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KANE - Abenteuerurlaub

In ihrer Heimat haben Kane bislang alles an (Publikums-)Preisen abgeräumt, was nur eben ging, ihre Konzerte sind stets weit im Vorfeld ausverkauft, selbst die größten Hallen des Landes Platzen immer aus allen Nähten. Im europäischen Ausland dagegen bekam die Band bislang kaum einen Fuß auf die Erde. Das soll sich nun, da die „Retrospektive“ namens „What If“ erscheint, ändern. Das Potential ist da, die Band ist bereit für großes außerhalb der Heimat - kann da noch etwas schief gehen?

Das größte Plus auf der Habenseite von Kane ist eindeutig das Songwriting. Unsere Interviewpartner, Sänger/Gitarrist Dinand Woesthoff und Gitarrist Dennis van Leeuwen, einzig übrig gebliebene der Urbesetzung, sind schon ein gutes Beispiel, wenn es um gut arrangierte und hochmelodiöses Liedgut geht. Nun also der Sprung über die garnicht so weite Grenze, der sich komischerweise trotz der Nähe schwierig gestaltet. „Es ging immer darum, andere Gebiete zu erobern. Wenn du deine erste Band gründest und den ersten Gig in diener Heimatstadt gespielt hast, willst du ja auch so schnell wie möglich auch im Nachbarort spielen. Unser erster Auftritt im Ausland war 2000 auf der Expo in Hannover, ein wahres Abenteuer. Jetzt führen wir dieses Abenteuer konzentriert fort.“ Erster Schritt: die Veröffentlichung des ersten tatsächlich international erhältlichen Albums von Kane, „What If“, eine Sammlungf der besten Songs ihrer zuvor primär nur in BeNeLux erhältlichen Alben „As Long As You Want This“ und „So Glad You Made It“. „Für den Startschuss haben wir uns gedacht, ein Album mit unseren besten Songs auf den Markt zu bringen, und es erscheint nun in 21 Ländern gleichzeitig. Sicherlich konnten die leute in diesen Ländern auch unsere beiden ersten, regulären Alben kaufen, aber der Import ist ja stets schwierig und auch kostspielig.“ Das es dafür knapp vier Jahre brauchte, ist für Dinand und Dennis kein Problem. „Deutschland ist sehr groß, da ist es keine Frage, dass es etwas länger dauert, um sich Gehör zu verschaffen, ohne dass man einen Single-Hit hat. Wir nehmen alles step by step. Hier ein Showcase mit The Calling, dann eine Tour mit den Simple Minds, dann letztlich noch mit Maroon 5, es geht langsam, aber so lange wir kontinuierlich dabei sind und auch in 5 Jahren wiederkommen können, ohne in leeren Clubs spielen zu müssen, hat sich das alles gelohnt.“ Das Landesgrenzen sich auch oft auf die Musik auswirken, ist für die beiden eher unverständlich. „Sieh dir Bands wie Reamonn an, obwohl wir Nachbarn sind haben sie bei euch große Hits und viel Airplay, in Holland aber hat sich niemand dafür interessiert. Warum ist das so? Es sieht so aus, als wären viele Musikliebhaber nun viel offener, auch für europäische Künstler. Bei euch ist ja auch nicht viel anders, deutsche Bands können in Deutschland erfolgreich sein und nur eine handvoll schaffen den Durchbruch auch im Ausland. Gibt es einen bestimmten Grund, warum die Guano Apes auch in Holland sehr beliebt sind, es aber international nicht wirklich geschafft haben? Die großen Namen kommen immer aus den USA und UK, aber die Zeiten ändern sich. Warum das so lange dauert? Keine Ahnung, aber es braucht nun mal seine Zeit.“ Der Kampfgeist stimmt, die Einstellung, dass man sich eben Zeit nehmen muss, ist auch die Richtige. Auch die Tatsache, dass einige der Songs, die sie nun erneut einem potentiellen Publikum vorstellen, schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, stört die sympathischen Niederländer nicht. „Ein guter Song bleibt ein guter Song, egal, wie lange du ihn schon spielst. Wir lieben es, gute Songs zu spielen!“ Nun unterscheiden sich die Versionen der Songs, die auf „What If“ enthalten sind, vom Sound her von den Originalen, die Essenz ist natürlich die gleiche geblieben. Sie sind deutlich mehr auf Pop getrimmt, obwohl sich Kane ja eher als eine emotionale Rockband verstehen... „Wir haben folgendes gemacht: Nachdem wir die 12 Songs für dieses Album ausgewählt hatten, dachten wir darüber nach, wie wir diese Nummern auch am besten ins Radio bekommen könnten. Unsere aktuelle Single „Rain Down On Me“ war auf dem letzten Album etwa 6 Minuten lang - so etwas spielt kein Sender! Also, haben wir die Nummer umarrangiert, ohne die Seele des Songs zu zerbrechen. Ja, diese Platte ist durchkonzeptioniert, um unsere Chancen zu vergrößern, aber wir fühlen uns nicht schlecht dabei.“ Müssen sie auch nicht, denn das Material spricht eine deutliche Sprache. Die Band hegt kein Ego, das es ihnen verbietet, noch einmal von vorne zu beginnen und sind gewillt, das Abenteuer Europa in Angriff zu nehmen. Das nötige Rüstzeug bringen sie mit, jetzt liegt es an den Hörern. Braucht die Welt eine Band wie Kane? In Zeiten, wo das Diktat von jenseits des Atlantiks immer größer wird und vermeintliche B-Ware als Topact versucht zu verkaufen, kann es jedenfalls nicht schlecht sein, eine so talentierte Band in der Nachbarschaft zu haben.

Aktuelles Album: What If (BMG)
Weitere Infos: www.kane.nl
© 03. Juni 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Juni 2004

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