qui Wear Espandrillos ins Gedächtnis rufen. 14 Jahre lang veröffentlichte man furiose Qualitäsware, bis man sich Ende 2004 mit dem letzten Meisterwerk „Für eine Handvoll Euro“ verabschiedete. Jedoch wollte Herr Schneider sich weder hauptberuflich zurücklehnen, noch nur den einen oder anderen Heuhaufen auf seinem idyllischen Gut in Heinsberg durch die Gegend werfen. Im Gegenteil! Es wurde fleißig getrommelt und an neuen Songideen gebastelt und diese nach und nach dingfest gemacht. Das Ergebnis heißt Fischessen; der Arbeitstitel “Suicide Is Much Too Blonde”.

Starten wir mal mit der Frage, wie man als reiner Schlagzeuger Songs schreibt.

„Ich suche willige Opfer und unterdrücke sie dann! Die Basis der Songs entstand aus Bass- / Schlagzeugsessions, die mit Yvonne (ex LHQWE und Jörg’s Lebensgefährtin) nach und nach ausgearbeitet und zu Songs, ich betone Songs, wurden. Es handelt sich nicht um Improvisationen. Darauf hat dann der Markus (ex LHQWE) auf die Ideen gitarrentechnisch reagiert und seine Parts eingespielt. Die elektronischen bzw. Synthie Sachen haben sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Erst musste ich jemanden finden (Peter Körfer), der in der Lage war, dies umzusetzen, dann musste der kreative Prozess in Gang gebracht werden. Zudem war es sehr wichtig, mit Musikern zusammen zu arbeiten, mit denen ich mich auch menschlich verstehe.“

Deswegen wohl auch viele ehemalige Mitstreiter von LHQWE?

„Ja sicherlich. Man kennt sich und weiß, was man hat. Die Espandrillos haben mein Leben mitgeprägt. Hätte ich die alleinigen Rechte auf den Namen, wäre “Suicide Is Much Too Blonde” ein neues LHQWE Album.“

Und warum gerade der Name Fischessen?

„Der steht für das traditionelle Fischessen an Aschermittwoch. Da ist ja bekanntlich der Karneval vorbei. Und für mich heißt es: Schluss mit Lustig! Einer meiner Uransätze ist, die Leute auf die Palme zu bringen. So haben mich auch die negativen Äußerungen zu dem angeblich hässlichen Albumcover sehr gefreut. Darauf ist mein langjähriger Freund Jesus mit einem roten Handschuh zu sehen. Mehr nicht. Für viele reicht das, sich aufzuregen.“

Warum gibt es keinen Sänger?

„Ganz einfach: ich hasse Gesang! Ich kann mir, von ein paar Ausnahmen mal abgesehen, wie Jörg Berger von Gaffa oder Ken Andrews, keinen Gesang mehr anhören. Bei mir laufen fast nur Instrumentalplatten. Zudem finde ich, dass Stimme zu viel Platz einnimmt und dementsprechend der Musik viel Raum raubt. Der offene leicht jazzige Ansatz, ohne Stimme Musik zu machen, gefällt mir. Somit konzentriert sich die Musik auf sich selbst.“

Bist du mit dem Ergebnis auf Suicide Is Much to Blonde zufrieden oder würdest du im Nachhinein etwas verändern?

„Das Album ist 100prozentig so, wie sie klingen sollte. Repräsentativ ist der Song “Gelee Royal”. Er beinhaltet alle Fischessen- Elemente in abgestimmter Form.

Nur würde ich jetzt alles anders machen! Nicht alles, aber sagen wir es so: der Songwritingprozess ist so, wie er stattfindet gut. Nur die Songs an sich werden anders ausfallen. Weg vom puren Song und konventionellen Strukturen, hin zur offenen, dynamischen Atmosphäre. So könnten die nächsten Sachen wesentlich intensiver klingen. Es ist nicht unmöglich, dass es auf dem nächsten Album minutenlange, ambientähnliche Momente gibt, oder auch nur mal schöne Klavierpassagen zu hören sind. Andererseits werden die heftigeren Parts auch noch heftiger ausfallen. Außerdem wird es eine personelle Bereicherung geben: der Bassist Scharco von meinem Bossa Nova Punk Sideprojekt Tarngo wird tiefe Töne beisteuern.“

Welche werden deine Inspirationsquellen sein?

„Es ist nach wie vor eine gewisse Reizarmut. Sie fördert bei mir den kreativen, musikalischen Prozess. Man kann auch sagen, je weniger Reizen ich ausgesetzt bin, desto kreativer werde ich. Mir reicht die Natur in ihrer Beschaffenheit. Sie bewegt in mir die richtigen Schalter, die wiederum für Ideen sorgen. Kunst und Kultur regt mich eher auf.“

Ist das Material auch live umsetzbar?

„Eigentlich schon, nur gestaltet sich die mögliche Liveaktivität mit der Bandmitgliederkonstellation als schwierig. Meine Mitstreiter sind alle beruflich oder privat voll eingebunden und könnten nicht wochenlang mit mir touren. Andere Instrumentalisten hab ich noch nicht gefunden. Aber wer weiß? Die Hoffnung stirbt zuletzt! Wie momentan auch bei meinem Lieblingsfussballverein VFL Borussia Mönchengladbach und dem Nichtabstieg. Obwohl…im Vergleich stehen die Chancen, Fischessen mal live zu erleben, höher.“

Aktuelles Album: Suicide Is Much Too Blonde (BluNoise / Alive)
© 01. Mai 2007  WESTZEIT ||| Text: Marco Schardinel
Mai 2007

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