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BEN HUMAN - Mensch bleiben

Da überraschte uns Ex-Corduroy-Mainman Ben Addison auf seinem Solo-Debüt „Go Human, Not Ape“ noch völlig gesichtslos (zumindest optisch) und doch gehaltvoll mit funky beats und tanzbaren Hymnen, und jetzt, bei der Veröffentlichung von Album Nummer zwei, ist schon wieder alles anders?! Ben zeigt Gesicht und verzichtet auf Gesang, auf Stimme, büsst aber kaum an Griffigkeit ein. Er bleibt der Mann für die Tanzfläche, nur bleibt er diesmal lieber stumm.
„Irgendwie macht heutzutage jeder, den ich kenne, Alben mit Gesang und das oft mit vielen Gästen, also wollte ich genau das Gegenteil machen“, berichtet Ben. „Auch ich habe Kollaborateure auf diesem Album, aber sie machen es nicht aus. Ausserdem langweilt mich all das beschissene Songwriting auf dieser Welt - Texte, die man schon zu oft gehört hat, gesungen von jungen Wettbewerbsgewinnern, die nicht eine Silbe davon verstehen. Falls und wenn ich wieder Lyrics schreibe, habe ich hoffentlich etwas interessantes zu sagen.“ Dennoch gibt Ben seinen Songs eine Richtung vor, indem er sie betitelt. „Das ist mir sehr wichtig. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich damals zur Schule an all diesen Werbepostern für Platten vorbei ging und direkt erkannte, welche sich interessant und sich einfach nach Müll anhörten. So ist es auch bei Filmen und Fernsehen - ein guter Titel weckt meine Aufmerksamkeit sofort. Die Titel, die ich wähle, entspringen meiner sehr lebhaften Vorstellung und sind von allem inspiriert, was ich sehe und höre.“ So macht der Wahl-Düsseldorfer auch keinen Hehl daraus, das dieses Album durchaus als biografisch zu sehen ist. „Ich bin ganz offensichtlich der „Out Of Towner“, komme ich doch aus London. Und dann sind da Songs wie „Take me To Las Vegas“, wo ich geheiratet habe, „Angry Computer“, über den Ärger, den ich über ein Jahr lang mit meinem G4 hatte und „Daddy‘s Back“, wo ich mein Vaterwerden reflektiere. Der Rest symbolisiert mehr oder weniger mein Interesse an Film und Fernsehen.“ War das Songwriting dahingehend ausgerichtet? „Als ich mit meinem Bruder Scott Corduroy gegründet hatte, änderte sich für mich die Art, Songs zu schreiben. Zuvor hatten wir ganz einfache Songs mit Texten geschrieben, uns aber dann auf Instrumentals mit Songstrukturen konzentriert. Die Band fand ab und zu zurück zu Texten, aber eigentlich war das Material Grooveorientiert und basierte auf der Musik. Mein Songwriting für Ben Human stammt aus dieser Einstellung, zielt aber noch mehr auf den Dancefloor.“ Für ein bewusst tanzbares Album ist das Tempo größtenteils recht moderat. Gibt es doch mehrere Anwendungsgebiete? „Ich ändere das Tempo für einzelne Songs andauernd, weil ich schnell gelangweilt bin. Für diese Platte hatte ich mehr als genug Tracks und habe einfach die besten rausgepickt, also entstand das allgemeine Tempo des Albums eher zufällig. Ich kenne Leute, die legen meine Songs in Clubs auf und andere, die sie gerne zu Hause anhören... meine Musik ist nicht nur für einen bestimmten Zweck gemacht.“ Große Hilfe bei der Produktion kam von Michael Scheibenreiter (Phoneheads) - aber wie groß war sein Einfluss wirklich? „Ich habe schon vorher mit Michael für diverse Remixe zusammengearbeitet. Er hat ein großartiges und gut ausgerüstetes Studio, also wusste ich, dass das Resultat mit seiner Hilfe besser klingen würde.“ Und da zeigt sich eben die menschliche Seite des Ben Human - glücklicherweise. „Das Beste an Ben Human ist das Potential, fantastische Musik zu machen. Leider - und das ist das schlechte daran - passiert das nicht schnell genug.“

Aktuelles Album: The Out Of Towner (Unique/Groove Attack)
© 01. Mai 2005  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Mai 2005

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