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BUFFALO TOM - Geprügelter Rock und schmerzende Balladen

Buffalo Tom legen mit „Skins“ das zweite Album nach ihrer neunjährigen Pause vor. „Pause ist schon das richtige Wort“, darauf legt Sänger und Gitarrist Bill Janovitz größten Wert, „wir haben uns ja nie wirklich aufgelöst. Wir haben zwischendurch ja sogar Konzerte gegeben.“ Doch vor der Atempause hat die Bostoner Truppe schon mehr als zehn Jahre Bandgeschichte hinter sich. Klangen die ersten Alben noch deutlich nach Dinosaur Jr., was nicht verwundert; denn Dinosaur Jr.-Mastermind J Mascis hat sie nicht nur produziert, sondern auch noch mitgespielt, haben sich Buffalo Tom spätestens mit 93er-Album „Big Red Letter Day“ von diesen Klangspuren verabschiedet. Alternative Rock heißt die neue Soundfahne, die weithin hörbar nun über Buffalo Tom flattert.

Surfen auf dem Zeitkontinuum

An der Besetzung hat sich bis heute nichts geändert. Neben Bill Janovitz wird das Trio durch Chris Colbourn am Bass und ebenfalls Gesang und Tom Maginnis am Schlagzeug komplettiert.

„Ja, alles irgendwie wie immer“, sinniert Bill Janovitz, „und dann doch nicht, schließlich sind wir inzwischen gealterte Herren, alle um die 45. Während du auf dem Zeitkontinuum unbewusst dahinsurfst, wird dir die Zeit dann bewusst, wenn deine Eltern gehen und die eigenen Kinder kommen.“

Eine mögliche Erklärung dafür, warum auf „Skins“ sein Gitarrenspiel zwischen zartbitteren, scharfkantigen Liedern, die die Saiten zum Glühen bringen und süßlichen, leichten und zurückgelehnten pendelt.

„Das musste so verschieden werden“, erklärt Bill Janovitz, „die Stücke sind nichts anderes als Schnappschüsse, die dort aufgenommen wurden, wo wir uns gerade befanden. Wenn du so unbewusst, fast zufällig arbeitest stehen eben auf der einen Seite geprügelter Rock und auf der anderen schmerzende Balladen.“

Dass dabei sein Instrument häufiger weit südlicher klingt, als Boston auf der Landkarte liegt, hat einen einleuchtenden Grund:

„Ich muss so etwa 12 Jahre alt gewesen sein, als ich Klangberge von Southern Rock bestiegen habe“, fährt er fort, „und auch das ist eine Macke des Älterwerdens, Erinnerungen werden wach.“

Die werden auch noch anderweitig gepflegt. Abgemischt wurde „Skins“ vom langjährigen Freunden der Band Paul Q. Kolderie, der auch für das 92er Album „Let Me Come Over“ verantwortlich war. Noch eine weitere musikalische Ikone Bostons ist mit von der Partie, Tanya Donnelly. Sie leiht dem folkig instrumentierten Stück „Don't Forget Me“ ihre Stimme. Früher hatte sie ihre klangliche Visitenkarte bei The Breeders und Throwing Muses abgegeben.



Aufstehen und hin schauen

Die angesprochenen Schnappschüsse dokumentieren ja nichts anderes als einen kurzen Moment des fortschreitenden Zeitkontinuums. Aber ein solcher Blick ist auch ein unbewusst konzentrierter. Einer, der dann beim Betrachten des Bildes zunächst nicht gesehene Einzelheiten sichtbar werden lässt; denn die Linse der Kamera ist unbestechlich. So funktionieren auch die Texte von Buffalo Tom. Gleich im Eingangsstück haben die Musiker dafür die Parole ausgegeben, ‘Arise, Watch.’ Es wird Klartext geredet.

„Als unablässig handelndes Subjekt tut es dir ganz gut, mal für einen Augenblick das Handeln einzustellen, innezuhalten und hinzuschauen“, philosophiert Bill Janovitz, „dass, was wir dann sehen, diese Beobachtungen, die schreiben wir auf. Alltag, klar. Aber genau diese Minichroniken des alltäglichen Lebens schaffen für die Zuhörer die Ankerpunkte zum Andocken an unsere Texte und unsere Musik.“

Eine solche Haltung ist politischer und vor allem wirkungsvoller, als es jedweder flammender Kampfaufruf je sein könnte.

Eins haben Buffalo Tom mit „Skins“ schlagend bewiesen, sie sind musikalisch und textlich in der Jetztzeit angekommen. Und wem es so überzeugend gelingt, Gefühl und Härte auf einer Platte zu versöhnen, der darf auch den erneuten Anspruch auf den Alternative Rock-Thron formulieren. Eine große Gefolgschaft haben sie sich bereits mit dem Vorgänger-Album „Three Easy Pieces“ zurückerobert und „Skins“ wird neue Heerscharen rekrutieren.

Aktuelles Album: Skins (Scrawny / ADA / Warner)
© 01. März 2011  WESTZEIT ||| Text: Franz. X.A. Zipperer
März 2011

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