interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
VALERIE JUNE - Deltablues und Country-Verse

Wer zwischen Nashville und Memphis aufwächst, kann nichts dagegen tun, dass von Nashville Countrymusikfetzen herüber wehen und man von Memphis mit Blues, Soul und Rock’n’Roll eingedeckt wird. „Ich habe jede einzelne Note aufgesogen“, lacht Valerie June - die Frau mit den hoch aufgetürmten Rastalocken, „da ich damals kein Instrument spielte, habe ich einfach so rumgeträllert. Rhythmisch war ich lange Zeit eine komplette Niete. Ich war nicht mal in der Lage, zum Gesang passend mit der Hand zu klatschen.“

Gefangennehmend

Die Stimme von Valerie June hat von Beginn an etwas Bezauberndes, Gefangenehmendes und Niewiederloslassendes. Diese Stimme lernen in den USA jede Menge Leute kennen. Denn Valerie June geht auf Reisen - querbeet durchs Land. Sie postiert sich gerne an U-Bahnhöfen und verkauft selbst gemachte Seife. Dazu schmettert sie ihre Lieder.

„Die Erfahrungen, die du beim Singen auf der Straße machst, die sind hart, aber wichtig für die Kraft deiner Stimme und auch für dein Selbstbewusstsein“, gibt Valerie June zu Protokoll.

Nebenher bringt sie sich auch noch Gitarre, Banjo Lap-Steel-Gitarre und Ukulele bei.

„Ich habe mir die alte Musik meiner Jugend angehört und die Sachen nachgespielt“, erzählt sie vom Prozess der Entdeckung ihrer verborgenen Talente, „und wenn ich das mit dem Originalrhythmus nicht hinkriegte, habe ich einfach meinen eigenen Rhythmus gebastelt.“

In der Auseinandersetzung mit der Musik, die ihr Elternhaus beschallt hat, fallen ihr mehr und mehr eigene Lieder ein. Der Wanderjahre müde, wendet sich Valerie June 2000 der Heimat zu und bleibt in Memphis hängen. Damals ist sie 18 Jahre alt.



Zurück in Memphis

Zurück in Memphis hat Valerie June über 200 eigene Stücke davon im Sack, die sie mehr oder weniger rund um die Uhr singt: beim Brötchenholen, beim Babysitten, beim Autowaschen oder beim Kellnern.

„Dabei habe ich mich nicht nur durch mein eigenes Repertoire gesungen, es sind auch neue Lieder hinzu gekommen“, nimmt sie den Faden wieder auf. Wenig später tingelt sie mit ihrem Ehemann in der Duoformation Bella Sun durch die Umgebung.

„Das ging nicht lange gut, weder das mit Duo, noch das mit der Ehe“, lacht sie, „aber ich wollte weiter singen und spielen, Ich habe meine Einflüsse aus Blues, Gospel und Appalachen- Folklore zu etwas Eigenem vermengt, dass ich als Organic Moonshine Roots-Musik unters Volk brachte.“

Eine nächste Station ist das Broken String Collective. Auch wieder nur ein Durchlauferhitzer. Erste, in Eigenregie organisierte Plattenaufnahmen werden gemacht, 2006 ´The Way Of The Weeping Willow´ und 2008 ´Mountain Of Rose Quartz´. Es folgt 2010 eine EP unter dem Namen ´Valerie June and the Tennessee Express´, das nichts anderes ist als eine Zusammenarbeit mit The Old Crow Medicine Show, einer Americana-Folk-Truppe, die bekannt werden, als sie zusammen mit Mumford & Sons im Film „Big Easy Express“ zu sehen sind.



Im Boot mit Dan Auerbach

Toningenieur Kevin Augunas hört irgendwie die frappierende Stimme von Valerie June, die gereift zwischen Dolly Parton und Billie Holiday changiert. Plötzlich ist Black Keys Dan Auerbach mit im Boot. Hat er im vergangenen Jahr noch den legendären Dr. John produziert, schreibt er gemeinsam mit Valerie June einige Lieder, die sich später auf der aktuellen Platte ´Pushin’ Against A Stone´ wieder finden.

„Doch wir haben nicht nur zusammen geschrieben, er wurde auch mein Produzent“, blickt Valerie June in die jüngere Vergangenheit zurück, „er nahm mich aber auch immer dann, wenn ich mich im Wust der Möglichkeiten verirrte, gefühlvoll an die Hand und zimmert aus meinen musikalischen Versatzstücken ein großartiges Klanggewand aus Blues-, Folk-, Gospel-, Soul- und Bluegrass.“

Das Gewand ist so passend, dass es sich an Valerie Junes Stimme unvergleichlich anschmiegt. In diesem flexiblen, kreativen Umgehen mit der genannten Stilvielfalt sieht die Sängerin nun überhaupt kein Problem: „Da muss ich mir doch nur die Karrieren von Joni Mitchell oder Van Morrison anschauen. Haben die sich etwa auf einen Stil festlegen lassen? Warum sollte ich es dann tun?“

Mit diesem Selbstbewusstsein im Rücken und der Platte ´Pushin’ Against A Stone´ ist plötzlich alles - nicht nur die Stimme- bezaubernd, gefangennehmend und niewiederloslassend.

Aktuelles Album: Pushin’ Against A Stone (Sunday Best/PIAS/Rough Trade)
© 01. Mai 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Mai 2013

Links

suche