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DINOSAUR JR. - Happy(ohne)End(e)!

J. Mascis flog extra über den großen Teich, um sich mit einer Meute an Autoren in Hamburg zu treffen, und mit ihnen die Dinosaur Jr.-Reunion sowie das fantastische neue Album zu diskutieren. Obwohl solche Tage für ihn eine Tortur darstellen, war der Band-Leader keinesfalls unfreundlich. Anders betrachtet: Er antwortete punktgenau, ohne seinen kargen Ausführungen verbal Verzierungen anzuhängen. Diese zogen wir einige Tage später fernmündlich von Lou Barlow ein...
Die Wiedervereinigung `passierte´ im Zuge der Re-Issues der drei Alben, die der Gitarrist, Sänger, Songwriter J. Mascis mit Lou Barlow und Drummer Patrick Murphy in den 80ern zusammen eingespielt hatten. Im Rahmen einer Festivalreihe gab es im Mai 2006 einen ersten Dinosaur Jr.-Tag, im Dezember des Jahres trat das Trio abermals auf Festivals auf. Hier mußten sie gar zwei volle Sets spielen, um alle Fans unterzubringen. Derart beflügelt, entschloss man sich, in Mascis´ hauseigenem Studio ein Album zu produzieren. So entstand ein neues, urtypisches Dinosaur Jr.-Werk. Im Ergebnis klingt „Beyond“ frischer, aufwühlender, lärmender als die gesamten 90er-Jahre-Dinosaur- Alben zusammen. Nun sitzt Mascis im ´East´, direkt zwischen der Reeperbahn und dem Stadion des FC St. Pauli. Rock´n´ Roll und leichte Mädchen bieten ein verführerisches Ambiente. Dennoch atmet der Musiker schwer. Es scheint, als würde jedes Wort eine Qual für ihn bedeuten.

„Wir machten eine Show, um die ReReleases der ersten Alben zu promoten. Das machten wir mehrmals, schließlich machten wir einfach weiter. Für ´Beyond´ habe ich das Material fast allein geschrieben. Zwei Tracks überließ ich Lou. Wenn ich Dinosaur-Songs schreibe, muss ich immer darüber nachdenken, ob Murph die Parts auch spielen kann. Auf der Vinylversion des Albums wird es einen Extra-Song geben.“

Mascis´ Lieblingssong vom Album ist „Almost Ready“. Ein Stück heißt „Been There All The Time“. War die Band immer irgendwie bei uns? „Nein!“. Überraschenderweise gab es längere Ausführungen bezüglich der Arbeit im Studio.

„Ich habe die Ideen für die Drums, weil ich sie wie ein Teil des Songs lesen, hören kann. Mit dem Bass klappt das nicht wirklich, darum macht Lou das. Er kann spielen, was er will. Wenn es nicht zu den Lyrics passt, sage ich es ihm, und er muß seine Läufe vereinfachen.“

Im Sommer möchte das Trio über die Bühnen brettern, es wird abermals nicht leise zugehen.

„Damals war es zu laut? Wahrscheinlich werden wir nun noch lauter sein! Natürlich spielen wir zu dritt! Warum sollten mehr Musiker auf der Bühne stehen? Ich mag Trio´s, besonders die großen SST-Trio´s, wie Minutemen, Meat Puppets, Hüsker Dü.“

In einer Dreier-Formation ist das spontane Element einfacher umzusetzen, und Mascis bevorzugt auf der Bühne die Improvisation.

„Freestyle ist mir die liebste Art des Spielens. Alle meine Solo´s sind jedesmal unterschiedlich gespielt.“

Für die Zeit nach der Tour haben Dinosaur Jr. keine Pläne, man lässt „es“ auf sich zukommen. Letztendlich sind Mascis, Murph und Barlow auch in andere Projekte involviert.

„Murph spielte ein Jahr lang mit den Lemonheads, ich schreibe fortwährend Songs. Der Sänger von Broken Social Scene hat ein Album aufgenommen, darauf habe ich mitgespielt.“

Ende - Mascis war von den Qualen des Frage-Antwort-Spiels entbunden.

Als die Plattenfirma einige Tage später weitere Infos übermitteln sollte, kam kurzfristig ein Telefon-Gespräch mit Lou Barlow zustande. Dieser wirkte überrascht, ein Dinosaur Jr.-Interview geben zu dürfen.

„Nein, ich habe heute keine weiteren Dinosaur-Interviews!“

Der Bassist lacht lauthals.

„Ich arbeite an Sebadoh-ReReleases, habe gerade eine Solo-EP mit 5 Stücken in Spanien veröffentlicht. Mit der Folk Implosion wird nichts mehr passieren. Für ´Beyond´ habe ich die Titel `Back To Your Heart´und ´Lightning Bulb´ geschrieben. Natürlich kommt es auf den Song an, aber eigentlich ist es weder leichter, noch schwieriger, einen Song für Dinosaur zu komponieren.“

Abermals schallendes Gelächter, dann beschreibt Barlow seine Position bei Dinosaur Jr.:

„Ich spiele einfach den Bass, habe wenig Einfluss auf das Konzept, auf J.´s Songs. Er entscheidet alles. Aber ich kann meine Bassläufe selbst schreiben! Ich weiß nicht, warum J. mich zwei Songs für das Album komponieren ließ. Vielleicht sollte ich einfach als Teil von Dinosaur Jr. auch etwas tun. J. & ich sind wieder zusammen. Das ist eine interessante Sache. Ich habe 2 Songs zu einem tollen Album beitragen dürfen. Darüber bin ich glücklich. Ich bin glücklich mit der Band.“

Bei soviel Glück kommen einem die Tränen. Sollte es wirklich ein HappyEnd geben?

Aktuelles Album: Beyond (PIAS)
Weitere Infos: www.dinosaurjr.com
© 01. Mai 2007  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
Mai 2007

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