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EELS - Lachend geboren

Als E. das letzte Mal auf Promo-Tour war, hatte er gerade das Album, "Shotenanny" fertig und erklärte, daß er gerne schnell und schmutzig arbeite, ohne sich großartig über den Prozeß Gedanken machen zu müssen. Damals verriet er aber nicht, daß er zeitgleich an seinem neuen, monumentalen Doppel-Album "Blinking Lights And Other Revelations" bastelte, das mit seinen vertrackten Arrangements (die teilweise mit Streichern und Bläsern angereichert sind) nun ganz und gar nicht mehr so klingt, als sei es schnell und schmutzig eingespielt worden.
"Ja, ich arbeitete schon an ‘Blinking Lights’, als ich eine Pause machte, um ‘Shotenanny’ einzuspielen", gesteht E., "ich machte das damals aus dem Grund, daß ich bei ‘Blinking Lights’ an einem Punkt angekommen war, an dem es wirklich mühsam und schwierig wurde. Ich arbeitete zum Beispiel mit einem Orchestrator und ich bin dabei fast ausgeflippt. Dabei war ich nämlich an meine Grenzen gekommen und realisierte, daß mir das gar nicht gefiel. Und dabei liebe ich es doch so, Scheiben aufzunehmen. Ich hatte diesen Drang, einfach eine elektrische Gitarre umzuschnallen und mit einer Rockband zu spielen. Und im Rückblick war es genau das richtige, eine Rock-Scheibe aufzunehmen und ca. 80 Shows zu spielen. Danach hatte ich nämlich meinen Kopf wieder frei. Ich hatte neue Ideen und war wieder begierig darauf, weiter an ‘Blinking Lights’ zu arbeiten." Und diese Sammlung von insgesamt 33 neuen Songs hat es in sich. Stilistisch ungebunden und fast ganz ohne Rock-Gitarren – dafür aber mit jeder Menge Keyboards, Streichern, Bläsern und Gastmusikern, zu denen u.a. Tom Waits, Peter Buck und John Sebastian gehören - läßt E. vollkommen ungezwungen die Sau raus. Aber nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich langt E. hin. Auf den ersten Blick scheint es eine Sammlung ziemlich persönlicher Songs zu sein, in der Info heißt es aber, E. habe gesagt, die Scheibe handele von Gott und allen Fragen die Gott betreffen. "Das stimmt", pflichtet E. bei, "das neue Album handelt vom Leben und den Bedingungen, unter denen wir leben. Man muß irgendwie zur Quelle all dessen vorstoßen. Und für viele Leute ist diese Quelle nun mal Gott. Ich glaube zwar nicht per se an Gott – in der Art, wie viele andere Leute das tun, - aber ich möchte Fragen beantworten und ich bin auch immer neugierig. Gott ist ein faszinierendes Thema." Gibt es denn eine Art Abschluß, ein Resümee eine Folgerung, die E. aus dem Album zieht? "Was meinst Du mit Abschluß? Es gibt letztlich keine Antworten - aber ich muß versuchen, eine Art Wahrheit in jedem Song zu finden. Und näher kann ich Antworten auch nicht kommen. Das wäre mein Resümee." Und woher kamen dann die Eingebungen zu den neuen Songs – einmal abgesehen von denjenigen, die einfach auf eigenen Beobachtungen beruhen, wie z.B. "Railroad Man"? "Es ist so wie im Traum", überlegt E., "weißt Du: Alle Leute, die in Deinen Träumen auftauchen, enthalten ja immer auch Aspekte von Dir, weil alles, was Du träumst ja aus Deinem Geist kommt. Auf eine gewisse Art, sind einige der Songs also Stücke, in denen ich zu mir selber singe." In einem der ersten Tracks, "In A Magic World", sagt E., daß das Schreien, das er als Babies ausgestoßen habe, in Wahrheit ein Lachen gewesen sei. Was bedeutet, daß E. bereits als Baby mißverstanden wurde. Oder? "Das kann schon sein", lacht er, "ich weiß auch nicht woher dieser Gedanke kommt, denn mir hat niemand erzählt, daß ich lachend geboren worden bin, aber es ist eine schöne Idee, oder nicht?"
© 01. Mai 2005  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2005

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