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COCOON - Die Reise des Dr. Dolittle

Mark Daumail und Morgane Imbaud – alias Cocoon – gelang etwas sehr ungewöhnliches: Das Duo aus der französischen Provinz (das Wert darauf legt, privat kein Paar zu sein) landete mit seinem englischsprachigen Folkpop-Debüt „My Friends All Died In A Plane Crash“ in ihrer Heimat einen dergestalten Hit, dass bereits die zweite Veröffentlichung ein Live-Album war, das ihren triumphalen Aufstieg dokumentierte. Jetzt – drei Jahre und etliche Tourneen später – folgt das zweite Studio-Album, das musikalisch die Reise, die mit dem Flugzeugabsturz begann, als metaphorisches Portrait eines Wales fortsetzt.

In den Songs von Mark wimmelte es stets schon von Tieren: Seelöwen, Delphinen, Eulen, Robbenbabies und jetzt eben Wale. Woher kommt denn das?

„Ich weiß nicht – aber vielleicht liegt es daran, dass ich Tieren immer gerne menschliche Eigenschaften angedeihen lasse. Das ist eine Art, poetischer sein zu können und über Dinge zu reden, über die man ansonsten nicht reden könnte.“

Wie Dr. Dolittle?

„Bei Cocoon geht es darum, dass ich mit mir selbst rede“, führt Mark aus, „Ich interagiere nicht besonders gut mit Menschen. Ich bin ziemlich schüchtern und habe Probleme zu kommunizieren. Mit Tieren geht das einfacher.“

Die Reise, von der Cocoon auf dem neuen Album erzählen, findet ja auf dem Meer statt. Was ist denn daran so faszinierend?

„Nun, wir mögen es von Seejungfrauen, Seeleuten und Piraten zu erzählen – weil wir uns seit drei Jahren eh wie Seeleute und Piraten fühlen. Das ist der Beginn. Und dann ist das Meer ja auch der Ort, den die Leute auf der Erde am meisten lieben. Es gibt da ein kleines Haus an der Küste, wo ich meine schönsten Kindheitstage verbracht habe.“

Gibt es denn ein Ende bei dieser Reise – oder ist da eher der Weg das Ziel?

„Ein Ende der Reise? Nein. Das ist ja die Frage, die mit dem Titel gestellt wird: Wo enden die Ozeane? Das ist ein Geheimnis und wir wissen nicht, wo wir beginnen oder wo wir uns hinbewegen. Das ist aber aber auch nicht wichtig. Es ist nicht wichtig, Antworten zu finden, es ist nur wichtig, Fragen zu stellen. Und ich will auch gar nicht wissen, wo das Ende der Ozeane ist, sondern ich möchte selbst entdecken und dabei überrascht werden. Das Ende steht aber vielleicht für die Veröffentlichung des neuen Albums und dem Beginn einer neuen Reise. Es dreht sich also immer alles im Kreis.“

Musikalisch sind sich Cocoon dabei treu geblieben. Es gibt wieder liebreizenden Folkop, bei der die von Mark geschriebenen Songs von Morgane arrangiert wurden und von Ex-Tinderstick Dickon Hinchcliffe mit dramatisch-romantischen Streicherarrangements versehen wurden. Dabei gelangen Mark wieder einige der wunderhübschesten Melodiebögen, die man sich in einem solchen Setting wünschen könnte. Hat er dafür ein Rezept?

„Ich weiß nicht – mein Rezept ist, komplizierte Sachen zu vermeiden“, überlegt Mark, „es geht mir darum, das alles mühelos und einfach erscheinen zu lassen. Zwar wird uns manchmal vorgeworfen, dass wir zu leise seien, aber ich mag nun mal leise Musik. Es muss alles zusammen passen, weil ich in Alben- und nicht in Singles-Kategorien denke. Und ich möchte alles in drei Minuten sagen – was eine große Herausforderung ist.“

Das mag wohl sein – schließlich ist schon manch jemand daran gescheitert. Es ist aber tatsächlich so, dass bei Cocoon alles mühelos und einfach klingt. So mühelos und einfach, dass man sich als Zuhörer fragt, warum nicht andere schon darauf gekommen sind. Das zeichnet im Allgemeinen und hier im Besonderen gute Popmusik aus. Punkt.

Aktuelles Album: Where The Oceans End (Sober & Gentle / CoopMusic)
© 01. März 2011  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
März 2011

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