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SONDASCHULE - Der ganz normale Wahnsinn

Wer kennt das nicht: Gelangweilt hängt man vorm Fernseher und muss furchterregend teure Videoclips mit massenhaft heisser Karren und nackten Möpsen auf sich einprasseln lassen, obwohl man es doch selbst viel besser machen würde. Doch der gemeine Couch-Potatoe-Aktionismus erstickt meist im Keim. Nicht so bei Sondaschule und Frontmann Costa Cannabis, der seine Mitstreiter allzu gerne vor die Kamera holt und ihnen das letzte Fünkchen Inkompetenz und Ehrlichkeit abverlangt. Der Weg ist eben manchmal auch das Ziel.

Alles fing für Costa, der im bürgerlichen Leben auch auf den Namen Tim hört, und seine Jungs eher aus reinem Unfug an. „Mit nem Kumpel habe ich mal ein Video gedreht, wo wir uns einfach Lackiereroveralls und Gasmasken angezogen haben, durch die Stadt gerannt sind und lediglich die Reaktionen der Leute eingefangen haben.“ Dies wurde dann nachträglich mit Musik unterlegt und fertig was der erste Clip. „Irgendwann haben wir das aus Langeweile dann mal für die Band gemacht und das war so spaßig, dass es im Endeffekt 13 Videos wurden.“ Der DIY-Gedanke und haushaltsübliche Mittel stehen dabei im Vordergrund: zwei Kameras, ein Discounter-Multimedia-Rechner und das Werkzeug für das äußerst unterhaltsame neue Werk der Sondaschule, das auf den passenden Namen „Dephaudeh“ hört, ist komplett. Und wie schnell aus Spaß Ernst werden kann, ist auch nicht neu, denn bald schon wurde daraufhin der Entschluss gefasst, daraus eine DVD zu machen. „Ursprünglich sollte es tatsächlich nur ein Live-Mitschnitt sein, weil uns viele Leute immer sagen, dass man unsere Qualitäten auf Platte nicht ganz mitbekommt. Dann folgte kurz darauf der erste Videoclip und schon war das Vorhaben DVD geboren und der Rest des tatsächlichen Inhalts folgte.“ Und all das entstand dann innerhalb nur eines Jahres. Zwei der Videos sind mit Live-Bildern unterlegt und waren als „Entscheidungshilfe pro DVD“ unerlässlich, wie sich schnell herausstellte. „Die waren als Download auf unserer Homepage verfügbar und haben uns ganz schnell den Traffic gesprengt, also mussten wir die wieder runternehmen, weil wir sonst tierisch draufgezahlt hätten. Die Reaktionen waren einfach großartig.“ Da ist das Medium DVD natürlich geduldiger. Wei auwendig ist denn der gemeine Sondaschule-Videoclip? „Das kommt drauf an... Manche sind in einem Tag abgedreht und das Schneiden dauert endlos lange, bei anderen müssen noch Szenen nachgedreht werden oder alles ist komplett in zwei Tagen fertig. Bei uns Sondaschülern kommt es natürlich auch vor, dass einer mal nicht so gut mitarbeitet, und wenn der dann die Hauptrolle spielt und immer wieder absagt, kann das ganze auch mal drei Monate dauern, ehe alle Szenen im Kasten waren.“ Gute Vorbereitung ist dabei laut Hobbyfilmkönig Tim alles. „Anfangs gab es keine Drehbücher, aber je mehr man in die Materie eindringt, schreibt man die Abläufe auch mal auf und dreht alles nacheinander ab.“ So wurden dann auch einige, wie der Dreh zu „Pommesbude“ etwa, ein wenig aufwendiger, als es nach Holland an die See ging. „Und natürlich ging es statt um 10h erst mittags los, weil wieder welche verpennt hatten usw. Dann passte die Location nicht wirklich und wir waren fast verzweifelt, es regnete unaufhörlich, aber als wir dann abends am perfekten Strand ankamen und die Kamera anging, riss die Wolkendecke auf und wir hatten den schönsten Sonnenuntergang der Welt auf Video.“ Und so etwas nennt man wohl das Glück des Tüchtigen. Und wer keine Angst vor ein paar ganz normalen Durchgeknallten hat, sollte hier auf jeden Fall einen Blick riskieren.

Aktuelle DVD: Dephaudeh (Knock Out/Cargo)
Weitere Infos: www.sondaschule.de
© 01. Juni 2005  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Juni 2005

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