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VELVET REVOLVER - Einmal Ruhm und zurück

Was wurde im Vorfeld der Veröffentlichung von „Contraband“ nicht alles über Velvet Revolver getuschelt: Wieder so eine Supergroup, wieder so ein Promo-Gag aus Geldmangel, nur große Namen, keine Substanz. Hält der Sänger durch? Sitzt der nicht wieder im Knast? Leben die überhaupt noch? Stop! So schlecht die Vorzeichen ob der Drogenabhängigkeit von Ex-Stone Temple Pilots-Sänger Scott Weiland auch sein mögen, lassen wir die Musik für sich sprechen. Das LineUp, vervollständigt mit den drei Ex-Gunners Slash, Duff McKagan und Matt Sorum (auch Ex-The Cult) sowie Dave Kushner (Infectious Grooves und Duff‘s vorige Band Loaded) liest sich natürlich ganz traumhaft, aber die Vorab-Single „Slither“ zeigte deutlich, dass diese Jungs, auch wenn sie nicht mehr die jüngsten sind, letztlich nur eins wollen: rocken!

Duff McKagan ist schon unweigerlich ein Rockstar. Wie er da beim Interview im Hilton genüsslich kleine Zigarren raucht und in der Couch versinkt, als er die über Hintergründe seiner neue Band plaudert, spricht eine deutliche Sprache. Es steckte aber auch eine Menge Arbeit dahinter, dafür wird das Endprodukt aber auch erhaben sein, da sind sich irgendwie alle sehr sicher. Sicherlich ist die Vita der einzelnen Bandmitglieder erstklassig, zumindest im Bezug auf die musikalische Vergangenheit, aber das Gefüge ist gewachsen, wie er mehrmals betont. Und im Endeffekt war es eine Aneinanderreihung von Zufällen, der letztlich Velvet Revolver entsprungen ist. „Wir haben nie aufgehört, Musik zu machen. Ich war in Seattle mit Loaded zugange, Slash war im Begriff, in L.A. etwas neues zu starten, Matt spielte die letzte The Cult-Tour und arbeitete danach an Soundtracks... In den nun 7 Jahren nach dem Ende von Guns n‘ Roses sind wir stets Freunde geblieben, schürten aber nie einen Plan, wieder gemeinsam Musik zu machen. Wir wollten das Vermächtnis der Guns einfach ruhen lassen. Als ein gemeinsamer Freund von uns, Randy Castillo (früher Drummer für Ozzy und Mötley Crüe), starb, war seine Familie wegen der hohen Kosten für die Krebstherapie bettelarm geworden, woraufhin auf seiner Beerdigung die Idee keimte, ein Benefizkonzert dafür zu organisieren. Kurz darauf erhielt ich einen Anruf von Matt, der schon mit Slash gesprochen hatte und uns für ein Konzert mit Josh Todd und Keith Nelson (beide von Buckcherry) zusammenbringen wollte. Das war lediglich für diesen Memorial-Gig geplant, und für nichts weiteres. So trafen wir uns einen Tag vor dem Auftritt im Proberaum, spielten als erste Nummer „God Save The Queen“ und schon die ersten drei Akkorde ließen mir die Knie schlottern. Und das lag nicht an Josh und Keith, sondern an uns anderen drei. Ich wusste nicht, wo mir der Kopf steht und hatte die Chemie, die zwischen uns bestand, völlig vergessen. Der Gig am nächsten Tag war großartig, die Leute sind ausgeflippt, wir spielten noch ein paar Guns- und Buckcherry-Songs, Steven Tyler von Aerosmith kam auf die Bühne und sang „Mama Kin“ mit uns - es war wunderbar. Danach war uns klar, dass wir wieder etwas zusammen machen mussten. Es war genug Zeit verstrichen und wir waren bereit, es auszuprobieren. Es folgten dann ein paar Wochen, in denen wir drei Songs schrieben. Zwischenzeitlich hatte ich mit Loaded einen Gig in L.A., Slash war da, traf seinen alten Schulfreund Dave wieder, der in meiner Band spielte, und war so begeistert, dass wir ihn zu einem Jam einladen mussten. Also kam Dave völlig unbeeindruckt von unseren Karrieren mit all seinem Kram in den Proberaum, der Schicksalsschlag traf ein und es war sofort klar, dass wir nun zu viert waren.