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SINCERE - Kein Bluff

Was an Sincere auffällt, sind auf der einen Seite die herrlich dreisten Sprüche, die Sänger Robin Fitters wohl am laufenden Band von sich gibt, und die besonders im Zusammenhang mit der Beschreibung seiner Person äußerst keck wirkt. Auf der anderen Seite ist es der alles überschattende Wunsch, in ihrem Dasein als Band und im Umgang mit den Fans ehrlich zu bleiben. Am Tag des Interviews in den Räumlichkeiten eines Fernsehsenders wurden Sincere auf eine harte Probe gestellt.

Neben einem kurzen Interview steht nämlich auch ein Fernsehauftritt an. Allerdings soll die Musik vom Band kommen und die vier Belgier strahlen nicht gerade wie die berühmten Honigkuchenpferde. Wie Sex ohne Gefühle ist das! „Wir werden niemals etwas gegen unseren Willen tun. Auch, wenn sie mit Zigmillionen locken, scheißen wir drauf.“ Aber Playback gehört dazu, das war schon immer so. Musiker zu sein heißt auch arbeiten, wenn es mal weniger Spaß macht. „Es gibt immer mal Probleme mit der Plattenfirma oder auch innerhalb der Band. Man muss sich nur irgendwann entscheiden: Mag ich diese Sache oder nicht? Wenn man mit einer Sache nicht zurecht kommt, dann streitet man halt darüber und schaut, ob es nicht doch eine gute Lösung gibt. Und wir werden nicht aufhören, streitlustig zu sein.“ Doch bevor ein Song oder eine CD fertig ist und im Fernsehen aus der Konserve gespielt werden kann, bedeutet es zunächst harte Stunden und Wochen für die Band im Studio. Dass ihr Debütalbum ‚Darkside Escort Service‘ sehr viel sauberer klingt als es nach der Live-Erfahrung zu erwarten war, tut der Sache keinen Abbruch. Den Billig-Sound alter Demo-Kassetten mit allen Konsequenzen, was das Interesse potentieller Käufer angeht, hatten sie definitiv satt. „Tom (Goethals, Bassist) und ich haben jahrelang Emo und Punk gespielt und kennen also diese ganze Underground-Sache“, erklärt Sänger Robin Fitters. „Was uns daran irgendwann gestört hat, war, dass alle immer gleich ‚Sellout‘ geschrien haben, wenn eine Band mehr als fünf Alben verkauft hat - sowas gehörte sich nicht. Unsere CD würde genau so klingen, wenn wir bei einem Indielabel wären. Der einzige Unterschied ist nun, dass wir durch das große Label die Möglichkeit haben, das Album zu promoten und an mehr Leute als fünf zu verkaufen.“ Im Fall von Sincere wird die Promotion mit viel Ironie betrieben, was aber durchaus den Bandmitgliedern gerecht wird. Robin Fitters wird als ein Zwitter aus einem Alien und einem Girlie beschrieben. „Ja, wir waren auch sehr überrascht. Wie die Plattenfirma wohl so schnell herausgefunden hat, dass wir alle von einem anderen Planeten stammen? Wahrscheinlich haben sie irgendwelche dubiosen Kontakte zum F.B.I. Was dieses Girlie-Attribut angeht - das sehe ich als Kompliment. Es sagt etwas über meine Persönlichkeit aus. Wenn der Typ von Nickelback meine Texte sänge, würde ihm das niemand abkaufen, oder? Insofern sagen Äußerlichkeiten schon etwas über das Innenleben aus.“ Es geht ihnen also um seelische Tiefe und darum, nicht als künstliche Popsternchen abgetan zu werden. „Es gibt da einen Song von der Gruppe Sense Field, den wir alle sehr mochten. In einer Zeile kommt dieses Wort ‚sincere‘ vor. Und da wir gerade auf der Suche nach einem Namen waren, dachten wir, das ist es!“ Im Grunde bedeutet ‚sincere‘ nichts anderes als ‚aufrichtig‘ oder ‚ehrlich‘. Ein Thema, das der Band sehr wichtig ist, denn, wie Robin meint, hätten sie weniger Probleme damit, wenn das Album nicht gut ankommt, aber „es würde etwas tief in uns sterben, wenn wir zu hören bekämen, dass wir allen was vormachen.“

Aktuelles Album: Darkside Escort Service (Columbia / Sony)
Weitere Infos: www.sinceremusic.com
© 01. März 2003  WESTZEIT ||| Text: Manuel Schülke ||| Foto: Label
März 2003

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