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Katharina Franck - Texte unter der Lupe

Es kommt (leider) eher selten vor, dass ich vor einem Interview nervös bin. Diesmal wusste ich jedoch nicht, was mich erwartet: Die neue CD der Ex-Rainbirderin entzieht sich dem gewohnten Rezeptionsmuster und Frau Franck ist eine der Künstlerinnen, deren Entwicklung mich insgesamt ziemlich beeindruckt. Und dann diese unglaubliche Stimme. Meine Finger zitterten also ein wenig, als ich die Nummern ins Telefon tippte.
Ende Mai erschien "Zeitlupenkino", eine CD, die das schon 1997 mit dem Album "Hunger" aufgegriffene Konzept des "gesprochenen Popsongs" zur Perfektion treibt. Den rätselhaften Titel erklärt KF so: "Den Titel gibt's schon sehr lange. Schon nach "Hunger" war mir klar: Die nächste Platte mit dieser Art Texte soll "Zeitlupenkino" heissen. Und zwar einfach, um die Langsamkeit dieser ganzen Entwicklung, meiner gesamten künstlerischen Arbeit auszudrücken. Ich empfinde mich da als sehr langsam, aber auch als sehr intensiv." Der Schritt vom kleinen, literatur- und hörkunstorientierten Label "Sans Soleil" zu Mute, dem Exindiemajor, hat ganz profane Gründe: "Durch die Auseinandersetzung mit der Arbeit, auch durch die Entwicklung von "Sans Soleil", habe ich mir für diese Platte gewünscht, ein etwas grösseres Outlet zu bekommen, um mir damit ein Forum zu suchen, auf dem ich auch rauskomme aus dieser rein literarischen Szene, weil ich mich selber nicht so stark dieser Szene zugehörig fühle." Weil man im Strom der Assoziationen und Situationen, die in den Texten stecken und gern auch im Loop wiederkehren, manchmal beinahe den Faden verliert, konzentriert man sich leider zuwenig auf Musik und Sounds. Fühlen sich die Mitstreiter da etwas in den Hintergrund gedrängt? "Das glaube ich nicht. Wir haben sehr intensiv gemeinsam an der Musik gearbeitet. Die Möglichkeit, sich die Sache auch als Musik oder als Gesamtkunstwerk, nicht nur als Text, anzuhören, war ganz bewusst der Plan. Wiewohl fast alle Texte sicher auch ohne Musik funktionieren würden." Meine Rezension ist an einer Stelle eigentlich falsch, denn die Musik besteht gerade nicht aus "interessanten Hintergrundgeräuschen", sondern es ist eine zweite Ebene an Bedeutung. Gerade nicht die Vertonung von Text, vielleicht eher ein Kontrast. Die Studioarbeit war entsprechend spannend: "Ganz viel entstand auch in einer Art Jam. Anderes entwickelte sich zu etwas Songhaftem, etwa bei "Hudson Bay", wo die Grundlage ein Groove war. Anfangs haben wir viel mit Samples gearbeitet und collagiert. Bei "Zeitlupenkino" war's sogar so, dass ich nur überlegte, wie ich den Text zu den Zuckerzerfriemel- und Schreibgeräuschen, die ich zuerst aufgenommen hatte, sprechen soll. Dann wollte ich ausprobieren, wie's klingt, wenn ich den Text dopple und wir die Stimmen nach links und rechts legen. Ob da die Intensität rüberkommt, ohne dass ich laut werde." Was wäre denn die ideale Hörsituation? "Man sollte sich die CD mindestens einmal, vielleicht auch ein paar mal öfter, richtig konzentriert anhören. Um da reinzusteigen, sich das auch mit dem Heft in der Hand wirklich vor Augen führen. Manches kann man vielleicht auch einfach nebenbei laufen lassen. Bei einer Live-Performance wird das Ganze noch etwas intensiver und dynamischer. Wir benutzen Playbacks, aber Schlagzeug, Kontrabass und die Stimme sind dann live. Dramaturgisch wird's wohl so werden, dass es immer mal musikalische Interludes geben wird." Wir werden es sehen. Und hören. Bestimmt!
© 01. Juni 2002  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla
Juni 2002

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