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ASTRA KID - Vom Ankommen und Weitergehen

„Müde, ratlos, ungekämmt“ präsentierten sich Astra Kid noch vor 18 Monaten. Viel ausgeschlafener wirken Christian Götzer (Gitarre) und sein jüngerer Bruder Stefan „Pele“ (Gitarre und Gesang) auch an diesem Morgen um 10 Uhr nicht - arg früh für Rockmusiker. Stefan: "Ich habe schlecht geschlafen, es geht mir nicht gut, aber eigentlich sollte gestern ja heute egal sein." Ist es bei Bands aber nicht wirklich, obwohl es bei dieser Platte kaum Altlasten gab, mit einer Ausnahme.

C: "Wir hatte eigentlich die Stücke für das Album eigentlich schon geschrieben, dann aber alles verworfen und in einem halben Jahr komplett neu geschrieben. Es gibt lediglich einen Song, „Weitergehen“, der schon vier Jahre alt ist. Den haben wir dann extra mit sieben Sekunden Abstand ans Ende des Albums gestellt, weil der eine etwas andere Struktur hat als der Rest."

Doch der Reihe nach. Der erste Song auf "Stereo" heißt "Ankommen", wie schwer ist es anzukommen?

S: "Wir sind ja noch nicht angekommen. Auf jeden Fall sollte man es versuchen."

C: "Das hängt davon ab, wo man ankommen möchte. Unser Ziel ist, dass es voran geht, dass mehr Leute zu den Konzerten kommen. Letztes Jahr hat das schon dank der vielen Shows, die wir gespielt haben, ganz gut geklappt."

Entsprechend viel Wert wird auf die Liveatmosphäre der Songs auf der Platte gelegt.

C: "Das war uns schon wichtig, dass der Sound live klingt, auch wenn die Songs auf "Stereo" aufwendiger produziert sind als wir sie live spielen."

S: "Wir haben die Sachen so umgeschrieben, dass sie auch live funktionieren, ohne Keyboard, mit zwei Gitarren, Bass und Drums."

Aber auch bei den Texten lohnt es sich mal genauer hinzuhören. Da ist einiges zu entdecken. Es gibt zum Beispiel in "Immer Heute" Kritik an der gern gesehenen Oberflächlichkeit und das Problem der Selbstfindung.

S: "Es geht um diese "lustigen" Partys, wo jeder zweite gleich aussieht. Nachher geht man nach Hause und weiß nicht, wen man kennen gelernt hat. Oft definieren sich die Leute auch nicht über sich selbst, sondern darüber, wie man aussieht."

Einige Texte habe auch biographischere Anlässe, wie zum Beispiel "Außer Kontrolle", in dem von einer Schreibblockade die Rede ist.

S: "Ich habe bei dem Song mal umgekehrt gearbeitet. Im Gegensatz zu sonst, hatte ich hier zuerst die Musik und dann lange den passenden Text dazu gesucht. Das hat mehrere Wochen gedauert."

Während der Demophase gab es von den anderen Bandmitgliedern noch mal einen Spruch, als es dann aber während der Albumaufnahmen wirklich wichtig wurde, zeigte man sich kooperativer. Stefan würde sogar das Verhältnis innerhalb der Band als sehr eng bezeichnen.

S: "Ich finde, dass ist wie in einer Beziehung, schließlich sind das die Menschen, mit denen ich in den letzten 18 Monaten die meiste Zeit verbracht habe."

Bei den Aufnahmen arbeiten sie zumeist sehr demokratisch, allerdings wissen Beide um die Probleme, die damit zusammenhängen.

C: "Das ist schwierig, besonders wenn man zu viert ist, da droht oft eine Patt-Situation.

S: "Das geht nur, wenn alle wirklich Bock darauf haben, was wir machen. Wenn das bei jemandem nicht der Fall sein sollte, wäre es ein Grund für mich, ihn aus der Band zu schmeißen."

Auseinandersetzungen sind nötig, bringen eine Band weiter. Aber man sollte nicht den Eindruck bekommen, Astra Kid würden ständig streiten. Bei der Überlegung, mal Frauenstimmen zu Integrieren (auf "Unsinkbar" und "Neulich" sind die beiden Schwestern von Christian und Stefan zu hören), war Christian von den fehlenden Diskussionen sogar überrascht.

S: "Wir hatten das eigentlich auf dem letzten Album vor, da hat es aber aus logistischen Gründen nicht geklappt."

C: "Ich hätte damit glaube ich kein Problem gehabt, aber ich hätte nicht gedacht, dass das so problemlos geht, dass also keiner sagt: nee, ich will das nicht, dass da jetzt noch wer anderes mitsingt und das hatten wir bei der platte so gar nicht, das war früher schon öfter mal der Fall."

Bleibt noch nach einer Randnotiz zu fragen, schließlich soll es freiwillige Promotionarbeit für Astra Kid von Wir Sind Helden-Fans geben.

S: "Als wir auf Tour mit Wir Sind Helden waren, habe ich mal so aus Spaß um Unterstützung gebeten, dass haben einige dann sehr ernst genommen."

C: "Die machen viel Promoarbeit nebenbei, von der wir nicht viel mitbekommen wie Flyer verteilen - und das alles auf eigene Faust."

Zugegeben, ob diese Fragen auch so gekommen wären, wenn Astra Kid eine englisch-singende Band wäre, ist nicht sicher, ein Problem deutschsprachiger Bands?

C: "Natürlich nervt das wenn man teilweise auf die Texte reduziert wird. Ich muss aber zugeben, dass ich das auch sehr gerne mache."

Wenn man "Stereo" allerdings nur auf Wort oder Musik pur reduzieren würde, wäre das schade. Texte, die jeder schon mal erlebt hat, gepaart mit guter Rockmusik, manchmal auch mit schönen Balladen, da wünscht man sich nicht die Zeiten in Mono zurück.



Aktuelles Album: Stereo (V2 Records/Rough Trade)
Weitere Infos: www.astrakid.de
© 02. Mai 2005  WESTZEIT ||| Text: Tobias Grimm
Mai 2005

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