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RANTANPLAN - Fuchsschwanzlose Zyniker

Wenn man dem neuen Albumtitel von Hamburgs Anarcho-Punks glauben schenkt, gibt es wohl nichts Schwierigeres, als einen geeigneten Begleiter für ein unglaubliches Abenteuer zu finden. Wenn man zwischen den Zeilen liest, möchte man meinen, die tiefen Seufzer verlassener Damen zu hören. Oh no! Letzter Platz bei der Interpretationsweltmeisterschaft, setzen. Denn wie so oft ist alles einfacher als man denken möchte.

„Bei uns in Hamburg hängen an vielen Kirmesbuden Schilder mit diesem Text.“, verrät Rantanplan-Sänger/Gitarrist Torben. „Das ist eine eigene Tradition. Jeder zweite Laden sucht einen jungen Mann, der für ganz wenig Geld ganz viel arbeitet. Das ist ein richtiges Klischeeding: der Typ mit der Bomberjackenkopie und Fuchsschwanz, der mit seinem Schlüssel die Autoscooter in die Ecken fährt. Mit 8 Jahren verehrt man ihn, später wird er dann verachtet.“ Solch temporärem Ruhm sahen sich auch viele Mitglieder von Rantanplan, denn bis auf das Stammtrio (Gitarre/Bass/Drums) drehte sich oft das Besetzungskarussell. „Wir hatten immer schon das Problem, dass wir ständig auch einen jungen Mann zum Mitreisen gesucht haben, ob nun Trompeter oder Mischer.“ Und doch wurde am Ende immer alles gut. Auch, wenn das Leben für eine Band wie Rantanplan nicht unbedingt einfacher geworden ist. „Ich würde sagen, dass es gleichbleibend schwer ist. Nach einem halben Jahr ohne Auftritt könnte man fast meinen, dass man völlig von der Bildfläche verschwunden ist, aber es gibt ja auch immer mehr Bands, es erscheinen immer mehr Platten und es wird immer schwieriger, beachtet zu werden. Aber es funktioniert noch. Wir haben immer noch leicht steigende Besucherzahlen, in diesen Zeiten nicht gerade üblich.“ In der Tat, ein Thema, dass auch viele Bands nachdenklicher macht. Lyrisch gesehen regen Rantanplan auch in diese Richtung an. „Man darf drüber nachdenken, man darf auch drüber lachen. Wenn ich Nachrichten sehe ist es ja auch nicht anders. Das lässt sich auch prima verbinden. Das eine bedingt das andere irgendwie. Ich finde, über einen guten Witz kann man durchaus politisiert werden, so ist es mir früher ergangen. Man wird mit zunehmendem Alter doch gewissen politischen Wahrheiten gegnüber recht zynisch. Wo man früher noch dachte: da singen wir jetzt dreimal gegen an, dann wird es schon besser... man kann es auch 3000 mal tun und es ändert sich nix.“ So ist es auch in der Industrie. Denn, so komisch es sich anhören mag: Die Jungs mussten ein eigenes Label gründen... „Das war eigentlich der letzte Schritt, den wir machen wollten, aber wir mussten es tun! Es gab viele Gespräche, auch mit Firmen, die man fast schon als Major bezeichnen kann, aber die Angebote waren teils so haarsträubend, dass wir gar keine andere Wahl hatten. Das wären unglaubliche Verlustgeschäfte geworden, so viele Platten würden wir niemals verkaufen, dass wir damit auf einen grünen Zweig gekommen wären. Richtig viel Zeit und Lust hatten wir nicht, aber es war halt notwendig.“ Und wie sollte es anders sein: die Zukunft sieht rosig aus. Der Vertriebsdeal bringt die Scheibe pünktlich in die Läden, die erste Tour zur Platte steht (inklusive der unglaublichen St.Pauli-Tresentour) im Juli an und, was nicht zu unterschätzen ist: die Band ist heiss! So heiss, dass man sich gerne nen Oberflächenbrand abholen darf.

Aktuelles Album: Junger Mann Zum Mitreisen Gesucht (Hamburg Allstyles/Indigo)
Weitere Infos: www.rantanplan.de.ms
© 01. Juni 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Juni 2004

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