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THE DOPE - Der Prunk der Provinz

Mit Bands wie Cursive bereits per Du, wollen The Dope nun auch dem Rest der Republik zeigen, dass hymnisch-angelegter Alternative-Rock keinesfalls nur eine amerikanische Sache ist. Wo beim Debüt ´Into The Woods´ vor zwei Jahren noch einige Fragen im Raum standen, liefert der aktuelle Nachfolger ´Hinterlandia´ alle Antworten. „Wir sind recht detailliert bei den Aufnahmen vorgegangen und haben uns nicht stressen lassen“, erklären die beiden Köpfe hinter der Band, Frontmann Rudi Maier und sein trommelnder Sidekick Franz Neugebauer. Der große Aufwand sollte sich auszahlen und doch ist es in Zeiten medialer Verknüpfung alles andere als leicht, den Weg in die breite Öffentlichkeit zu finden – für The Dope kein Problem, die haben noch einen Trumpf im Ärmel.

Es ist schon verwunderlich. Selbst die großen amerikanischen Bands des Alternative-Rocks kamen meist aus den entlegensten Ecken ihrer Heimat: Built To Spill, Modest Mouse oder Dinosaur Jr. entdeckten abseits der Großstadtlichter ihre Begeisterung für das Genre und ähnlich verhält es sich auch mit The Dope. Nur dass wir hier vom Bundesland Bayern und dessen provinzielle Regionen sprechen.

„Ich sehe da keinen Fluchtgedanken drin. Rockmusik war immer das, was wir beide mochten und somit stellt sich die Frage überhaupt nicht, wie unsere Songs am Ende klingen sollen“, korrigiert Rudi Maier die Annahme eines möglichen Eskapismus hinter der eigenen Musikauswahl.

Kennengelernt haben sich beide vor über sechs Jahren. Anfänglich nur, um auf Basis ihrer Freundschaft Interessen auszutauschen und nicht um von jetzt auf gleich eine Band zu gründen. 2010 erschien dann aber doch ihr Debüt ´Into The Woods´ und rief The Dope recht schnell als Supportacts für u.a. Cursive oder Band Of Skulls auf den Plan.

„Warm-Up-Gigs sind im besten Fall ein Plus-Minus-Null-Geschäft und doch war es toll zu sehen, dass eine Band wie Cursive alles alleine macht – deren Sänger Tim Kasher fuhr teilweise sogar den Tourbus selbst und obwohl die ganze Sache für sie damals nicht so rund lief, hängten sie sich jeden Abend rein. Wirklich beeindruckend.“

Erinnert sich Franz Neugebauer heute und beschreibt mit letzterer Ausführung sogar ein wenig den Aufnahmeprozess hinter dem aktuellen Album ´Hinterlandia´ – denn obschon CD-Verkäufe seit Jahren mehr und mehr ins Hintertreffen geraten und Musiker mit Touren ihr Geld verdienen, war es den beiden immens wichtig, dass alles bis ins kleinste Detail stimmt.

So fahren The Dope für die Songs den ganz großen Bahnhof auf, verpacken ihre Gitarren in teils Queen-ähnliche Arrangements und füllen abseits dessen den Raum mit Hall und jeder Menge musikalischer Finesse. Hinter den Kollegen aus Übersee verstecken muss sie sich mit solch einem Ergebnis freilich nicht.

Allerdings: Der eigene Bandname sorgte bereits für Verwirrung. Ähnlich wie die bayrischen Kollegen von Slut, die einst in Schweden durch fast leere Hallen tourten, da Slut dort mit „Ende“ übersetzt wird, konnten The Dope auf dem letztjährigen Reeperbahnfestival erfahren, was es bedeutet, wenn das Publikum ihren Namen falsch versteht:

„Während unseres Gigs kam irgendwann ein Typ auf die Bühne geschossen, mit Dreadlocks und wirkte recht bekifft. Er wolle die Moderation übernehmen, sagte er und verschwand dann erst mal nicht“, lacht Rudi Maier und betont zugleich, dass man sich über solche Erlebnisse indes mehr amüsiert als ärgert.

Am Ende zähle allein die Musik und die scheint die Band überzeugend ans Publikum zu bringen: Im Gegensatz zu anderen Newcomern, die sich parallel zum Debüt das passende Image zulegen, spielen die Personen hinter The Dope in den Berichterstattungen fast gar keine Rolle.

„Was wir sehr angenehm finden und irgendwie drückt das eine Form von Respekt uns gegenüber aus - dass die Leute sich lieber über die Musik als uns zwei unterhalten“, meint Maier und wird von seinem Kollegen Neugebauer sofort ergänzt, „das wäre für euch auch langweilig, wir beide so als Thema.“

An Humor scheint es dem Duo nicht zu fehlen – und wer über sich lachen kann, hat längst die gute Laune für sich gepachtet.

Das dazugehörige Album ´Hinterlandia´ ist mehr als ambitioniert und selbst wenn The Dope abschließend meinen, dass sie vielleicht ein, zwei Dinge ändern würden, sind keine Korrekturen nötig: Groß-angelegter Alternative darf genau so klingen.

Aktuelles Album: Hinterlandia (Devil Duck / Indigo)
© 01. Mai 2013  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Mai 2013

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