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KATHARINA FRANCK - Ganz entspannt im Hier und Jetzt

Irgendwie schleppt Katharina Franck die Bürde von The Rainbirds mit sich rum. Mal drückt die Last mehr, mal weniger. Aber gedrückt hat sie immer. Der Große Rundum-Befreiungsschlag ist bisher nie richtig geglückt. Bisher! Eine völlig entspannte und immer lächelnde Katharina Franck plaudert über ihre neue äußerst konsequente Produktion „On The Verge Of An Autobiography.“ Eine Platte, die so locker, leicht und luftig daher kommt, dass es dafür Gründe geben muss. Katharina Franck nickt, „ein ganzes Bündel sogar.“ Darüber wird zu reden sein.
Bei einem deiner Stücke auf dem neuen Album hat das weltumspannende Portal myspace eine nicht unwesentliche Rolle gespielt?

„Ich habe mich im Januar 2007 ganz intensiv mit myspace beschäftigt und die berühmten Freunde en masse hinzugefügt. Das global village ist ja inzwischen, zumindest musikalisch, zum myspace village mutiert. Vieles geht ja nicht über den Austausch von Nettigkeiten hinaus. Bei dem New Yorker Duo „New Randy“ ist gleich ein anderer Kontakt da. Hinter dieser Formation verbergen sich Lisa B. Burns und Holly Anderson. Schnell wird über Songs gesprochen und ich bitte die beiden, mir ein Stück auf den Leib zu schneidern. Im April kommen zwei Songs zur Auswahl. Lisa B. Burns zeichnet für die Musik und Holly Anderson für den Text verantwortlich. Ich habe mir „Swallow Song“ ausgesucht und minimal bearbeitet. Ich fand den Text sofort toll und dann begeisterte mich diese amerikanische, sehr schrabbelige Art der Musik, die aber so richtig hypnotisch ist.“

Hypnotik ist das Stichwort. War es bei deiner letzten Platte „First Take Second Skin“ recht einfach, Abstand zu den Stücken zu wahren, entwickeln die aktuellen Songs eine hypnotische Sogkraft. Das funktioniert bekanntlich aber nur, wenn du dich auch öffnest und diese Hypnotik beflügelst.

„Jeder Künstler sagt über sein aktuelles Album, dass es das Beste schlechthin ist. Natürlich auch, weil man möchte, dass die Leute es mit offenen Ohren anhören. Hier stimmt es eindeutig. Ich habe das bei keiner bisherigen Produktion so erlebt, wie bei „On The Verge Of An Autobiography.“ Die gesamte Aufnahmesituation war einfach nur entspannt. Ich würde jetzt gerne sagen, das liegt daran, weil die ganze Band supertoll aufeinander eingespielt war. Geht aber nicht; denn Peter Hinderthür am Bass und Achim Färber am Schlagzeug haben sich bei der ersten Session zum ersten Mal gesehen. Die waren garantiert nicht aufeinander eingespielt. Aber sofort war diese stimmige Chemie, diese Neugier und Offenheit für meine Musik da.“

Also muss es etwas anderes gewesen sein. Gab es bei der Produktion keinerlei Drucksituation?

„Da es keine Plattenfirma gab, die wartend von einem Fuß auf den anderen trat, entstand das Album komplett ohne Druck. So können alle Beteiligten ihre anderen Jobs machen und ihre Arbeiten zwischendurch erledigen. Es gab nie längere Phasen, als fünf Studiotage am Stück. Die waren dann aber auch von der ersten bis zur letzten Sekunden äußerst konzentriert. Einfach aufs Spielen bedacht. Wenn alle so vorbehaltlos an die Arbeit gehen, dann habe ich die Chance, mich auch mal gehen zu lassen.“

Was bedeutet das in der Konsequenz?

„Ich habe egois-tisch darauf geachtet, dass es mir bei dieser Produktion gut geht. Ich wollte mich nicht um das Wohlergehen aller anderen kümmern, sondern ausschließlich um mich. Eine Radikalität, die ich in der Form bis dato noch nicht gelebt hatte.”

Hast du die ganze Platte in der gleichen Besetzung eingespielt?

„Es gibt keine durchgehend gleich bleibende Formation. Ich habe mal solo, mal im Trio mit Peter Hinderthür und Achim Färber oder im Duo mit Ulrike Haage am Piano gearbeitet. Weitere Gäste im Studio waren Gitarrist Mathias Mauersberger und Lukas Fröhlich an Trompete und Flügelhorn.”

Wer ist denn bei dem Stück „Reckless, Reckless“ für den Lloyd Cole-Gitarrensound verantwortlich?

„Die Gitarrenmelodie, die Mathias entwickelt hat, erinnerte auch mich sofort an Lloyd Cole. Nicht so, dass es abgekupfert wäre. Aber wenn man das Wort inspiriert verwendet, dann stimmt es. Ist aber richtig schön und hat so eine Beschwingtheit, die genau in den Song hinein gehört. Die Gitarre zwingt zum Zurücklehnen beim Hören.“

Zurücklehnen ist wieder solch ein Stichwort, ein Synonym für die Arbeit am vorliegenden Album. Damit hinterher diese Entspanntheit hörbar ist, muss sie beim Produzieren hinein gegeben werden

„Alle Musiker liebten meine Songs und schafften mit wenigen Tönen eine Welt, die den ganzen Song und damit mich trägt. Und wenn ich das spüre, gehe ich mit einer ganz anderen Furchtlosigkeit ans Werk und überspringe auch meine eigenen Grenzen. Rein gesanglich hatte ich in den ersten Sessions schon das Gefühl, ich habe noch nie so gut gesungen.“

Alles zusammen genommen klingt dein neues Werk, als wäre die Metamorphose von „The Rainbirds“ zu Singer/Songwriterin Katharina Franck damit endgültig abgeschlossen.

„Unbedingt. So fühle ich mich auch.“

Aktuelles Album: On The Verge Of An Autobiography (Premium Recs. / Soulfood) VÖ: 12.12.
© 01. Dezember 2008  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Dezember 2008

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