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ASTRA KID - Rockcity Datteln

Datteln soll angeblich der größte Kanalknotenpunkt Europas sein. Wer nicht gerade aus dem Ruhrpott kommt, dürfte von diesem Städtchen allerdings noch nie gehört haben. Das könnte sich allerdings bald ändern, denn Astra Kid wollen ihren Stempel auf die deutsche Indiepoplandkarte setzen. Mit neuem Album und einem Majordeal in der Tasche stehen die Zeichen äußerst gut für die vier Jungs

In den 90ern dominierte die Hamburger Schule die deutschsprachige Gitarrenmusik. Jede neue Band wurde an den Sternen, Tocotronic oder Blumfeld gemessen, auch wenn diese Vergleiche, wie beispielsweise bei den Sportfreunden Stiller, mehr als abwegig waren. Auch Astra Kid wurden mit Hamburger Bands verglichen, als sie 2000 ihr Debüt "Planet der Affen" veröffentlichten. Zugegebenermaßen erinnerte die Wut und Frustration ihres Sängers Pele Götzer an die ersten Scheiben der Tocos, die von einem sich beklagenden, stets suchenden Ich-Erzähler geprägt waren. Auch die musikalische Rotzigkeit war eine weitere Parallele. Eigenständigkeit konnte man Astra Kid aber nicht absprechen, so nahmen sie beispielsweise den ruhigen Song "Ob Star, obskur oder unbekannt" mit einem Kinderchor auf. Die Single "Planet der Affen" schaffte es ins Programm einiger Radiosender, das gleichnamige Video lief auf Viva II und Astra Kid gingen unter anderem mit Uncle Ho und den Sportfreunden auf Tour.

Im Winter 2002 nahmen Astra Kid mit einem befreundeten Produzenten ihr neues Album "Müde, ratlos und ungekämmt" auf. Da es Probleme mit ihrem alten Label gab, finanzierten sie die Aufnahmen selbst, um sich mit dem fertigen Album bei anderen Labels bewerben zu können. Obwohl es jetzt ein Majordeal geworden ist, fühlen sich Astra Kid keinem großen Erwartungsdruck ausgesetzt: "Wir haben ein realistischen Vertrag unterschrieben und bei der Musik keinerlei Kompromisse gemacht, da die Aufnahmen bereits im Kasten waren", so Pele.

"Müde, ratlos und ungekämmt" ist musikalisch vielseitiger geworden als der Erstling. Neben einer geballten Ladung Indierock finden sich auch zwei swingende Offbeatstücke. Mehrstimmiger Gesang a la Weezer ist auch eine neue Facette des Astra Kid Souds. Die Platte ist gespickt mit eingängigen Melodien wie in "Am Kanal", das man spätestens beim dritten Hören mitsingt. Textlich geht es gelassener zu als auf "Planet der Affen". Beziehungen in jeglicher Form prägen die Texte. So heißt es in "Jogginghose": "Du ich find Dich immer gut, auch wenn Du Jogginghose trägst und dich früh schlafen legst." Pele dazu: "Das Lied schildert das Zusammensein und das Zueinander-Stehen, auch zu den Macken des Anderen." In dem akustischen gehaltenen "Du bist Rockmusik" wird die Herzensdame auf die gleiche Stufe mit den "Greatest Hits Teil 1 bis 10" gestellt. Damit wird die von Nick Hornby in High Fidelity aufgestellte Frage, ob man traurig ist, weil man Popmusik hört oder ob man Popmusik hört, weil man traurig ist, bei Astra Kid überflüssig, weil Frauen und Musik auf einer Ebene stehen. Nachgefragt bei Pele, wie sich das bei ihm mit dem Musikhören verhält: "Wenn ich traurig bin, greife ich eher zu trauriger Musik, aber auch wenn ich gut drauf bin und etwa Radiohead höre, werde ich nachdenklich." Neben Beziehungen thematisieren Astra Kid auch das Ruhrgebiet im amüsanten "Parken in Münster" ("hier tragen Fahrräder Cord") und "Am Kanal": "Wir kommen aus dieser Ecke und erzählen darüber, ohne uns groß damit zu schmücken, wie einige Berliner Bands das mit ihrer Stadt tun. Eine Rockcity Datteln wäre eine schöne Sache, aber davon sind wir noch weit entfernt."
Weitere Infos: www.astrakid.de
© 01. September 2003  WESTZEIT ||| Text: Lars Weber
September 2003

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