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THE HAVENOTS - Station To Station

Wer sein Projekt "The Havenots" – die Habenichtse - nennt, der weiß wohl schon, warum er das tut. Liam Dullaghan und Sophia Marshall aus Leicester in England machen sich diesbezüglich jedenfalls nicht mehr viel vor. Das muntere Pärchen hat sich damit arrangiert, daß es auch schon mal auf Bahnsteigen übernachten muß, um den Traum von der musikalischen Selbstverwirklichung auch wirklich leben zu können.

"Dennoch macht uns das Reisen an der Ganzen Sache eigentlich am meisten Spaß", freut sich ein sichtlich gutgelaunter Liam, "wenn wir in England touren, dann tun wir das zu zweit und mit dem Zug. Auch wenn man da mal auf einem Bahnhof übernachten muß, weil der letzte Zug schon weg ist. Wir haben nämlich nicht immer genug Geld für ein Hotel, weißt Du..." Die Havenots wurden seit ihrer Gründung vor 5 Jahren immer gerne in die Brit-Country-Ecke gesteckt. Nun kann man das neue Album mit seinen luftig-leichten Gitarrenpop-Songs aber gar mehr so leicht der Americana-Ecke zuordnen. "Nein, ich denke auch eher, daß unser diesbezüglicher Ruf daher rührt, daß wir uns irgendwann in diesen Kreisen bewegten und dann immer mit solchen Bands aufgetreten sind", erinnert sich Liam, "es gibt eigentlich keine Szene, zu der wir wirklich passen. Momentan sind z.B. wieder Garage-Bands angesagt. Da passen wir ja noch weniger hin. Und deswegen ist die Americana Szene der einzige Zirkel, in dem wir uns bewegen konnten." Wenn man heutzutage eine gitarrenorientiertes Projekt startet, wie findet man denn da seinen eigenen Stil? An Vorgängern ermangelt es ja schließlich nicht. "Nun, unser Stil entwickelte sich durch unseren Gesang", erläutert der erklärte Tori Amos Fan Liam, "alles dreht sich um unsere Gesangsharmonien. Das ist ziemlich komisch, denn ich habe mich niemals als Sänger gesehen, bis ich meine Stimme in Kombination mit Sophia’s gehört habe. Ich mochte nämlich meine Stimme eigentlich nicht. Und unser musikalischer Stil entwickelte sich einfach aus dem, was wir zu spielen in der Lage waren." Und das sind akustisch geprägte Gitarrenpop-Songs, die heutzutage zwar nur noch selten einen direkten Country-Touch haben, aber dennoch erkennen lassen, daß Liam z.B. lange Zeit in einer Kneipe gearbeitet hatten, wo die Größen des britischen Americana-Wesens ein- und ausgehen. Gibt es denn auch inhaltlich ein Thema, das die Lieder verbindet? "Ja, durchaus", pflichtet Liam bei, "es ist zwar kein Konzept, aber ich denke, daß die Zeit, zu der wir die neuen Stücke schrieben, für uns sehr schwierig war. Unser erstes Album verkaufte sich, um ehrlich zu sein, nicht sehr gut. Wir waren enttäuscht und wußten nicht so recht, ob das mit unserer Musik so klappen würde. Ich meine, wir waren Anfang 20 und hatten keine richtigen Jobs. Da waren wir dann ein wenig depressiv. Aber wir hatten unsere Hoffnung noch nicht verloren. Das hört man dann, glaube ich, auch an der Musik." Das stimmt – wohingegen die Texte ein wenig nachdenklich wirken. "Nun, das ist ja auch sehr wichtig", erklärt Liam, "ich denke, unsere Texte werden immer ein wenig düster sein – ganz egal wie fröhlich die Melodie ist. Das ist zwar nichts neues – das machen andere Bands auch – aber es ist ein wichtiger Faktor. Obwohl ich zuweilen ja auch denke, daß unsere Texte nicht nur düster, sondern zuweilen regelrecht komisch sind." Immerhin können die Havenots also über sich selber lachen. Und wie lustig das Übernachten auf deutschen Bahnhöfen ist, das wollen Liam und Sophia dann auf der anstehenden Tour einmal antesten.
Weitere Infos: www.havenots.co.uk
© 01. Juni 2005  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Juni 2005

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