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ADRIAN SHERWOOD - Der eigene Sound

Der Mann ist eine lebende Legende. Begründer des legendären On-U Sound Labels, seiner Zeit immer ein paar Jahre voraus, Vater solcher Acts wie African Head Charge, Litte Axe, Asian Dub Foundation, Audio Active und Dub Syndicate. Von Tackhead wollen wir an dieser Stelle gar nicht anfangen zu reden, das würde jeden Rahmen sprengen. Seit 22 Jahren prägt und erfindet er Sounds wie kein anderer und dennoch ist ihm nie der wirklich grosse Wurf gelungen.
„Ich habe Jahre in den Studios verbracht und mir Techniken und Prozesse angeschaut und irgendwann angefangen, meine eigene Technik zu entwickeln. Egal, welche Platte du von On-U kaufst, du wirst immer hören, dass es etwas besonderes ist. Etwas unverwechselbares. Aber kommerziell waren wir nie erfolgreich. Nimm als Beispiel die Strange Parcels, eine wirkliche tolle Platte, aber von den Verkäufen her ein absoluter Reinfall. Wir hätten Tackhead darauf schreiben sollen, denn es waren ja eigentlich die selben Leute, dann wäre es bestimmt besser gelaufen.“ Die Kritiker liebten seine Arbeit, das Publikum ignorierte sie, was ihn dazu zwang, die letzten vier Jahre mit seiner Dub-Show durch die Welt zu ziehen, um die Kohle für das tägliche Brot zu verdienen, was ihm mit On-U Sound tragischerweise nie gelungen ist. Schließlich trat Real World Records an ihn heran, er sollte mal wieder das tun, was er am besten kann: anderer Leute Songs neu abmischen und ihnen den Stempel aufdrücken, der unverkennbar Sherwood ist. Aber es gab Probleme mit Lizenzen und so bot ihm Real World an, sein eigenes Album zu machen. „Ich hatte eine wirklich harte Zeit. Ich hatte vor ein paar Jahren schon mal mit Warp Records verhandelt, ob es eine Möglichkeit gäbe, ein eigenes Album zu machen, aber irgendwie schlief die ganze Sache wieder ein. Durch Real World hatte ich nun die Chance, meine eigene Sache zu machen und ich fing einfach an und testete die Sounds in den Clubs. Aber es ist dennoch keine World Music geworden, eher Techno und Space Dub. Ein ganzes Jahr habe ich daran gearbeitet.“ Und alle üblichen Verdächtigen sind mit dabei. Sly & Robbie, Keith LeBlanc, Skip McDonald, um nur einige zu nennen. Herausgekommen ist mit „Never Trust a Hippy“ ein Meisterwerk aus dem Hause Sherwood. Nun hofft er auf den finanziellen Erfolg, um mit dem Geld On-U Sound wieder anzukurbeln, denn das Label ist eigentlich pleite. „Ich gehe erstmal mit Asian Dub Foundation auf Tour, aber auch mit On-U muss es weitergehen. Little Axe werden ein neues Album machen, das im Mai erscheinen wird und wir haben einen neuen Sampler herausgebracht, „Chainstore Massacre“, mit fast allen Künstlern von unserem Label.“ Dann lasst uns mal alle in die Kirche gehen und für On-U eine Kerze anzünden, denn dieses Label darf nicht sterben. Die musikalische Vielfalt unserer Welt wäre um einiges ärmer. Aber eine Frage muss dann doch noch sein: Hey, Adrian, wer sind denn diese Hippies, denen wir nicht vertrauen sollen? „Hehe, das ist natürlich ein Joke, es handelt sich dabei um ein altes John Lydon-Zitat. Aber die Hippies, die ich meine, sind Leute wie Bill Gates, die sagen, dass sie aus dieser Welt einen besseren Ort machen wollen. Leute wie Tony Blair, der den Amerikanern permanent in den Arsch kriecht, Leute wie Paul McCartney. Aber auch die Typen, die mit Jesuslatschen und Handys hier in London an den Ecken stehen und unseren Kindern Kokain verkaufen. Das sind die Hippies, die niemand braucht.“ Wo er recht hat, hat er recht.

Aktuelles Album: Never Trust A Hippie (Real World/Virgin)
Weitere Infos: www.realworldusa.com
© 01. März 2003  WESTZEIT ||| Text: Dietrich Limper
März 2003

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