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SONIC YOUTH - Murray Street Rocks Again

Ende der Achtziger hat sich der unprätentiöse Thrift-Shop-Noise von US-Bands wie Sonic Youth, Dinosaur Jr. oder Hüsker Dü in unsere Herzen gebrannt. Dabei hatten Sonic Youth immer diese Sonderstellung als Avantgarde-Indie-Vorreiterband, und in der Tat waren ihre im atonalen Fuzz eingenebelten energetischen Popsongs auf Platten wie „Goo“ oder „Daydream Nation“ einzigartig. Danach mussten wir jedoch mit ansehen, wie sie immer experimenteller wurden, und bei aller Liebe zu neuen Sounds hatte man den Eindruck, es ginge nur noch darum, bizarr zu sein. Doch weil die Band um Rock’n’Roll-Pärchen Thurston Moore und Kim Gordon nun mal unsere alten Helden waren, verfolgte man ihren Weg so nebenbei und hoffte bei jedem Release aufs Neue, es würde wieder ein Pop-Sonic-Youth-Album sein. Meist aber war die Suche nach einer Melodie in den erstickenden Strukturen der zerfahrenen Stücke vergeblich, und man orientierte sich in Richtung Pavement.

Wer Sonic Youth noch nicht aufgegeben hat, wird sich freuen, was Kim Gordon über das neue Album Murray St. – benannt nach ihrem Studio - zu erzählen hat: "Wir haben das ganze letzte Jahr gescherzt, dass wir wieder eine straighte Rockplatte machen wollen, weil wir viel Zeit mit Jim O’Rourke verbringen, der auf dem neuen Album mitgearbeitet hat. Sowohl Thurston als auch Jim stehen auf Bands wie Sparks und Led Zeppelin. Das mit der Rockplatte war eigentlich ein Running Gag, aber dann ist es plötzlich so ausgekommen, und fünf der sieben Stücke hat Thurston tatsächlich wie früher auf der Akustikgitarre geschrieben." Über 20 Jahre haben Sonic Youth in der klassischen Viererformation gespielt. Seit dem letzten Album ist Alternative Rock-Genie mit Jazz-Klassik-Background und Hang zu sperrigen Songs Jim O’Rourke dabei. Was hat das in der Band verändert?

"Die meisten Bands lösen sich auf. Es ist unglaublich, dass es uns noch gibt. Wir spielen immer noch gerne zusammen, und die Band ist ein so großer Teil unseres Lebens. Dass Jim dazu gestoßen ist, war sehr aufregend. Aber er ist ein sehr einfühlsamer Mensch, die Arbeit mit ihm macht großen Spaß, wir haben viele musikalische Gemeinsamkeiten. Nun ist er ein volles Sonic Youth-Mitglied. Auf Murray St. hat er die Songs mitgeschrieben, arrangiert und produziert." Kim Gordon hat nicht nur als Bassistin, Gitarristin, Sängerin, Produzentin und Stimme des Feminismus unzählige Frauenbands des Girl Punk Movements wie L7 oder Bikini Kill inspiriert, sie hat sich auch mit diversen Poesie- und Malereiprojekten in der New Yorker Kunstszene einen Namen gemacht. Wenn Du Dich für Musik oder Kunst entscheiden müsstest, was würdest Du tun? "Das ist eine harte Frage. Ich brauche beides: An Musik liebe ich, dass es eine körperliche Sache ist. Aber ich mag Schreiben und visuelle Kunst, weil ich das immer und überall tun kann. Wenn man visuell denkt, kann man seine Analysen dort machen, wo man gerade ist. Sogar im Haus." Kim und Thurston haben mittlerweile eine 8-jährige Tochter und wohnen gemeinsam mit J. Mascis außerhalb von New York. Würdest Du Deiner Tochter empfehlen, Musikerin zu werden? "Was man auch immer tun will, man muss sich voll und ganz auf die Sache einlassen. Ob es Musik ist oder nicht. Es ist nur wichtig, es durchzuziehen. Wenn der Wunsch meiner Tochter wäre, Musik zu machen, dann darf sie sich nicht daran hindern lassen. Ich würde ihr nur einen Ratschlag geben: Don’t do drugs".

Aktuelles Album: Murray St. (Motor/Universal)
© 01. Juni 2002  WESTZEIT ||| Text: Kristina Koch
Juni 2002

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