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LORD BISHOP‘S ROCKADELIC KINGS - Ein Mann - eine Mission

„Zuerst gab es Howlin‘ Wolf, dann Jimi Hendrix, jetzt hat die Welt Lord Bishop!“ sagte Mother Tongue-Basser Davo einst nach einer gemeinsamen Show über den schwarzen 2-Meter-Hünen, in dessen Adern Sex und purer Rock‘n‘Roll fließt. Seit knapp 15 Jahren aktiv, wusste der Mann auf über 1000 Konzerten sein Publikum durch rohe Energie und sein markantes Wesen stets zu überzeugen. Doch wer ist der Mann, der sich überaus selbstbewusst den „King Of Sexrock“ nennt? Westzeit traf den Lord irgendwo auf Tour.

Denn eigentlich ist er dauernd unterwegs, um seine Mission gebührend in die Herzen der Menschen zu tragen. Eine Mission, die in der heutigen Zeit sicherlich löblich, aber nicht gerade einfach ist. Ihm geht es darum, den Leuten zu zeigen, dass alles, was ihnen vorgesetzt wird, eben nicht alles ist, was existiert. Es gibt sehr viele Musiker auf unserem Planeten, aber eben leider auch sehr viel herz- und seelenlose Vertreter. „Kurt Cobains Tod hat es mich wie ein Schlag ins Gesicht getroffen. Er war meiner Meinung nach einer der letzten Pioniere, der noch Integrität im Musikgeschäft wahren wollte. Und das war auch der Grund für seinen Tod. Er wollte seinen Sound nicht dauernd wiederholen, nur um Geld damit zu machen. Eigentlich schrieb er Songs für die Underdogs, diese hörten ihm aber nicht wirklich zu. Und auch die Labelbosse wollten nur ein „Nevermind“ nach dem nächsten. Früher wurden Bands und ihre Karrieren noch aufgebaut, heute geht es nur um den Hit.“ Einen solchen hat Lord Bishop bisher noch nicht gehabt, aber braucht es das unbedingt, um weit zu kommen? „Wenn die Leute nach einer meiner Shows zu mir kommen und sagen, dass es der beste Gig war, den sie je erlebt haben, heisst das nicht, dass sie unbedingt Recht haben, sondern, dass ich etwas richtiges tue. Das soll keine Selbstbeweihräucherung sein. Ich spiele lediglich viele Shows und trage meine Musik in die Welt, weil die Leute mich wissen lassen, dass es Sinn macht. Wenn alle aus dem Saal rennen würden, weil ihnen das alles nicht gefällt, wäre ich schon lange ausgestiegen. Aber ich weiss, dass das, was ich tue, sinnvoll ist. Was ich sage macht Sinn, wie ich es sage ebenso und all das macht überhaupt nur Sinn, weil ich der bin, der ich bin und ich mich genau so präsentiere.“ Genau so klingt seine Interpretation von gemeinem Rock - sexy, dreckig, funky, lebendig - und eben ehrlich. Alles Fakten, die auf seinen Gigs noch viel deutlicher werden. „Ich bin nicht daran interessiert, mich zu verkaufen, ich möchte einfach nur für die Leute spielen. Ich bin kein Joe Satriani oder Eddie Van Halen und werde es auch nie sein, aber ich möchte einen Punkt in meiner Karriere erreichen, wo ich etwas verändern kann. Ich möchte, dass die Leute realisieren, dass es wunderbare Kunst da draussen gibt, die sich vom Mainstream deutlich unterscheidet. Es ist einfach wunderbar, sich diesen Dingen zu widmen, und sich nicht einfach nur füttern zu lassen. Ich würde gerne die Art, wie die Leute Musik betrachten, verändern.