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Maria Solheim - Bilder-Reigen

Maria Solheim ist schnell: Bereits auf der vorletzten Tour hatte sie das vorliegende, zweite Album "Behind Closed Doors" begonnen, daß sie dann auf der letzten Tour – aber drei Monate vor Veröffentlichung – dem inzwischen soliden Publikumsstamm vorstellte. Aber Maria ist sowieso nicht mit den üblichen Mechanismen des Pop-Biz zu greifen. Das kann man schon daran erkennen, wie vergleichsweise hilflos die Marketingstrategen versuchen, ihr ein schlüssiges Image zu verpassen, was dann in freakigem Styling und Slogans wie "die neue Björk" ausartet.
"Also damit mußt Du als Künstler einfach leben", meint Maria zu diesem Thema, "ich denke, du mußt einfach ein paar Scheiben herausbringen, und dann werden die Leute von selber begreifen, wer Maria Solheim ist." Marias Eigenarten liegen zudem außerhalb der üblichen PR-Begriffswelten: Als gläubige Bibel-Leserin hat sie eine Ressource, aus der heraus praktisch ihr ganzes Wirken bestimmt wird. Was sie aber nicht davon abhält, sich in der Manier passionierter Philosophen, mit allerlei Fragen des sie betreffenden Umfeldes zu beschäftigen. "Auf dem Album geht es um Angst und die Balance zwischen Angst und Sicherheit", gibt Maria zu Protokoll, "es geht darum um Fragen und Themen, die mir im letzten Jahr durch den Kopf gegangen sind. Der Titeltrack ist quasi eine Zusammenfassung des Albums, denn es geht ja darum, daß es da jemanden gibt, der mir Halt gibt. ´Behind Closed Doors´ ist ein Song über Jesus." Das mag sich jetzt abschreckend anhören, ist es aber nicht, da Maria dies praktisch als ihre Privatangelegenheit ansieht. So gibt es neben den fundamentalistisch orientierten Tracks – wie z.B. "Kingdom", den Maria als ihren direktesten Song dieser Art bezeichnet - durchaus auch weltliche; ja märchenhafte Themen. Wie z.B. bei "Train Under Water". "Oh ja, ich fuhr Nachts mit dem Zug von Stavanger nach Oslo", erinnert sie sich, "und hatte das Abteil für mich alleine. Es war spät, aber ich konnte nicht schlafen. In diesem Zustand ist mein Hirn besonders kreativ und ich denke diese seltsamen Sachen – wie z.B. was wäre, wenn dieser Wagen sich vom Zug löste, und im Ozean versänke? Denn ich habe immer Angst davor gehabt zu ertrinken. Das war dann auch der erste Song, den ich ohne Gitarre geschrieben habe." Und dann gibt es noch die ganz praktischen Songs, wie z.B. "Late At Night" – was tatsächlich ein Wiegenlied ist. "Oh ja, ich habe es für meinen ältesten Bruder geschrieben – während er im Nebenzimmer schlief." Maria hat also noch mehr Gesichter, als die hippen Promo-Fotos vermuten lassen. Warum aber hüllt sie alles in blumige Metaphern, und sagt nicht direkt, was sie meint? "Das werde ich oft gefragt", gibt Maria zu, "um es mal so zu erklären: Bilder zu verwenden ist meine Art, dem Zuhörer Dinge zu erklären, ohne den Leuten den Kopf zu zerschlagen." Maria Solheim präsentiert sich auch auf "Behind Closed Doors" als intelligente, neugierige, auf sympathisch Naive Art auch innovative Songwriterin, von der man noch einiges hören wird.

Aktuelles Album: Behind Closed Doors (Strange Ways / Indigo)
Weitere Infos: www.indigo.de/unser_programm/2446/
© 01. März 2003  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
März 2003

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