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JOHN BUTLER TRIO - Songs wie Schafe

John Butler ist schon ein Phänomen. Ohne großen Promotion-Aufwand, dafür aber mittels unablässigen Tourens schaffte es der Australier - inzwischen auch außerhalb seines Heimatlandes - sich eine treue Fangemeinde zu erspielen und zum internationalen Superstar für handgemachte, akustisch orientierte Gitarrenpop-Musik aufzusteigen. „Gitarrenpop“ klingt dabei fast zu abfällig - aber wie will man die eklektische Mischung aus Folk, Blues, Rock, Funk, Reggae und sogar Hip Hop denn auch nennen, die auch wieder sein neuestes Album „Grand National“ zu einer universellen Geheimwaffe in Sachen Stilmix-Crossovers macht? Eines steht fest: John Butler ist nicht an einer bestimmten Musikrichtung festzumachen.

„Ich interessiere mich einfach für viel zu viel Musik, um irgend etwas davon zu bevorzugen“, formuliert dies der Dreadlock-bewehrte Mann mit den spitz zugefeilten, weiß lackierten „Gitarrenfingern“.

Das ist aber auch schon fast die einzige Aussage zu Musikstilen, die dem ernsthaften Musikanten zu entlocken ist. Ansonsten beschreibt er seine Herangehensweise lieber mit blumigen Metaphern.

„Der Stil sucht mich aus“, meint er z.B. auf die Frage, wie er seinen Songs denn ein Gesicht gibt, „nimm z.B. ‚Caroline' vom neuen Album. Da kam einfach diese Melodie aus mir heraus und sagte zu mir: ‚John, so will ich klingen'. Songs sind ein wenig so wie Geister. Es sind auch gar nicht meine Songs. Ich bin nur der Schäfer, der auf sie aufpasst. Die Schafe kommen zu Dir, wenn sie Futter brauchen. So ist das auch mit den Songs: Die sagen mir, wenn sie so weit sind und was sie sein wollen. Ich setze mich also nicht hin und überlege mir, Hip Hop, Reggae oder Heavy Metal, Folk oder Jazz zu mischen. Die Einflüsse sind da und der Rest passiert von selber.“

Das hört sich nun an, als habe John nicht sehr viel Kontrolle über diesen Prozess. Was kontrolliert er denn überhaupt?

„Die Kontrolle liegt darin, dass ich nicht aufhöre an etwas zu arbeiten, bis es sich richtig anfühlt. Dazu gehört auch Handwerk. Es ist ja nicht so, dass die Songs fertig zu mir kommen. Ich muss ja auch das, was sie verbirgt freilegen. Ich muss dem Song erlauben, zu sein, was er will. Songs sind wie Muskeln. Muskeln verwendet man ja auch nicht einfach so, sondern, um etwas zu tun.“

Das bedeutet also, dass John Butler damit in gewisser Weise eine Verantwortung übernimmt, oder?

„Ja, und zwar zunächst als Künstler dem Song gegenüber“, führt er aus, „als jemand, der seine Musik performen will, habe ich natürlich darüber hinaus eine Verantwortung. Ich habe immer eine Verantwortung. Zum Beispiel wie ich Dich als Mitglied der Gemeinschaft behandle, wie ich mein Geld im Laden ausgebe, wie ich mein Geschäft führe. Wenn ich also meine Kunst ausführe, dann mit der Absicht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, zu der Lösung von Problemen beizutragen. Ich bin auf die Welt gekommen, um etwas zu bewegen und verwende meine Kunst als Mittel dazu. Andererseits mache ich meine Kunst auch nur für mich selber - um zu verstehen, wie alles funktioniert. Das ist ein wenig seltsam, wie das funktioniert.“

Hat denn die Musik überhaupt die Macht, etwas zu verändern?

„Ja“, antwortet John ohne eine Sekunde zu zögern, „Kunst verändert die Leute und die Leute verändern die Welt.“

Es fällt natürlich schon auf, dass John Butler „Ich“ und „Kunst“ öfter sagt als andere Leute „Geld“ oder „Liebe“ - doch gehört es ja zu einem Musiker wie John Butler auch dazu, dass er sich als Künstler erkennt. Zum Spaß, jedenfalls, macht John Butler seine Musik nicht: Da hat zweifelsohne alles seinen Platz und Sinn.

Aktuelles Album: Grand National (Warner)
© 01. Mai 2007  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2007

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