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SONDASCHULE - Kiffen im Klassenzimmer

Schon so manches mal wurde die Mülheimer Combo aufgrund ihres Bandnamens unterschätzt. Sondaschule ist eben kein Name, der ein hohes Niveau erwarten lässt und bei dem viele zunächst an stumpfen Deutschpunk denken. Doch weder das eine noch das andere steht auf dem Stundenplan der Sondaschüler, das Hauptfach heißt gute Laune. Beim Telefonat mit Bassist Marc wurde schnell klar, dass sich die Ska-Pop-Punks selber nicht so ernst nehmen und man immer mit einer großen Portion Spaß rechnen darf.

„Den Namen haben wir bewusst gewählt, hauptsächlich wegen der Stil-Debatte über Old School und New School, die uns ziemlich auf die Nerven ging. Da haben wir einfach unsere eigene Schublade aufgemacht: Sondaschule. Wir wollen nicht, dass sich jemand aufgrund des Namens diskriminiert fühlt und haben deswegen das „a“ eingebaut.“ Als die Gruppe vor einem Jahr gegründet wurde, waren den acht Jungs vor allem die deutschen Texte wichtig. „Wir sind der Meinung, wenn man was zu sagen hat, dann sollte man auch in der Sprache singen, in der man spricht. Es gibt viel zu viele Bands, die sich hinter ihrem Englisch verstecken.“ Was kann man denn in der Sondaschule lernen? Lachend verkündet Marc: „Natürlich etwas über die wichtigen Dinge im Leben wie kiffen und ficken. Die Texte auf unserer Debut-EP „Lieber Einen Paffen“ sind alle humorvoll, denn zum einen wollen wir selber Spaß haben, zum andern möchten wir unser Publikum unterhalten.“ Warum schreiben sie für ihre Schüler nicht mal ein paar tiefgründigere Texte? „Weil wir ja auch selber irgendwie alle Sonderschüler sind und weil wir uns in erster Linie als Entertainer sehen, als großartiges Party-Tanzorchester. Auf unserem ersten Album „Klasse 1a“, das im Juli erscheint, wird auch der ein oder andere Song drauf sein, der etwas sozialkritisch ist, aber trotzdem noch auf eine humorige Art und Weise vermittelt wird. Die Hauptsache ist immer, dass wir über uns und andere lachen können.“ Der Gute-Laune-Faktor, der schon auf der EP durch eingängige Bläser-Melodien und Ska-Rhythmen erzeugt wurde, spielt auch auf dem kommenden Longplayer eine tragende Rolle. „Im Grunde sind wir alle aus der Punkecke, bedienen uns aber von allen Stilen, die uns gefallen. Sixtiesbeat, Schlager, Hardcore, Reggae... wir machen im Prinzip das, was wir wollen.“ Früher haben die Jungs, die alle schon in anderen Bands gespielt haben, jedoch ausschließlich Punk gemacht. „Wir sind erst auf den Trichter gekommen, mal einen Off-Beat zu spielen, als wir zum ersten mal die Mighty Mighty Bosstones gehört haben, von denen wir musikalisch immer noch am stärksten beeinflusst werden.“ Was bedeutet Punk denn heute noch für die Sondaschüler? „Optisch sind die wilden Jahre vorbei. Viele von uns sind zwischen 28 und 30, da rennt man nicht mehr mit einem Iro auf dem Kopf rum. Aber Punk ist ja auch mehr eine Einstellungssache. Für mich bedeutet es, gegen das System zu sein. Ich meine damit nicht, dass man auf die Straße geht und Politiker mit Flaschen beschmeißt, sondern, dass man nicht so funktioniert, wie der Staat es gerne hätte.“ Gelegenheiten, sich unterrichten zu lassen, wird es in diesem Jahr genug geben, denn eine komplette Tour der fahrenden Sondaschule ist bereits in Planung. Euren ganz persönlichen Stundenplan könnt Ihr unter www.sondaschule.de zusammenstellen.
Weitere Infos: www.sondaschule.de
© 07. Mai 2002  WESTZEIT ||| Text: Verena Roelvink
Mai 2002

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