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LARS VEGAS US - Jenseits der Moderne

In Zeiten, wo Musik als profitables Produkt von geldgeilen Managern am Fließband hergestellt wird, wo die goldenen 80er Jahre mit ihren herausragenden Melodien hemmungslos im Dancefloor-Gewand wiedergekäut werden und Ruhm und Ehre durch tumbe Castings in Warenhäusern erreicht wird, schlägt der Sound der amerikanischen Formation Lars Vegas US eine große Kerbe in die Musikwelt. Und die Frage ist doch eigentlich und letzendlich immer die gleiche: Was will uns der Autor damit sagen?

Reichen wir einfach die Frage weiter an die Herren Hershman, Platz, Stenquist, Forkey, Getchell, Buckley und Wallen, die bereits seit 1989 Free Jazz, Spoken Word und rockige sowie unzählige andere Elemente zu ihrem originären Sound verbinden. "Unser Ziel ist es, musikalische Absurditäten zu verfolgen und unsere abgefuckte Sichtweise der Dinge zu präsentieren. Ehrlich gesagt, wir kümmern uns nicht um die MTV-Musikwelt und den ganzen Rockzirkus. Wir haben höhere Standards. Wir sehen uns mehr in der Jazz- und Improvisationsszene, unsere Einflüsse ziehen wir größtenteils aus den großen Jazz-Experimentalisten der Vergangenheit und Gegenwart." Und so ziehen die Kameraden in ihrer ureigensten Art einen Lounge-Sound vom Leder, der viele aufgrund der Namensgebung an den glitzernden Wüstenmoloch erinnern mag. Scheint, als wäre die Slotmachine die Wurzel allen Übels. "Musik selbst ist doch heutzutage ein einziges Glücksspiel. Wir sind kein Haufen Ratten, wir waren nie in Las Vegas, haben aber die Lächerlichkeit, die dahinter steckt, erkannt." So bezieht sich auch der Albumtitel auf den Alltag einer gebeutelten Nation. "Meatland bezieht sich auf das derzeitige Leben in den vereinigten Staaten. Der textliche Inhalt unserer Musik reflektiert unsere Perspektiven der Begebenheiten unseres täglichen Lebens." Auf den ersten Blick erscheinen die lyrischen Ergüsse jedoch nicht so tiefgründig. Scheint, als hätte ich nicht wirklich begriffen... "Naja, unsere Messages sind vielleicht ein wenig komplex. Manche Songs sind halt so, wie sie erscheinen, andere bringen Lebensbeobachtungen und persönliche Erfahrungen rüber." So bettet sich das ordinäre Unterfangen, die unglaublichen Facetten des täglichen Lebens festzuhalten, in ein Klanggewand, das im modernen Zirkus eher eine Randgruppe erreichen dürfte. "Wir fühlen, dass unser Sound jenseits der Moderne ist. Die Leute, denen das gefällt und die es verstehen sind in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes, die Auserwählten, schön und brilliant, genau wie wir. Ach ja, und habe ich schon sexy und wohlhabend genannt?" Da trennt sich also die Spreu vom Weizen, elitäres Bewusstsein scheint also lediglich eine Verständnisfrage zu sein. Da passt auch das edle Artwork gleich viel besser ins Bild. "Das Cover-Artwork spiegelt die absurde Atmosphäre unserer Band wieder: schön, aber ein wenig sonderbar. Die Bilder sind im Museum König in Bonn entstanden, das gerade renoviert wird, genau wie unsere Musik." In unvergleichlicher Weise schafft es diese Band, von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln und den drohenden Tod des Business für einen Moment vergessen zu machen. Dafür gebührt ein herzliches Dankeschön, aber auch die Hoffnung auf eine baldige Wiederkehr auf unsere Bühnen, die für den späten Herbst dieses Jahres geplant ist. Stillen wir die Nervosität bis dahin mit einem Gedanken über das Leben im Fleischland...



Aktuelles Album: Meatland (Skycap/Zomba)
© 07. Mai 2002  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Mai 2002

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