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Angelika Express - Feuer und Dynamit

Die Jungs vom Angelika Express haben mehr Dampf als der schnellste Intercity. Von langen Aufenthalten halten sie nicht viel. Sie wissen ganz genau, wo sie hin wollen, und bei ihnen muss alles zack zack gehen: Vor kurzem erst formiert, flott ihr erstes Album aufgenommen und prompt eine Tour in ausverkauften Hallen als Vorprogramm der Fehlfarben. Und das ist nur der Anfang. Man kann davon ausgehen, dass man von den drei Kölnern in der nächsten Zeit noch einiges hören wird. Auf ihrem Album verquicken sie die britische 79er Schule mit westcoastigem Rock'n'Roll zu deutschsprachigen, hymnischen Power Pop-Songs mit richtig guten Melodien. Beim Gespräch mit den munteren Jungs von Angelika Express während des lautstarken Soundchecks der Fehlfarben im Backstageraum des Kölner E-Werks, kurz vor ihrem eigenen Auftritt, kamen die Antworten wie aus der Pistole geschossen:

Wer ist Angelika? Robert (Gesang, Gitarre): „Angelika Express ist unser Bandmotto. Unser Dasein als Band ist eigentlich die Suche nach einer Übermutter. Solange haben wir sie Angelika genannt. Wir suchen eine lustige, kräftige, lebensbejahende Mitt-50erin, die uns aus Problemsituationen raushaut. Sie muss auch gut kochen können, mal Interviews machen und dabei Dinge sagen, die wir uns nicht trauen. Wir möchten uns aber auch an ihr anlehnen.“ Mischt sich Mutter Angelika auch in Eure Musik ein? Robert: „Nein. Sie findet uns komplett geil. Deshalb tut sie all dies ja für uns.“ Wann ist die Suche nach Angelika gestartet? Robert: „Wir sind im letzten März zusammengeführt worden. Der Drummer von M.Walking On The Water war sicher, dass wir gut zusammen passen, ohne dass wir drei uns jemals begegnet waren.“ Jens (Bass): „Und er hatte recht. Wir passen perfekt zusammen. Es hat sofort gezündet. Wir sind wie Feuer und Dynamit. Seitdem besteht unser Leben nur noch aus Angelika Express.“ Langsam, was habt Ihr vorher gemacht? Robert: „Ich hab früher in diversen Kölner Bands gespielt, 1996 eine Pause eingelegt und Mediendesign gemacht.“ Daher das selbst gestaltete Cover? Robert: „Ja, wir haben alles selbstgemacht. So leben wir unseren Kontrollzwang aus. Jedenfalls war es dann nach ein paar Jahren Büroarbeit wieder an der Zeit, die Gitarre in die Hand zu nehmen.“ Wie war Euer erstes Treffen? Habt Ihr Euren zukünftigen Sound besprochen? Alex (Drums): „Nix, wir haben nur kurz Kaffee getrunken. Es gab keinerlei Diskussionen über den Sound. Den haben wir bei der ersten Probe entwickelt.“ Robert: „Eigentlich hatte ich einen Sound im Hinterkopf wie auf der letzten Blumfeld. Aber bei der Probe wurde es automatisch härter. In dem Moment, als Jens den Verzerrer angemacht hat, war der neue Bandsound geboren. Uns tut zuviel Diskutieren und Perfektionieren nicht gut. Proben ist für uns eher kontraproduktiv. Wir klingen besser, wenn wir dilettantisch spielen.“ Welche gemeinsamen musikalischen Referenzen habt Ihr? Alex: „Power Pop und Punkrock der kantigen Art. Unsere Helden sind die amerikanischen Power Pop-Bands der frühen Siebziger wie Big Star und deren Epigonen wie die Posies und Teenage Fanclub.“ Robert: „Wir sind auch von deutschen Bands beeinflusst: Fehlfarben, Family 5 und Blumfeld.“ Jens: „Im letzten Jahr haben wir uns mit allem möglichen beschäftigt. Ich hab letztens noch ne Cure-Platte gekauft, und Iron Maiden.“ Alex: „Und ich Gang of Four und Motorhead.“ Robert: „Und ich Radio 4 und Beatles.“ Dann wird es plötzlich betriebsam im Backstageraum, denn die Fehlfarben haben fertig gesoundcheckt. Kurze Zeit später rocken die drei Angelikas die gefüllte Halle und strahlen den selbstsicheren Tatendrang einer jungen Band aus, die noch einen eigenen Anspruch hat. Bands, die schnell aufkommen, laufen Gefahr, sich selbst genauso schnell zu überleben. Der Angelika Express lässt sich jedoch so leicht nicht mehr stoppen.

Aktuelles Album: Angelika Express (Paul!/Zomba)
Weitere Infos: www.angelikaexpress.de
© 01. März 2003  WESTZEIT ||| Text: Kristina Koch
März 2003

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