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MARIA SOLHEIM - Naive Zerbrechlichkeit

„Ich weiß daß ich naiv bin und ich möchte auch naiv sein“, meint die kleine Norwegerin Maria Solheim im Videointerview zu ihrer neuen CD, „Frail“. Und diese Beschreibung paßt dann auch ganz gut zu dem neuen Werk und zu Marias Musik im Allgemeinen – wenn man den Begriff „naiv“ denn positiv im Sinne von ungekünstelt, aufrichtig und ehrlich interpretieren möchte.

Die Scheibe selbst weicht ab von dem, was Maria bislang vorlegte. Es ist eine eher spröde, ruhige, akustische Exkursion des Möglichen geworden, beflügelt von der Zusammenarbeit mit dem Produzent Emil Nikolaisen und seinem analogen Equipment. Eine Erfahrung die für Maria so ganz anders war, als jene, die sie mit ihrem „Entdecker“ und bisherigen Produzenten Bengt Egil Hanssen machte. „Bengt ist ein hervorragender Produzent und ein ganz lieber Mensch“, meint Maria, „aber ich fühlte, daß es jetzt an der Zeit war, einmal etwas anderes zu versuchen und ein Experiment zu wagen. Emil kenne ich seit vier Jahren. Wir schreiben beide für die gleiche Zeitung. Nachdem er meine CDs gehört hatte, hatte er gleich sehr viele Ideen. Er hat zwar nicht viel gesagt, aber so wie ich ihn verstanden hatte, hätte er alles anders gemacht. Und da war ich sehr neugierig.“ Heißt das, daß das im Prinzip Emil’s Sound ist, der da auf der CD zu hören ist? „Ich habe das meiste mit Emil zusammen erarbeitet“, erläutert Maria den Prozeß, „die meisten Stücke waren nicht arrangiert, bevor wir ins Studio gegangen sind. Emil hat eine Menge Kontakte in der Szene und Ideen und er ist eine ziemlich einzigartige Person, wenn es um Musik geht. Er ist sehr kreativ. Wir haben eine Menge von seinen Ideen verwendet und ich habe ihm freien Lauf gelassen. Es war ihm aber auch wichtig, daß mir die Sachen gefallen. Eigentlich also die perfekte Beziehung. Natürlich haben wir unsere Freunde gebeten, mitzumachen. Es ging dabei aber nicht darum, das Richtige zu spielen, sondern um die Stimmung und den Sound.“ Nun gut – die Songs stammen aber natürlich nach wie vor von Maria. Warum sind diese denn dieses Mal so düster ausgefallen und warum heißt die Scheibe „Frail“ - „zerbrechlich“? „Ich denke, das Album ist düsterer, weil 2003 ein Jahr ist, in dem ich viel Zeit hatte, nachzudenken und herauszufinden, was ich wollte“, erklärt Maria, „es spiegelt ein Gefühl der Ohnmacht wieder, das Gefühl, nichts tun zu können, es aber doch zu wollen. Ich wollte aber auf jeden Fall, daß das Album auch hoffnungsvoll klingt, denn Hoffnung ist das einzige, was uns noch geblieben ist. Deswegen habe ich versucht, beide Aspekte in meinen Songs auszudrücken. Und ‘Frail’ nannte ich es, als ich wieder mal im Zug saß und darüber nachdachte, wie ich es nennen könnte und mir dann in den Sinn kam, daß ja alles irgendwie zerbrechlich sein kann – alte Menschen, junge, die ganze Welt und auch ich – und daß das nicht unbedingt negativ sein muß, sondern unsere verletzliche Situation darstellt.“ „Frail“ scheint also so etwas wie Maria’s „Coming Of Age“-Album geworden zu sein. Wo aber ist dieses Mal das geblieben, was ihr bisher stets Trost und Zuversicht verliehen hatte – die Religion nämlich? „Oh, die ist für mich immer noch da“, lächelt sie, und endet mit einem philosophischen Gedankenschlenker, „so wie ich es sehe, ist Gott nämlich auch dann Gott, wenn ich ihm etwa nicht glaube. Ansonsten wäre er es ja nicht. Das bedeutet für mich, daß ich Fragen stellen darf. Und das wollte ich dieses Mal.“

Aktuelles Album: Frail (Strange Ways/Indigo)
Weitere Infos: www.mariasolheim.com
© 01. September 2004  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
September 2004

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