“ Also fehlte zum großen Glück nur noch ein Sänger, und wie sollte es anders sein - auf wunderbare Weise fand man schnell zu Scott Weiland. „Für seine Frau und meine Frau war es schon klar, dass Scott bei uns singen muss, sie haben konspirierend darauf hingearbeitet, obwohl Scott noch bei den Pilots war. Für uns war klar, dass wir keine Band auseinanderbrechen würden, nur um einen Sänger zu bekommen, da alles bisher so organisch gewachsen war. Irgendwann wurde die Sache größer, wir hatten inzwischen ein Management und bekamen das Angebot, für den Hulk-Soundtrack eine Nummer beizusteuern. Aber ohne Sänger war das nun mal nicht machbar. Eines Tages berichtete mir unser Manager dann, das STP sich aufgelöst hätten, ich rief Scott an und er nahm sich „Set Me Free“ mit nach Hause, stolzierte einen Tag später ins Studio, sang den Song ein und wir wussten, dass er der richtige ist.“ Das einzige, was dann noch zwischen der Band und einer erfolgreichen Platte stand, war Scott‘s Drogenabhängigkeit. Und alle Beteiligten hatten dahingehend schon ihre Erfahrungen gemacht. „Was Scott durchgemacht hat war mindestens zehnmal so wild, wie der Konsum von Slash und mir zusammen! Er konnte uns absolut nichts vormachen und sagte uns frei heraus, dass er ein Problem hat und es gerne vorher bewältigen würde. Das war okay für uns, und er bat mich um Hilfe. Ich habe seinerzeit durch Martial Arts aufgehört. Dieses klassische 12-Punkte-Klinik-Programm konnte ihm offensichtlich nicht helfen. Also fuhr ich ihn zu einem Kung Fu-Meister in die Berge von Eastern Washington, der es dann auch wirklich geschafft hat, Scott‘s Problemkern zu isolieren und zu zerstören. Seitdem geht es Scott gut, bis auf die ganzen rechtlichen Geschichten, die ihm noch ein wenig zu schaffen machen werden.“ Da die Band inzwischen ihre Touraktivitäten in den USA aufgenommen hat, sollte dies also alles abgeschlossen sein. Nun also nach all den Jahren, in denen die einzelnen Bandmitglieder alles Hochs und Tiefs rund ums Business mitgenommen haben, stimmt das Feeling und ist die Mission klar: den Rock‘n‘Roll zu den Leuten tragen, live spielen. Doch auch bis dahin war es nicht immer einfach. „Die wichtigste Lektion, die wir gelernt haben ist, wie man eine Band zusammenhält. Das ist das beste und punkrockigste Ding, das wir je durchgezogen haben, wir haben Scott‘s Drogenprobleme überstanden und sind eine richtige Gang geworden, wo jeder auf den anderen achtet und wo alles offen und ehrlich besprochen wird. Das Gefühl ist einfach unbeschreiblich. In der „Appetite For Destruction“-Ära habe ich so etwas zuletzt erlebt, danach ging es stetig abwärts.“ Damit ist eigentlich auch die Motivationsfrage geklärt, ist es in der heutigen Zeit doch einfach notwendig, dem Publikum neben einer guten Liveshow auch noch eine Konserve zu bieten. „Ja, wir haben das Album weitestgehend unter Verschluss gehalten, damit es nicht vor dem Veröffentlichungstermin im Internet auftaucht, und das ist nicht eine Frage des Geldes! Kannst du dich an Zeiten erinnern, als man dem Tag, an dem Album XY endlich erscheinen würde, entgegenfieberte? Wir möchten uns das als krönenden Abschluss erhalten.“ Das, was wir bislang hören durften, macht eindeutig Lust auf mehr. Harren wir also gespannt bis zum 7.6. aus, wenn „Contraband“ dann endlich in den Läden steht. Es lohnt sich. Auch wenn man Duff, Slash und Co. den Rockstar-Status nicht komplett abwischen kann: Sie klingen ehrlich, offen und meinen es verdammt ernst.

Aktuelles Album: Contraband (BMG) - VÖ: 7.6.
Weitere Infos: www.velvetrevolver.net
© 04. Juni 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Juni 2004

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