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ANTONY & THE JOHNSONS - Schillernder Pfau oder androgyner Paradiesvogel?

„I Am A Bird Now“ - selten hat sich ein Künstler mit einem Albumtitel besser beschrieben. Antony´s Outfit ist bunt, grell wie es seinerzeit auch Klaus Nomi liebte. Seine Musik paradisisch. Ein Paradiesvogel!

Antony ist 34 Jahre alt. Er ist sehr interessiert an den alten Klängen der Sechziger Jahre. Die Titel des zweiten Antony & The Johnsons-Werk „I Am...“ transferieren die wärmenden Klänge der ungezwungenen Sehnsucht in die heutige Zeit. „Nina Simone und Otis Redding haben mich besonders inspiriert.“ Antony hat jedoch ebenfalls ein Faible für The Velvet Underground. Das Cover der CD ziert Candy Darling. Sie war ein Liebling der Factory-Gang um Andy Warhol und Velvet Underground. Die besondere Wehmut des gesamten Albums wird mit diesem Schwarzweiss-Foto besonders definiert - es zeigt Candy auf dem Sterbebett. Mit VU-Sänger Lou Reed verbindet Antony Freundschaft. „Ich traf Lou, als er produzierte. Weil er meine Arbeit mochte, durfte ich sogar auf seinem Album `The Raven´(2000; Reprise / Warner) mitsingen. Wir wurden Freunde. Mittlerweile ist Lou einer meiner besten Freunde und größter Fürsprecher!“ Oft sangen die beiden „Candy says“ miteinander. Lou Reed spielt Gitarre und singt auf dem Antony & The Johnsons-Track „Fistful Of Love“. Die Titelgebende Zeile ist dem Marc Almond/Soft Cell-Song „L´Esqualita“ entnommen. „Marc ist einer der Menschen, die jemanden dazu bringen können, sich in kürzester Zeit zu entfalten. Als ich nach New York ging, folgte ich seiner Straßenkarte, die er entwarf, als er in den Achtzigern einen Trip nach NY machte. `Baby Dolls´, `L´Esqualita´ - seine Arbeiten wurden ein Teil meines Wortschatzers.“

Die Siebziger gingen ein wenig an Antony vorbei. „Ich glaube, viele junge Leute sind sehr interessiert an der Musik der Siebziger. Sie sind sehr gut informiert darüber, mehr als ich. Ich wuchs mit New Wave auf, in den Achtzigern. Als Teenager wußte ich nichts über die Sechziger/Siebziger Jahre. Die neue Generation ist sehr viel liberaler, freier als es jede vor ihnen war.“ Allerdings beginnt nicht jeder Jüngling so schnell mit dem Songwriting. „Ich begann mit dem Komponieren, als ich zwölf Jahre alt war, habe es seitdem nie wirklich unterbrochen. Ich wollte schreiben wie Boy George. Er war für mich eine kolossale Inspirationsquelle. Er war der erste Sänger, den ich wirklich sah. Seine Welt sah ich in mir reflektieren. Im letzten Jahr habe ich ihn dann getroffen, als ich an meinem Album arbeitete!“
Boy George ist zu hören auf dem Antony& The Johnsons-Track „You Are My Sister“.
„What Can I Do“ führt den aktuellen Kritikerliebling Rufus Wainwright als Sänger. „Bei diesem Song wußte ich, dass ich mit Rufus singen werde. Ich liebe die Art, wie er singt. Er gesellte sich ja dann auch für ein Konzert zu mir. Dieses Wissen hat mich dazu inspiriert, den Titel möglichst schnell zu beenden.“ Antony liebt es einfach, mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. Devendra Banhart sang „Spiralling“ ein, spielte Gitarre zu „You Are My Sister“. Richtig ins schwärmen gerät Antony, wenn er über Chan Marshall aka CatPower redet. „Oh, könnte ich doch singen wie sie. I love her so much. Sie ist eine der größten Sängerinnen überhaupt! Wenn sie denn Mund öffnet, kommt Gold heraus!“ Besonders das Covers-Album der Künstlerin hat es ihm angetan. „Ihr Gesang ist so intim!“ Auf „I Am A Bird Now“ gibt es jedoch keine Coverversionen. „Es sind alles meine eigenen Songs. Vielleicht werde ich eines Tages aber auch ein Album mit Cover-Versionen einspielen. Es würde mir gefallen. Früher habe ich bereits einmal einen David Lynch-Song gecovert...“
Vielleicht macht gerade diese Vielschichtigkeit der beteiligten Charaktere, und die Bewunderung für andere Künstler(Innen) das Besondere aus an diesem wunderbaren Album. Das ebenfalls sehr intim klingt. Die enthaltenen Lieder wirken allesamt mehr oder minder verletzlich - wie so oft bei sexuell vom eigenen Geschlecht angezogenen Künstlern. Wer neugierig geworden ist, und auch die -hier nicht dezidiert aufgeführten- Johnsons kennenlernen möchte...
...diese wundervolle zeitgenössische Kunstmusik gibt es vom 15.-21.06. auf diversen Bühnen zu erleben. Dann tropft in sieben deutschen Städten die Melancholie live aus den Strophen!
Aktuelles Album: I Am A Bird Now (Secretly Canadian / Cargo)
Weitere Infos: www.antonyandthejohnsons.com
© 01. Juni 2005  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Foto: Alice O'Malley
Juni 2005

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