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MUSTASCH

Time is on my side

MUSTASCH

Ist das nun Retro oder was? Sagen wir einfach, die schwedische Band Mustasch pflegt Rock‘n‘Roll der alten Schule. Auch wenn sich das hier und da verdammt noch mal so anhört, als wären die seligen Anfangstage von The Cult oder Black Sabbath nie fortgegangen, so wird doch sofort klar, was hinter der ganzen Maschine steckt: Groove, Energie, Dreck und all das unbändig und kompromisslos. Mastermind und Gitarrist Hannes Hansson lud Westzeit zum antiquiert anmutenden Telefonplausch.

Gänzlich selbstbewusst trägt die neue Langrille, die aufgrund der arg verspäteten Deutschland-VÖ schon über ein Jahr auf dem Buckel hat, den Namen "Above All", was ihre Marktposition zu bestätigen scheint. Nach dem ersten Happen in Form der EP "The True Sound Of The New West" im letzten Sommer legen sie nun noch einen Gang zu, der in Sachen Sound das Ganze noch klassischer erscheinen lässt. "Wir haben uns ein wenig mehr um die Produktion gekümmert du viel Wert auf die Melodien gelegt. Wir wurden anfangs stark in diese StonerRock-Ecke gedrängt, was wir schnellstens hinter uns lassen wollten. Ich habe nichts gegen die Stoner-Szene, aber das war für mich keine Maxime, Musik in elend langen Jamsessions aufzunehmen. Ich wollte feste Arrangements, was ja in gewissem Sinne klassisch ist. Der gemeine Stoner-Song scheint immer endlos zu sein." Um so erstaunlicher, wie die "neuen" Songs entstanden sind. "Als unsere EP rauskam, waren wir eigentlich ständig auf Tour, aber das Label wollte mehr. So kamen wir zu weiteren sechs Songs, aber alle waren heiss auf ein Album, so dass wir ziemlich hektisch zwischen Studio und Clubs pendelten, bis das dir nun vorliegende Ergebnis fertig war. Es war sehr chaotisch, aber wir sind alle sehr zufrieden. Wir haben uns vom melodischen 80‘s Rocksound leiten lassen und dabei unseren Sound gefunden." Dass dieser recht roh und doch irgendwie geschmeidig wirkt, zeigt sich auch bei den Live-Auftritten der Band. "Wir sind definitiv eine Live-Band. Natürlich geben wir auch im Studio alles, aber Musik ist allgemein dazu geschaffen, live gespielt zu werden. Das ist einfach lebendiger." Kaum verwunderlich, dass sie somit auch auf diesem Sektor zuerst versuchten, Aufmerksamkeit zu schinden. Die Reaktionen auf ihren Touren mit Gluecifer und Rose Tattoo hierzulande zeugen davon, dass Mustasch ihre Duftmarke hinterlassen haben. "Das war eine riesige Erfahrung. Der Höhepunkt war aber ohne Zweifel der Auftritt beim Roskilde-Festival letzten Sommer. Unglaublich viele Leute, herrliches Wetter, wir spielten wahrscheinlich unsere beste Show – es stimmte einfach alles!" Resultieren aus solchen Erlebnissen denn ausnahmslos positive Auswirkungen auf das Bandgefüge? "Es ist schon komisch, dass der Unterschied, ob du mit deiner Band hier und da ein paar Gigs einfach aus Spaß spielst und der Tatsache, dass du auf einmal Platten veröffentlichst, so groß sein kann. Du hast keine Zeit mehr für einen regulären Job, du probst, tourst, nimmst auf, und immer so weiter. Das ist eine andere Art zu arbeiten, die wir erst einmal lernen mussten. Und das dauert halt eine Zeit lang. So sind wir über Monate hinweg zusammen gewachsen und zu einer Einheit mutiert, die nur in dieser personellen Konstellation funktionieren kann. Natürlich enstehen auch immer eine Menge Konflikte, aber wir ziehen nach einiger Zeit immer etwas positives daraus." So ist der Rock‘n‘Roll halt: Geduldig und vor allem, wie das Beispiel Mustasch beweist, immer noch zeitlos.

Aktuelles Album: Above All (Majesty/EMI)



Weitere Infos: www.mustasch.to Foto: Label

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