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UNCLE HO - Huren vom Wahnsinn getrieben

Chronik des Wahnsinns: Als 1994 Julian und der Gitarrist Doc in Wuppertal die Band gründen, machen sie sich mit einer Drum-Maschine und Crossover einen Namen. Kurz darauf ersetzt Björn die Maschine. Auf einer Sommerparty reichten gänzlich 14 ineinandergesteckte Dreifachstecker und Enthusiasmus aus, um 250 Gäste zum kollektiven Wahnsinn zu bringen. 1995 haben Uncle Ho (amerikanischer Slang für Hure) binnen 9 Tagen ´Tilt´ aufgenommen, das 1996 dann via Subway Records veröffentlicht wurde.

Es folgten Konzerte, Touren, große Festivalauftritte u.a. mit Smashing Pumpkins, die ersten Auslandsaufenthalte und die ersten Orgien der Zerstörung. Ende 1997 erscheint ihr zweites Album „Small Is Beautiful“, auf dessen Cover die Babys von Björn Krüger zu sehen sind. Im darauffolgenden Jahr touren (Europa & Malaysia) sich Uncle Ho die Seele aus dem Leib, ohne zu ahnen, dass sie am Ende des Jahres ohne Geld, Management und Plattenfirma da stehen. Aber bereits Anfang 1999 bekommen sie einen Anruf von Risk Records, die ihr Album in Amerika veröffentlichen. Es folgen ein Videodreh in New York, Airplays im amerikanischen Radio, Tour an der Ostküste und ein Auftritt auf dem WHFStival in Washington mit Run DMC, Bush, Limp Bizkit u.a. Genregrößen. Der Teufel ist ein Eichhörnchen und soll heißen, Risk geht Pleite und die Jungs sehen abermals keinen Cent. Uncle Ho schauen nach vorne und nicht zurück, was mit Majorlabel-Angeboten belohnt wird. ´Show Them What You Are Made Of´ wird 2000 bei Columbia Records gesignt und der Kreis des Wahnsinns fängt von vorne an. Videodrehs, Radioplays, Interviews, ausverkaufte Konzerte, große Festivals, avanciert man zur Viva Zwei-Band mit der Erkenntnis, zu geringe Verkaufszahlen erreicht zu haben. 2002 entwickeln Uncle Ho ein Selbstzerstörungskonzept, vor dessen Hintergrund sie ihre vorläufig letzte und bis dato beste Platte „Everything Must Be Destroyed“ veröffentlichen.



Aktueller Wahnsinn:

Mittlerweile ist Thorsten Sala (Heyday, Bosse, Ray Garvey), ein Freund und Musikerkollege, der Mann an der Gitarre bzw. der dritte im Bunde.

Björn: „Wir haben uns vor 20 Jahren gefunden und sind im Kern bis heute alle zusammengeblieben. Und der Kern ist die derzeitige Besetzung, mit der wir als Uncle Ho wieder durchstarten.“

Welche Dinge bewogen Euch zum Anfang zurückzukehren?

Julian: „Wuppertal wirkt so, als würde es gerade sterben. Und dieses Endzeitempfinden ist so ein heiteres gelassenes Gefühl in der Stadt, da kann man wunderbar Musik machen.“

Björn: „Unsere Musik sagt, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen uns unmöglich ist.“

Thorsten: „Wir werden das lauteste, dreckigste und härteste Album unserer Bandgeschichte aufnehmen – eine Liebeserklärung an unsere Stadt.“

Alle: „Wir sind daran gescheitert, die Band für immer zu zerstören. Jetzt wollen wir daran scheitern, sie unsterblich zu machen!“

Was hat es mit dem Albumtitel auf sich?

Julian: „Es geht um den Wahnsinn, von dem wir in Wuppertal überall umgeben sind.“

Das Album wurde ganz im Sinne eines Steve Albinis aufgenommen. Was heißt das?

Björn: „Dass die Basics wie Schlagzeug, Bass & Gitarre live eingespielt und nachträglich nicht editiert werden. Ebenso wurde auf sog. Clicktracks - eine Spur am Mischpult, die als Metronom bei der Aufnahme dient - verzichtet.“

Thorsten: „Als Folge sind die Songs relativ roh, fast wie unbehandelt und die Klangschichten liegen dann ganz locker, aber keineswegs weich und anschmiegsam übereinander.“

Julian: „Dadurch verlieren sie kaum an Energie und klingen deshalb wüst, ungestüm und schmutzig.“



Diesmal scheinen Uncle Ho alles richtig und ihr bestes Album gemacht zu haben. Selbst ihren Zerstörungshang, der schon immer ein Ausdruck von Wahnsinn statt Frustration war, haben sie beim Videodreh für ihre aktuelle Single „I Wanna Do It Again“ für PR-Zwecke nutzen können, indem sie für 5000(!) Euro Equipment zertrümmerten. Cracknutten können sich solch eine Aktion nicht leisten, also handelt es sich bei Uncle Ho mittlerweile um Edelhuren mit des Wahnsinns fetter Beute!

Aktuelles Album: Manufacture Of Madness (Smarten Up / Rough Trade)
© 01. Mai 2013  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen
Mai 2013

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