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BUJU BANTON - Total authentisch

Der Statistik nach hat kein anderer Künstler aus Jamaica mehr #1-Singles gehabt als Buju Banton, nicht mal der selige Bob Marley. Seit 1990 ist Buju im Geschäft und hat die Geister der Vergangenheit abgeschüttelt, als man ihm allerlei politische Unkorrektheiten nachsagte. Ein geläuterter Mann? Oder einfach nur die Reife des Alters? Seit 1995 beschäftigt er sich auch mit anderen Themen als Dope, Fun and da Ladies. Black Awareness ist angesagt. Dennoch ist das neue Album, "Friends For Life", eher relaxed und optimistisch, was auch mit den Ereignissen vom 11. September verknüpft ist.
„Ein wirklich schrecklicher Tag. Die Welt war wie gelähmt, es herrschte einfach nur grosse Unsicherheit. Das einzig erfreuliche ist, dass ich mit meinen neuen Songs den Leuten sagen kann: „Macht euch nicht zuviele Sorgen.“ „Schaut nach vorne.“ Es ist nicht gut, wenn man nur sagt „Knallt sie ab.“ „Macht sie fertig.“ Die Leute brauchen etwas positives.“ Warum hat er sich so lange Zeit mit einem neuen Album gelassen? „Nun, es hat zwei Jahre gedauert, das neue Album fertigzustellen und dafür gab es mehrere Gründe. Ich war lange auf Tour und dann habe ich mir in Miami mein Bein verletzt und eine längere Zeit im Krankenhaus verbracht, aber das war nicht so schlimm, denn so konnte ich eine Menge Songs überarbeiten. Insgesamt habe ich fünfzig Tracks aufgenommen, von denen es achtzehn auf das aktuelle Album geschafft haben.“ „Friends For Life“ bietet enorm viele verschiedene Stilrichtungen. Reggae, Dancehall, Ska, R&B, Hip Hop und sogar leichte Jazz- und Blues- Anklänge. Woher nimmt Buju seine Inspirationen? „Ich denke in sehr viele verschiedene Richtungen. Ich will nicht der „normale Typ“ sein, der ein normales Album abliefert. Ich mache nicht zwölf oder dreizehn Dancehall Tracks und fülle den Rest mit gutem, alten Reggae auf. Alle meine Platten vermitteln ein bestimmtes Gefühl, eine Stimmung, und so werde ich das immer machen. Wenn ich eine CD höre und sie langweilt mich, dann schmeisse ich sie aus dem Fenster, egal, was ich dafür bezahlt habe. Es muss mehr als einen guten Song auf einer CD geben, damit sie mich fasziniert.“ Um sicherzustellen, dass ihm das mit seiner eigenen neuen CD nicht auch passiert, hat er sich einige der angesagtesten Produzenten ins Studio geholt. Wie verhindert man, dass viele Köche den Brei verderben? „Das ist ein langer, langer Prozess. Ich schaue mir jeden Produzenten und seine Geschichte an und entscheide dann, für welche Art Track er in Frage kommt. Wenn ich mich erstmal entschieden habe, bekommen sie die volle kreative Freiheit. Ich erledige meinen Job, schreibe die Texte und sie sagen mir dann, wie das Lied klingen wird. Ich bin dann der Lehrling und folge dem Produzenten. So wähle ich für jeden Stil den stärksten Partner.“ Und wie sieht er den Ausverkauf des Reggae, wie er gerade besonders in den USA stattfindet? „Dancehall Reggae läuft in Gefahr, seine Originalität zu verlieren, weil es zu schnell groß wird. Dancehall Reggae muß authentisch sein. Wir waren jahrelang "underground" und nun besteht die Gefahr, dass wir diese Authenzität verlieren. In Europa liegen die Dinge ein wenig anders. Seit den 70er Jahren kennt man hier Reggae und es gibt dafür einen Markt. Nun ändert sich dieser Style und Dancehall wächst gerade erst heran. Aber es gibt in Deutschland einen Künstler names Gentleman, der sich ganz vorne in dieser Bewegung befindet und daran arbeitet, dass die Leute Dancehall besser verstehen. Er bewirkt, dass die Leute in Deutschland langsam für Dancehall offen werden und mit dieser Musik umgehen können.“

Aktuelles Album: Friends For Life (Anti/SPV)
© 01. März 2003  WESTZEIT ||| Text: Dietrich Limper
März 2003

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