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ABWÄRTS - Sportlich direkt

Ein wenig still war es geworden um eine der dienstältesten Punkbands unseres Landes, doch nun kehrt Abwärts mit einem Paukenschlag zurück. Politisch, hart und krass wie eh und je nimmt Frank Z. auch anno 2004 kein Blatt vor den Mund. Diesmal mit im Boot: sein langjähriger Freund Rodrigo Gonzales, besser bekannt als Bassist der besten Band der Welt: Die Ärzte. Und nun? Die neue Propaganda rollt, und man darf ruhig kritisch damit umgehen.

Vor 5 Jahren erschien das letzte musikalische Lebenszeichen von Mastermind Frank Z., ein Soloalbum - ebenfalls in Zusammenarbeit mit Rod Gonzales - und es floppte, wie der sympathische Hamburger unverblümt zugibt. „Das Album erschien unter meinem Namen, weil es rein garnichts mit Abwärts zu tun hatte. Auch wenn die Hosen einen Song davon gecovert haben, was noch ein wenig Geld in die Kasse spülte, ging damit nicht viel. Vor zwei Jahren habe ich dann wieder angefangen, Texte zu schreiben, was immer die aufwändigste Sache ist, setzte mich dann vor einem Jahr mit Rod zusammen, der die Sache auch produzieren wollte, und dann ging es schlussendlich im Februar los.“ War der Abwärts-Akku zu dieser Zeit einfach leer? „Bis Mitte der 90er gab es möglichst jedes Jahr ein Album, eine Tour, manchmal noch ein Video - das funktioniert irgendwann nicht mehr, der Kreativprozess setzt bei vielen Bands, die so arbeiten, einfach aus. Ich habe mir den Luxus gegönnt, abzuwarten, bis die Ideen wieder sprudeln und ich denke, deshalb ist das neue Album auch eine ziemlich runde Sache geworden.“ Ein wenig verwunderlich ist das neue Line-Up, das eigentlich nur aus Frank und Rod besteht. „Es stand nie zur Debatte, die alten Recken noch mal ranzukriegen. Mitte der 90er drohte Abwärts zunehmend in die Metal-Ecke zu kommen, das wollte ich aber keinesfalls. Jetzt ist die Arbeit zu zweit wesentlich effektiver. Rod spielte Bass und Schlagzeug, ich sang und spielte Gitarre, dann haben wir noch ein paar Keyboards draufgepackt und in knapp zwei Wochen war die Sache gegessen. Ich bin der festen Meinung das du gerade solchen authentischen Lärm, wie wir ihn machen, am besten rüberbringst, wenn er ganz frisch ist. Und dann sind da natürlich auch mindestens zwei Leute weniger, mit denen du diskutieren musst.“ Für die Tour im Oktober werden allerdings noch ein Bassist und ein Schlagzeuger für die Live-Formation herangezogen. Die Motivation für all diese Vorhaben ist ungebrochen. „Du brauchst eine gehörige Portion Wut und Energie, sonst bringst du dein Anliegen kaum rüber. Im Endeffekt muss es wieder über die Underground-Schiene laufen, wie früher. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, man muss das sportlich sehen.“ Die Thematik der neuen Platte ist eindeutig. „Neue Propaganda ist eine Überschrift für ein konzeptionelles Album mit ausschließlich politischen Texten. Ich hatte auch Texte, die in eine andere Richtung gingen, die fielen aber dann weg. Es geht um alles, was nach dem 11. September seinerzeit passiert ist.“ Um Terror, Tod und Krieg, und wenn man sich die Texte von „NuProp“ einmal hintereinander weg durchliest, muss man erst einmal schlucken. Frank Z. nicht? „Ich bin alles andere als depressiv und die Texte wirken eigentlich erst richtig im Zusammenhang mit der Musik. Es ist so ziemlich konkret, und das war auch gewollt. Ich wollte mit einer gewissen Portion Sarkasmus bestimmte Zustände plakativ beschreiben.“ Musikalisch wird das ganze recht offen präsentiert. Punkrock mit Zügen von Metal und Industrial - schroff, hart und auf den Punkt gebracht. „Vom Tempo und Riffing her hat es schon eine Punkrock-Struktur, aber wir sind bewusst hier und da aus dem Schema F ausgebrochen, um es moderner und heftiger zu machen.“ Gaststar beim letzten Song: George W. Bush. „Das ist seine erste Rede nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Und, macht er sich nicht gut als Frontmann?“ Das Statement ist klar, über seine sonstigen Frontmann-Qualitäten dagegen hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens...



Aktuelles Album: NuProp (Weird System/Indigo)
Weitere Infos: www.abwaerts.com
© 01. September 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
September 2004

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