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TEENAGE FANCLUB - Sounds aus dem Schuhkarton

„Unsere derzeitige Situation ist sehr gut mit des Jahres 1989 vergleichbar“, sinniert Sänger und Gitarrist Norman Blake im Gespräch mit der WESTZEIT. „Wir haben nie langfristige Pläne geschmiedet, und diese Herangehensweise haben wir uns bis heute erhalten. Außerdem sind wir immer noch genauso enthusiastisch beim Musikmachen wie damals. Wenn wir es nicht wären, gäbe es die Band vermutlich nicht mehr.“ Der Vergleich mit den Anfangstagen macht Sinn: Fast 15 Jahre lang veröffentlichten Norman Blake, Raymond McGinley, Gerard Love und ihre ständig wechselnden Schlagzeuger ihre Platten auf Creation Records. Nun haben sie nicht nur den Drummer der Urbesetzung, Francis Macdonald, wieder in die Band geholt, sondern auch ihr eigenes Label gegründet.

„Wir haben jetzt die völlige Kontrolle über alle Aspekte der Band“, erklärt Norman. „Wir haben nicht nur das Label, sondern kümmern uns auch selbst um unsere Tourneen und arbeiten sehr eng mit den Designern unseres Artwork zusammen. Um alle Dinge, die Teenage Fanclub betreffen, kümmert sich ein Bandmitglied persönlich – ganz so wie zu Beginn unserer Karriere also.“ Trotzdem: Fünf Jahre nach dem letzten Studioalbum „Howdy!“ und fast zwei Jahre nach der weltweit zu Recht mit heller Begeisterung aufgenommenen Best-Of-Platte „4766 Seconds - A Shortcut To Teenage Fanclub“ war es auch musikalisch für die Schotten an der Zeit, einiges zu verändern.
Natürlich haben sie ihrem wunderbar melodischen Retro-Pop-Sound mit den herzergreifenden Melodien auf ihrem neuen Album „Man-Made“ nicht völlig den Rücken gekehrt. Dennoch klingt das neue Werk hörbar anders – weil Tortoise-Vordenker John McEntire der Produzent war. „Zuerst hatten wird geplant, John nach Glasgow einzufliegen. Doch dann stellten wir fest, dass wir wegen des guten Wechselkurses die Platte für fast das gleiche Geld auch in Chicago würden aufnehmen können“, weiß Norman. „Das fanden wir reizvoll, weil wir das Album so in einer völlig neuen Umgebung machen konnten. Außer ein paar Gitarren haben wir auch gar kein Equipment mitgenommen und einfach das benutzt, was wir dort vorfanden.“
McEntires großartiges Gespür für Details macht sich nun auch auf „Man-Made“ bemerkbar. So ist das Album eine sehr konzise Platte geworden, an der vor allem der bisweilen dichte Sound auffällt. Manchmal klingt es fast so, als höre man Teenage Fanclub in einem (High-Fidelity-) Schuhkarton. „Ich bin sehr glücklich, dass dir das aufgefallen ist. Wir haben wirklich versucht, uns auf das Nötigste zu beschränken. Wir nennen das in Anlehnung an das bekannte ‚Overdubbing’ scherzhaft ‚Underdubbing’. Bei einigen der neuen Songs haben wir zunächst eine Menge Overdubs aufgenommen. Als es dann zum Mixing kam, haben wir alles wieder weggenommen und uns nur auf das beschränkt, was wirklich vonnöten war. Über solche Dinge machen wir uns jetzt viel mehr Gedanken als früher. Wir werden immer echte Songs schreiben, bei denen die Melodien und die Texte im Vordergrund stehen. Aber wenn wir die Arrangements verändern, ist das eine gute Chance, unseren Sound weiter zu entwickeln.“ Eine Vorgabe, die „Man-Made“ wahrlich mit Bravour erfüllt!
Weitere Infos: www.teenagefanclub.co.uk
© 01. Juni 2005  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld
Juni 2005

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