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PRAGA KHAN - Spielplatz der Freaks

Dicke, tanzbare Beats, eine unglaubliche Light-Show, bezaubernde Tänzerinnen mit heissen Bodypaintings – ein Auftritt der belgischen Praga Khan ist immer ein Erlebnis. Neben dem akustischen Ausgangsmaterial wird für optische Reize gesorgt, um die Befriedigung zu perfektionieren. Bald ist es wieder so weit, denn mit „Freakazoidz“ steht ein neuer Longplayer in den Läden, der natürlich auch live präsentiert werden will. Maurice und Oliver standen Rede und Antwort.

Wer beim Albumtitel direkt an diese komische Cartoon-Reihe denkt, liegt völlig falsch. „Wir nennen Freakazoidz Leute, die von Freitag bis Dienstag morgen ausgehen und halt einfach einen sehr freaky Lifestyle pflegen. Und das trifft auch auf uns zu.“ Musikalisch haben die beiden ein wenig weiter zurückgeblickt und kräftig Einflüsse aus den guten alten 80ern geschöpft. „Ganz bewusst haben wir uns an die Zeiten erinnert, als wir noch viel ausgingen und selbst Platten aufgelegt haben. Der Sound von damals hat uns halt begleitet und wir wollten ihn noch einmal aufgreifen.“ Was nicht wirklich antiquiert klingt, aber vielleicht eher Leute über 30 anspricht. „Solange uns das Album gefällt, ist das alles egal. Es kommen die unterschiedlichsten Leute zu unseren Shows. Live spielen ist unsere größte Stärke. Alle tanzen und feiern eine große Party.“ Aber die visuellen Aspekte können sicher nicht so einfach auf die Studioarbeit übertragen werden, oder? „Die Energie ist wichtig! Die ganzen Reisen und all die Reaktionen sind einfach starke Inspirationsquellen, die wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen können.“ Nun kommt als erste Single in Deutschland „Tausend Sterne“ auf den Markt, das einzige Stück des Albums mit deutschem Text. Marktorientierte Arbeit? „Der Song sollte unser kleiner Tribut an die NDW sein, und wir haben ihn auch mit einem englischen Text ausprobiert, aber das ganze Flair und die Atmosphäre ging damit verloren. Also musste er einfach auf deutsch gesungen werden.“ Und er fügt sich wunderbar in das restliche Material ein, so dass eine wirkliche Einheit und keine bloße Songsammlung besteht. Textlich steht das ganze nicht so im Zusammenhang. „Eigentlich versuchen wir immer, kleine Stories um die einzelnen Songs zu konstruieren, jeder hat seine eigene individuelle Entstehungsgeschichte und alles ist auf seine Weise freaky.“ So auch der Umgang mit Sprache in Verbindung mit Musik. „Es ist schön, mit Sprachrhythmus zu arbeiten, der mit dem musikalischen Rhythmus harmoniert. So entstand zum Beispiel der Reggae-Part in „Because Of You“. Ich hatte diesen Text und seinen Flow und wir mussten die Musik dem einfach anpassen. Wir sind musikalisch nicht festgefahren und können somit auch auf eher ungewöhnliche Stile zurückgreifen. Genau so, wie es The Police vor Jahren gemacht haben – eine Rockband muss nicht nur Rock spielen. So kann man mit Stimmungen spielen, wenn man wie hier auf einen harten Dance-Part die totale laid-back-Erfahrung folgen lässt. Bei Konzerten ist es sehr interessant, wie die Leute auf so etwas reagieren. Man könnte meinen, es wäre für sie die ultimative Befreiung, sie strecken die Hände in den Himmel und lassen sich einfach treiben.“ Auch die Entstehung des Artworks hat eine schöne Geschichte. „Das verrückte an uns ist, dass wir immer zuerst den Albumtitel auswählen und dann die Songs schreiben. Dann machen wir uns Gedanken über die Musik und ein Freund von uns, ein Designer, macht sich Gedanken über das Artwork. Währedn wir dann im Studio schrauben, besucht er uns ein paar mal, um den Klang und Spirit der Tracks einzufangen und auf seine Arbeit zu übertragen. Als ich ihm dann noch sagte, dass wir mit diesem Album in Sachen Klang ein wenig zurück gehen, legte er mit diesen freaky Spermien los. So weit zurück meinte ich aber garnicht, sondern nur in die 80er!“ Ist der gemeine Fan denn mit diesem Album zufrieden zu stellen? Ist es klassisch für Praga Khan? „Mit jedem Album versuchen wir, uns zu erneuern. Es gibt so viele Bands, die sich immer wieder kopieren, um bloß niemanden zu enttäuschen. Somit bekommt ihre Anhängerschaft aber auch keinen Zuwachs, es sind immer die gleichen Leute bei ihren Konzerten und kaum junges Publikum stößt dazu. Wir sind zum Risiko, Leiute vor den Kopf zu stoßen, bereit und versuchen viele unterschiedliche Dinge, denn nur so kann die Band lebendig bleiben. Warum sonst besteht Praga Khan nun schon seit 10 Jahren und hat Fans und Freunde auf der ganzen Welt?“ Und es werden sicherlich noch eine Menge mehr werden.

Aktuelles Album: Freakazoidz (FG Records/EMI)
Weitere Infos: www.pragakhan.com
© 01. März 2003  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Label
März 2003

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