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LIVING COLOUR - „Nichts passiert ohne Grund!“

„Nichts passiert ohne Grund!“, sagt Doug Wimbish, der Bassist von Living Colour, der sich bei unserem Treffen am Rande der Leverkusener Jazztage als herrlich unaufgeregter, aber dennoch ungemein leidenschaftlicher Gesprächspartner entpuppt. So ist er zwar stolz auf das, was Living Colour in den 20 Jahren seit ihrer bahnbrechenden Debüt-LP „Vivid“ erreicht haben, lässt sich aber auch von Rückschlägen nicht unterkriegen.

Schließlich war die Zeit, in der sich die vier Amerikaner im Glanz des kommerziellen Erfolgs sonnen konnten, vergleichsweise kurz. 1988 erschien der gefeierte Erstling der „vielleicht einzigen echten Rockkapelle ohne weiße Mitglieder“ (Spiegel Online), auf dem das Quartett seine politische Botschaft mit einer bis dato unbekannten, jedoch unglaublich kreativen Fusion aus Hardrock, Funk, Free Jazz, Hardcore und Hip-Hop verband. Das bescherte der Band ungeahnte Ausflüge in die Pop-Charts, 1989 einen Grammy für den Song „Cult Of Personality“ und erwies sich als Keimzelle für spätere Crossover-Abräumer wie Rage Against The Machine oder sogar Limp Bizkit. Zwei erfolgreiche Alben später allerdings verkündete Gitarrist Vernon Reid Anfang 1995 das Ende Living Colours, da er, der einstige Bandgründer, seine eigenen Ideen gegen den zunehmenden Einfluss seiner Mitstreiter nicht mehr durchsetzen konnte.
Doch recht schnell stellten Reid, Wimbish, Sänger Corey Glover und Drummer Will Calhoun fest, dass die alten Errungenschaften Living Colours einen größeren Nachhall hatten als alles, was sie allein auf die Beine zu stellen versuchten. „Ich bin der Meinung, dass sich die Band damals nicht hätte auflösen sollen“, glaubt Wimbish rückblickend. „Wir hätten lediglich eine Auszeit nehmen sollen, damit jeder von uns anderen Projekten hätte nachgehen können.“
Letztlich waren es nicht vornehmlich künstlerische Belange, die Living Colour Anfang des neuen Jahrtausends wieder zusammenführten. Der Kollaps der traditionellen Musikindustrie spielte mindestens eine ebenso große Rolle. Dennoch hat die Band das Beste aus der schwierigen Situation gemacht. Dass ihre Konzerte auch heute noch brillant sind und kaum etwas mit den oft kläglichen Reunion-Auftritten anderer Bands gemein haben, beweist die unlängst erschiene DVD „The Paris Concert“. Außerdem nutzen Living Colour ihre gerade zu Ende gegangene Europatournee, um in Prag ein neues Album einzuspielen, das unter dem Titel „The Chair In The Doorway“ im Sommer 2009 erscheinen soll. „Momentan sind wir physisch und geistig besser drauf als je zuvor – und das spürt man auch in unserer Musik“, ist sich Wimbish sicher. „Jeder Einzelne von uns ist durch die Erfahrungen der Vergangenheit gewachsen, und es ist jetzt leichter als je zuvor, die richtigen Entscheidungen für die Band, anstatt für uns individuell zu treffen. Wenn du an dem Punkt angekommen bist, hast du es geschafft!“
Aktuelle Veröffentlichung: „The Paris Concert“ [DVD] (In-Akustik)
Weitere Infos: www.livingcolourmusic.com
© 01. Dezember 2008  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
Dezember 2008

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