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BANANAFISHBONES - Ein realistisches Gruselkabinett

Abwechslung ist wohl das passendste Stichwort, wenn man über das neue Werk der Bananafishbones spricht. „A town called seven“ ist ein Album geworden, das so bunt wie ein Gabentisch zu Weihnachten ist. Dass das Trio nicht nur musikalisch, sondern auch textlich für teilweise finstere Überraschungen sorgt, bestätigte uns Sänger und Bassist Sebastian beim Interview in Köln. Gerade aufgrund starker Kontraste zwischen den einzelnen Stücken ist die Platte für die Bad Tölzer zu ihrer vollen Zufriedenheit ausgefallen.

„Sie ist härter und kantiger geworden und jedes Lied ist einfach anders.“ Man wird ebenso mit Rock und Country konfrontiert wie mit funky Grooves oder einem Stück im Marilyn Manson-Stil. Woher kommt dieser wilde Mix? „Es gibt einen gemeinsamen Pool an Bands, die wir mögen, wie zum Beispiel die Eels und Ween. Ansonsten hören wir privat total unterschiedliche Musik. Ich persönlich stehe mehr auf die härteren Sachen wie Fantômas, mag aber auch Johnny Cash. Ich möchte mich nicht festlegen, genau wie bei der Musik, die wir selber machen.“ Der Stil der Bananafishbones ist dadurch nur schwer einzuordnen. „Wenn ich selber unsere Musik charakterisieren sollte, würde ich sie als herzbewegend beschreiben. Das ist zumindest das Ziel, dass die Verbindung von Melodie und Text den Zuhörer bewegt.“
Die außergewöhnlichen Texte, meist mystische, unheimliche und märchenhafte Stories, sind auf die düstere Vergangenheit des sympathischen Sängers zurückzuführen. „Die Platte ist für mich wie ein Gruselkabinett. Die Textideen stammen schon aus grauer Vorzeit. Mit sechzehn war ich ein richtiger Gruftie. Wir hatten einen Deutschlehrer, der uns anstatt Goethe & Co. mehr die finsteren Gesellen der Poesie vorgestellt hat. Ich bin begeistert darauf eingestiegen und habe dann Gedichte über Wasserleichen und Morde geschrieben und das hat sich dann später auch in meinen englischen Texten niedergeschlagen.“ Hinzu kommt noch seine Leidenschaft für Kriminalromane. „Die schwedischen Autoren liegen mir besonders. Außerdem bin ich auch von David Lynch und seiner Sicht der Dinge sehr beeinflusst.“ Sebastians Geschichten sollen keine Message im Sinne von einem Fingerzeig sein. „Ich versetze mich in meinen Texten gern in die Rolle von Tätern. Somit überlasse ich es den Leuten, ob sie es als eine Kritik an solchen Taten verstehen oder denken, ich hätte wirklich Spaß daran.“ So zum Beispiel beim Song „Diggin´“, in dem es um Kindsmord geht. Sebastian, selber Vater eines zweijährigen Jungen, kann sich nicht erklären, wie ein Mensch so etwas tun kann. Für ihn liefert der Lynch-Klassiker „Twin Peaks“ die Erklärung. „Dort besetzt ein Dämon den Körper des Täters. Anders kann ich mir auch einen Kindsmord nicht erklären.“ Warum beschäftigen den Sänger solche unangenehmen Themen? „Daran reibt sich eben der menschliche Geist und kann aus den Fugen geraten. Es ist keine Schwarzmalerei, sondern eher eine Erhellung, ehrlich zu thematisieren, dass solche Dinge in der Realität stattfinden.“ Der Albumtitel „A Town Called Seven“ spielt genau darauf an. „Ich bin ein Freund von Zahlenmystik und daher habe ich die Sieben benutzt, weil sie eine besondere Zahl ist. Der Titel soll ausdrücken, dass keine Stadt zeigen will, was unter dem Deckmantel läuft. Das sind Drogen, Morde und Vergewaltigungen. Jede Stadt hat ihre Sieben, ihre dunkle Kehrseite.Vielleicht wird gerade jetzt hier in dieser Stadt jemand umgebracht.“ Ob es Zufall war, dass in dem Moment ein Krankenwagen am Tourbus vorbeifuhr?
© 07. Mai 2002  WESTZEIT ||| Text: Verena Roelvink
Mai 2002

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