“ Eine große Aufgabe, die aber einiges an Schwierigkeiten birgt. Warum konsumieren so viele Leute einfach nur das, was ihnen vorgesetzt wird? „Wenn Du dir die Geschichte Amerikas oder auch Deutschlands ansiehst, bekommst du so viele Hinweise, dass die Menschen wie Schafe sind. Wenn Du ihnen etwas erzählst, wovon sie glauben, dass es Sinn macht, dann folgen sie dieser Sache. Leider ist es sehr oft so. Die Leute haben in gewissem Maße Angst vor ihrer eigenen Individualität. Du läufst die Straße herunter und siehst Leute, die die exakt gleichen Klamotten tragen, weil sie Angst haben, sich selbst auszudrücken. Ich habe diese Angst nicht. Stell dir vor, es gäbe in Deutschland einen Radiosender, der den Kids nicht den Mainstream, sondern Bands wie Nirvana, Fishbone oder Mother Tongue näher bringen würde - unsere Welt wäre eine ganz andere!“ Sicherlich, aber auch die Künstler, die wesentlich mehr Medieninteresse erfahren, haben ihre Daseinsberechtigung, oder? „Der Unterschied ist nur der, dass Britney, Christina und sogar Madonna ihr Songs nicht selbst schreiben, sondern vorgesetzt bekommen. Die Musik, die sie repräsentieren, stammt nicht aus ihren Herzen.“ Warum ist es die Aufgabe von Lord Bishop‘s Rockadelic Kings, diese Unterschiede aufzuzeigen? „Ich glaube, ich weiss, wovon ich spreche. Ich folge keinen Trends und konsumiere nicht das, was alle anderen tun. Das heisst nicht, dass ich keinen Burger bei McDonalds esse, aber es ist eben nicht alles, was ich esse. Ich würde einen Kopfschuss in Kauf nehmen, wenn dadurch das Verständnis von Musik verbessert würde. Ich spreche von wirklich schwierigen Sachen. Wenn ich dem Präsidenten eines Major-Labels gegenüber sitzen würde, hätte ich kein Problem damit, ihm zu sagen, dass das, was er tut, einfach nur Scheisse ist. Liebt er Musik oder liebt er Geld? Geld treibt unsere Welt voran, aber Musik ist auch eine Kunstform, das sollte man nicht vergessen. Die Leute bekommen so viele gute Sachen gar nicht zu hören, es wäre viel besser, wenn die Leute selbst entscheiden könnten, was sie hören wollen, nicht die Plattenfirmen. Sieh Dir Nena an. Warum zum Geier muss sie nach 20 Jahren den exakt gleichen Song erneut rausbringen? Sie hat Kontakte und Geld genug, einen neuen Hit zu produzieren! Aber nein, es ist halt viel einfacher, etwas altes wieder aufzuwärmen, anstatt etwas neues zu machen. Deutschland wird fast schon ein zweites Amerika. Sie verkaufen das, was einfach zu vermarkten ist. Warum sonst ist die Blondine mit den aufgepumpten Brüsten immer noch aktuell? Leider aber sind die Leute auch faul, etwas neues zu entdecken, weil es weniger Kraft kostet, etwas Bestehendes zu konsumieren. Sie gehen zum Italiener um die Ecke und essen jedes Mal die gleiche Pizza, weil sie die Sicherheit haben wollen, dass es immer gleich gut schmeckt.“ Welche Sicherheiten bietet eine Show von ihm und seinen Rockadelic Kings? „Die Leute merken mir an, dass ich die Musik spiele, die ich liebe. An meiner Show ist nichts aufgesetzt, alles kommt geradewegs aus meinem Herzen. Ich sage nichts, weil es vielleicht cool ist, sondern weil ich es ehrlich meine. Ich möchte niemanden bekehren, ich möchte den Leuten nur die Augen öffnen, dass da noch so viel mehr ist. Ich denke, dass sie das Verlangen nach etwas Neuem haben, sich aber nicht wirklich trauen, dazu zu stehen.“ So buchte der Lord in diesem Jahr erneut eine monströse, dreimonatige Tour quer durch Europa, um möglichst vielen Schäfchen nahe sein zu können. Und es wird mit Sicherheit nicht die letzte sein...

Aktuelles Album: Sweat‘n‘Blood (Noiseworks/Soulfood)
Weitere Infos: www.lordbishop.org
© 03. September 2003  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Fernando Natalici
September 2003

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